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Deutsches Olympia-Outfit : Kann ich mich in dem Look zur Eröffnungsfeier trauen?

Das Olympia-Outfit passt Skilangläufer Tobias Angerer. Aber ob es ihm auch gefällt? Bild: picture alliance / Sven Simon

Im bunten Regenbogen-Outfit werden die deutschen Sportler an diesem Freitag (17.14 Uhr) an der Olympia-Eröffnungsfeier in Sotschi teilnehmen. Müssen sie sich für ihre Kleidung schämen?

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          Schon bemerkenswert, dass Sportbekleidung selten zuvor so hübsch anzusehen war wie heute. Dass zum Beispiel die Nike Free Flyknits aus einem mittelmäßigen Look einen großartigen zaubern, dass jetzt Luxusmarken wie Bottega Veneta Jogginghosen entwerfen oder Karl Lagerfeld seine Models, wie bei der Couture-Schau von Chanel vor zwei Wochen, in Sneakers mit dicken Profilsohlen über den Laufsteg hopsen lässt. Dass Sportbekleidung also der letzte modische Schrei ist, und die, die sich darauf spezialisieren, es dennoch nicht schaffen, eine vernünftige Skijacke zu entwerfen - namentlich Willy Bogner.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zusammen mit Adidas ist er für die Outfits der deutschen Mannschaft für Sotschi verantwortlich. Nur scheint Bogner dabei weniger an die Wettkämpfe gedacht zu haben als jeder zweite Superdesigner dieser Tage. Willy Bogner ist eher wie eine übervorsichtige Mutter vorgegangen, die ihren Erstklässler-Zögling an einem Wintertag um 7:30 Uhr zur Schule schicken muss. „Zieh doch bitte den Dufflecoat mit der Kapuze an, den in Türkisblau, Zitronengelb und Froschgrün. Und nein, die anderen Kinder lachen dich nicht aus, wenn du ihn mit der roten Rosen-Hose und der bunten Mütze kombinierst.“ So ziehen nun Deutschlands beste Wintersportler raus, in die Dunkelheit, ins gefährliche Sotschi.

          Die Hose mit Rosen-Druck ist nur etwas für Damen. Aber selbst die Mütze, ein Entwurf von Magdalena Neuner, scheint den Herren zu viel des Guten. Bei der Eröffnungsfeier am Freitag (17.14 Uhr/ live im ZDF) wird ihnen allerdings nichts anderes übrigbleiben, als sich von Kopf bis Fuß in Bogner zu kleiden. Müssen sie eigentlich auch den zur Kollektion passenden Rasierer und die Zahnbürste im Sotschi-Look im Koffer haben?

          Tja, Marketing, so läuft das heute. Das bedeutet auch, dass Bogner seinen Netzauftritt vorab mit netten Zitaten der Sportler untermalt: „Wir sind zum dritten Mal im Bogner-Outfit dabei! Ein tolles Gefühl, die totale Identifikation.“ Wirklich? Auf den Gipfel der Identifikation müssten es doch schon die Sommersportler in London geschafft haben. Wir erinnern uns: Die Mädels liefen in Pink ein, die Buben in Blau, wie sich das gehört. Willy Bogner, keine Frage, ist Kritik gewöhnt, und, gut, bei dem Fitting möchte man nicht dabei sein. Der eine hat breite Schultern, der nächste Beine wie Streichhölzer. Wie soll man da auf einen gemeinsamen Nenner kommen? Nur liegt der bestimmt nicht bei Türkisblau zu Zitronengelb. Insofern, peinlich muss ihnen Ihr Aufzug schon sein.

          Das Lachen ist ihnen jedenfalls nicht vergangenen: Deutsche Wintersportler bei der Vorstellung des Olympia-Outfits im Oktober

          Allerdings ist auch der Blick auf die Konkurrenz zur Beantwortung der Ausgangsfrage nicht unbedeutend. Vor den Franzosen - picobello in Lacoste, in grauen Flanelljacken - sollten sich die deutschen Sportler lieber verstecken. Auch die Italiener - in dunkelblauen Armani-Trainingsanzügen - meiden sie besser. Damit die Ohren nicht kalt werden, tragen die Tschechen hingegen das Fell toter Tiere auf dem Kopf - da können sie locker mithalten. Und falls wirklich jemand von den Bessergekleideten lachen sollte, halten sich die Deutschen zum ersten Mal im Leben an die Worte von Präsident Putin, der, angesprochen auf den Folklore-Look der russischen Mannschaft, entgegnete, er habe damit nichts zu tun.

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