https://www.faz.net/-g8b-979w3

Eisschnelllauf : Zugführer Ihle soll für den Speed sorgen

Gut drauf: Nico Ihle Bild: EPA

Die Medaillenhoffnungen der deutschen Eisschnellläufer haben sich bislang nicht erfüllt. Das letzte heiße Eisen im Feuer ist nun Nico Ihle. Er besitzt den Dampf des Sprinters.

          2 Min.

          Vor ein paar Tagen hatte sich Nico Ihle die ganze Sache so vorgestellt: Die anderen legen schon mal vor, und er setzt dann das Ausrufezeichen, das Sahnehäubchen, so etwas in dieser Richtung – wenn es sein muss, auch den Schlusspunkt. Er glaube, dass „Patrick eine Medaille holt. Dann Claudia. Und dann kann ich auf den Zug aufspringen.“ Das war am Mittwoch vergangener Woche, da hatte der Sprinter im deutschen Eisschnelllaufteam das erste Mal trainiert in Gangneung. Am Donnerstag wurde Patrick Beckert über 10.000 Meter Siebter, mit mehr als sieben Sekunden Rückstand auf Platz drei. Am Freitag lief Claudia Pechstein auf Platz acht, für eine Medaille fehlten elfeinhalb Sekunden. Nach einer Woche Olympia sind die Ergebnisse der deutschen Eisschnellläufer noch schlechter als vor vier Jahren in Sotschi, als sie ohne Medaille blieben. Wenn es denn einen Zug gibt, auf den Nico Ihle aufspringen könnte, dann muss er ihn erst mal unter Dampf bringen und vom Abstellgleis fahren.

          Olympische Winterspiele 2018

          Robert Bartko, der Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, setzt auf Ihle. „Wir schauen nur nach vorn. Wir haben noch zwei von vier Optionen auf eine Medaille“, sagte Bartko am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Cheftrainer Jan van Veen erinnerte daran, was der Anspruch an die Athleten war. „Unser Ziel war es hier, absolute Bestleistungen aufzustellen. Wenn das nicht passiert, kann ich nicht zufrieden sein.“ Die teilweise schwachen Leistungen in Gangneung waren allerdings auch durch gesundheitliche Rückschläge zu erklären, bei Roxanne Dufter etwa, die über 3000 Meter 23. wurde und 24. über 1500 Meter, und bei Michelle Uhrig (31. über 1000 Meter). Das verheißt allerdings nichts Gutes für eine der beiden Optionen Bartkos: die Teamverfolgung der Frauen.

          Chance auf eine Medaille

          Umso wichtiger ist Ihle. Drei Weltcup-Rennen hat er bislang gewonnen, zwei über 500 Meter, die in Gangneung an diesem Montag (13.30 Uhr/ live in FAZ.NET-Olympia-Liveticker, ARD und Eurosport) ausgetragen werden, und eines über die doppelte Distanz, das Rennen findet am kommenden Freitag statt. Bei der Einzelstrecken-WM in Gangneung im vergangenen Jahr war er über 500 Meter Zweiter geworden. Ihles Form war gut in dieser Saison, nie war er über 500 Meter schneller als Anfang Dezember in Salt Lake City: 34,35 Sekunden. Der 32 Jahre alte Chemnitzer hat durchaus die Chance, eine Medaille zu gewinnen. Deshalb war er als einziger deutscher Eisschnellläufer nach Abreise des Teams zu den Winterspielen noch in der Heimat geblieben, hatte in Berlin-Hohenschönhausen trainiert.

          Sprint on Ice: Nico Ihle ist der schnellste Deutsche
          Sprint on Ice: Nico Ihle ist der schnellste Deutsche : Bild: dpa

          In Sotschi vor vier Jahren war Ihle einer Medaille am nächsten gekommen, 12 Hundertstelsekunden hatten ihm über 1000 Meter zur Bronzemedaille gefehlt.

          Nun ist er guten Mutes. „Ich habe alles getan. Ich wüsste nicht, was ich noch machen sollte, um noch besser zu sein“, sagte Ihle am Sonntag: „Das Eis ist wunderbar, es kommt mir sehr entgegen. Eigentlich genauso wie im vorigen Jahr.“ Er brauche „keinen besonderen Lauf, nur einen guten“, um vorne mitmischen zu können: „Wenn keine Fehler drin sind, wird es eine schnelle Zeit.“ Ihle ist sich ziemlich sicher, dass ihm dies gelingen wird: „Ich fühle mich in der Form meines Lebens.“

          Weitere Themen

          Alte Schwächen beim BVB

          1:3 bei Lazio Rom : Alte Schwächen beim BVB

          Keine Fortschritte zu sehen: Borussia Dortmund startet mit einem 1:3 bei Lazio Rom in die Champions League. Ausgerechnet Ciro Immobile erzielt das erste Tor gegen den BVB.

          Angelino lässt Leipzig jubeln

          Champions League : Angelino lässt Leipzig jubeln

          Lockerer Auftakt für RB Leipzig. Die Bullen gewinnen zum Start in die neue Saison der Champions League gegen den türkischen Meister Istanbul Basaksehir. Ein Neuzugang ist nicht zu stoppen.

          Topmeldungen

          Abgeordnete im Deutschen Bundestag

          Corona-Kompetenzen : Die Gesetze macht immer noch der Gesetzgeber

          Beim Streit über die Kompetenzen des Bundestages geht es um mehr als nur um Formalitäten. Die Debatte ist auch eine Abrechnung mit der Art, wie die Corona-Politik bisher zustande gekommen ist.
          Schönau am Königssee: Alle Touristen mussten den Landkreis Berchtesgadener Land bis zum Beginn des Lockdowns verlassen. (Archivbild)

          Lockdown am Königssee : Jetzt ist auch für den Tourismus Schluss

          2500 Gäste mussten bis 14 Uhr den Landkreis Berchtesgadener Land verlassen. Bergbahnen und Ausflugsschiffe stehen still. Bei den Einheimischen macht sich Wut breit – über all jene, die den Lockdown durch ihr sorgloses Verhalten provoziert haben.
          Ein Kühlschrank mit kostenlosen Lebensmitteln im Stadtteil Brooklyn.

          Lebensmittelversorgung : Von New Yorkern für New Yorker

          In New York stehen auf den Bürgersteigen Kühlschränke mit kostenlosen Lebensmitteln. In Zeiten der Corona-Krise ist die Nachfrage danach immens. Das Konzept ist unkomplizierter als die Tafeln.
          Netflix: Keine besonders guten Zahlen für die Kalfornier

          Weniger Neukunden als erwartet : Corona-Kater für Netflix

          Netflix hat zwar weiter Neukunden während der Corona-Krise gewinnen können, doch die eigene Prognose wurde verfehlt. Auch für die Zukunft plant das kalifornische Unternehmen vorsichtig. Die Aktie sank.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.