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Eishockey-Bundestrainer Sturm : Der Bandenchef

Als Außenseiter gestartet spielte sich die deutsche Eishockey-Mannschaft um Trainer Marco Sturm bis ins olympische Finale. Bild: Reuters

Mit dem Finaleinzug bei den Olympischen Spielen gelingt den deutschen Eishockey-Männern Historisches. Der Vater des Erfolgs ist Trainer Marco Sturm. Er treibt sein Team mit unbändigem Ehrgeiz voran.

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          Es gab viel zu tun in dieser Woche. Und Marco Sturm hat es auf seine Art angepackt. Den Spielern gewährte er, wann immer es möglich war, eine Auszeit. Vier Spiele binnen fünf Tagen, alle erst gegen Mitternacht fertig, gingen an die Substanz. Die Trainingseinheiten beschränkte der Bundestrainer aufs Nötigste. Stattdessen durften die Profis auch mal einen Strandspaziergang machen oder in ihren Appartements die Füße hochlegen, so dass jeder, wie er wollte, Kraft tanken konnte.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Er selbst gewährte sich kaum Pausen, sondern zog sich in den Momenten, in denen kein Puck im Spiel war, oft mit seinen engsten Mitarbeitern zum Studium der Videoaufzeichnungen zurück: Eigene Fehler analysieren, die des Gegners erkennen und dafür die passenden Lösungsansätze finden. Er hat es mit Bravour gelöst. Sturm führte die deutsche Auswahl gleich bei seinem Olympia-Debüt als Trainer mit dem sensationellen 4:3-Sieg über die favorisierten Kanadier ins Finale gegen die „Olympischen Athleten aus Russland“ an diesem Sonntag (5.10 Uhr MEZ im F.A.Z. Liveticker zu Olympia und im ZDF sowie bei Eurosport). Es ist eine Sensation, ein Wunder auf Eis. Doch Sturm, der Bandenchef dieses Unternehmens, bewältigte den Stresstest mit beispielhafter Coolness.

          Olympische Winterspiele 2022

          Am Donnerstag, als die Sonne hinter dem Berg verschwand, verließ auch er zum Durchatmen kurz das Olympische Dorf. Er traf dabei auf einem Parkplatz auf eine Gruppe internationaler Journalisten. Der Wind blies ungemütlich um die Ohren, aber der Bundestrainer zog die Mütze zurecht, den Reißverschluss der Jacke hoch und beantwortete vor den Kameras alle Fragen, als plötzlich die Alarmanlage eines abgestellten Autos zu heulen begann. Sturm zuckte nicht mit der Wimper, sondern parlierte weiter in fließendem Englisch über seinen „Masterplan“. Kernbestandteil des Konzepts: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Bei den zwei Dutzend unterschiedlichen Typen, die die Eishockey-Nationalmannschaft bilden, fand er mit dieser Botschaft vom ersten Tag an Gehör.

          „Marco Sturm hat die Lust zurückgebracht“

          Sturm übernahm die Aufgabe vor drei Jahren. Die Ausgangslage war kompliziert. Unter seinen beiden Vorgängern, dem Schweizer Jakob Kölliker und dem Italo-Kanadier Pat Cortina, ging es abwärts. Es gab zweistellige Niederlagen, die Qualifikation für Olympia in Sotschi wurde verpasst, und im Frühling 2015 war die Stimmung so schlecht, dass mehr als zwanzig Spieler ihre Nominierung für die WM in Prag ausschlugen.

          Als Sturm übernahm, sagte er, das sei Geschichte: „Ich habe noch nie gerne zurückgeschaut, was gewesen ist, sondern immer nach vorne, denn nur das lässt sich beeinflussen.“ Christian Ehrhoff, Verteidiger bei den Kölner Haien und deutscher Fahnenträger bei der Schlussfeier, sagte in Gangneung: „Marco Sturm hat die Lust zurückgebracht.“

          Sein Wechsel auf den Posten des Chefs an der Bande war in der Lebensplanung ursprünglich nicht vorgesehen. Der 39 Jahre alte Bayer beherrschte sein Metier als Aktiver derart gut, dass er sich über Jahre im Wettstreit mit den besten Konkurrenten der Welt durchsetzte. Ein Vierjahresvertrag mit der „German Rocket“, wie sie ihn wegen seines Tempos auf Schlittschuhen nannten, war den Boston Bruins 14 Millionen Dollar wert. In Übersee wurde Sturm sesshaft.

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