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Deutsche Biathlon-Männer : Wenn Meter und Zentimeter fehlen

Erzielte das beste deutsche Ergebnis im Massenstart: Benedikt Doll Bild: Reuters

Die deutschen Biathleten gewinnen zum ersten Mal seit 2010 keine Medaille. Auf das Konto der Frauen gehen zwei. Wie steht’s um das Männer-Biathlon in Deutschland?

          2 Min.

          Am Freitagnachmittag steht Benedikt Doll im Biathlon-Stadion in Zhangjiakou und spricht über einen Ort, der mehr als 7000 Kilometer entfernt ist: Oberhof. Dort, im Thüringer Wald, wird im nächsten Februar die Weltmeisterschaft ausgetragen. In seinem Land.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          In seinem Sport. „Das hat doch genauso einen goldenen Glanz“, sagt er. Und wenn man ihn Wort für Wort nehmen würde, müsste man ihm wohl widersprechen. Denn für Doll und die deutschen Biathleten haben die Olympischen Spiele in China keinen goldenen und nicht mal einen silbernen oder bronzenen Glanz gehabt.

          Olympische Winterspiele 2022

          Es ist Ausdruck der Ausnahmeveranstaltung Olympia, dass die Anziehungskraft der Medaillen so groß ist. Für Athleten. Für Fans. Für Medien. Für Politik. Für Sponsoren. Besonders in Deutschland. Besonders im Biathlon. „Es ist schon toll, wenn man eine Medaille bei Olympia holen kann“, sagt Benedikt Doll, 31 Jahre alt, der vor vier Jahren in Pyeongchang Bronze in der Verfolgung und Bronze mit der Staffel gewonnen hat. Und nun in China? Keine Medaille für Doll. Keine Medaille für die deutschen Männer.

          In fünf Rennen (Einzel, Sprint, Verfolgung, Massenstart, Staffel) fehlten entweder Meter beim Laufen oder Zentimeter beim Schießen oder beides. „Es waren Kleinigkeiten, die eine Medaille verhindert haben“, sagt Doll. „Es ist nicht so, dass wir meilenweit weg waren.“ Weil Biathlon in Deutschland aber unter besonderer Beobachtung ist, wurde er mit Zeit und Ort des letzten Null-Medaillen-Olympias konfrontiert: 2010 in Vancouver.

          Am Freitag hätte Doll das fast noch verhindert. Er stellt sich als Fünfter fürs vierte und letzte Schießen des Massenstarts auf. Dann geht er ins Risiko. „Ich wusste, ich kann jetzt keine Minute da rumeiern“, sagt er später. „Dann wäre die Medaille weg gewesen. Ich hab mir gesagt: Ich will eine Medaille probieren.“ Dafür darf er sich nicht mehr als einen Fehler erlauben. Es werden wegen des starken Windes vier. Am Ende wird Doll Achter. Das Rennen gewinnt der Norweger Johannes Thingnes Bø vor Martin Ponsiluoma (Schweden) und Vetle Sjåstad Christiansen (Norwegen).

          Wie steht’s nun um das Männer-Biathlon in Deutschland? „Ich mache mir keine Sorgen“, sagt Benedikt Doll. „Ich muss auch ganz ehrlich sagen: Für mich ist eine Weltcupsaison auch wichtig, eine WM auch wichtig.“ Die Weltmeisterschaft in Oberhof wird er noch mitmachen. Die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo dagegen eher nicht mehr. In seinem Sportlerleben wird er damit auch keine olympische Medaille mehr gewinnen können. „Man lernt in den Jahren mit dem Leistungssport, dass das einfach dazugehört, dass es ein Spiel ist. Entweder es klappt, oder es klappt nicht. Jetzt hat es bei diesen Spielen nicht geklappt.“

          Es gehört zur Wahrheit über Medaillen dazu, dass sie den kritischen Blick auf die Gesamtleistung nicht nur schärfen, sondern auch verschleiern können. Am Beispiel der deutschen Frauen kann man das beobachten. Am Freitagmittag kommt im Massenstart, den Justine Braisaz-Bouchet gewinnt, nur Franziska Preuß (8.) unter die Top Ten. Im Sprint und in der Verfolgung schaffte das keine. Doch kritische Fragen gibt’s für sie nicht. In ihrer Olympia-Bilanz haben sie nämlich eine Gold- (Denise Herrmann im Einzel) und eine Bronzemedaille (Staffel).

          Olympische Winterspiele 2022

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