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Claus Dieterle

Biathlon-Kommentar : System und Zufall

Laura Dahlmeier freut sich über ihre zweite Goldmedaille in der 10-Kilometer-Verfolgung der Damen bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang. Bild: AP

Vor wenigen Jahren noch schien der Stern der deutschen Biathlon-Damen verglüht zu sein. Dass er in Pyeongchang wieder hell erstrahlt, liegt auch an Laura Dahlmeier – aber nicht nur.

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          Am Anfang stand ein Debakel. Vor vier Jahren in Sotschi war das deutsche Frauen-Biathlon am Tiefpunkt angelangt. Keine einzige Medaille – und das nach den goldenen Zeiten, die Kati Wilhelm, Andrea Henkel und Magdalena Neuner dem Deutschen Skiverband (DSV) bei jedem Großereignis verlässlich beschert hatten. Zu allem Übel musste man in Russland auch noch den Doping-Fall Evi Sachenbacher-Stehle verkraften. Und groß war die Sorge, was die Zukunft anging. Anno 2018 steht das Frauen-Biathlon made in Germany wieder glänzend da, goldglänzend sozusagen. In erster Linie wegen eines Phänomens namens Laura Dahlmeier. Dass man so schnell wieder eine so außergewöhnliche Athletin haben würde, die mit ihren sportlichen Qualitäten sogar noch die Rekordweltmeisterin und Vorgängerin Magdalena Neuner überstrahlt, hätte damals niemand gedacht. Auch der DSV hatte sich auf eine längere Durststrecke eingerichtet.

          Es war ein kompletter Umbruch, nachdem in Sotschi Andrea Henkel, die letzte Athletin aus der goldenen Ära, in den „Ruhestand“ gegangen war. Aber schon in den kaukasischen Bergen war die Zukunft am Start – Laura Dahlmeier und Franziska Preuß. Hochtalentiert, aber eigentlich noch zu jung, mangels Alternativen dennoch ins olympische Eiswasser geworfen. Und damals vollkommen überfordert. Aber lernfähig. Genau wie die Trainer und die Verantwortlichen im DSV. Die waren sich dieses wertvollen Kapitals durchaus bewusst und entwickelten einen Anlage-Plan, der nicht auf sofortige Rendite ausgerichtet war, sondern auf behutsame Entwicklung in kleinen Schritten. Mit vielen Bausteinen, zu denen auch die Verzahnung mit dem Männerteam gehörte. Das war deutlich besser aufgestellt und sollte den jungen Frauen in der Öffentlichkeit auch ein bisschen Windschatten bieten. Und bei Großereignissen – das belegen Arnd Peiffers Gold- und Benedikt Dolls Bronzemedaille in Südkorea – sind die Männer von Bundestrainer Mark Kirchner immer für Medaillen gut, auch ohne einen Superstar wie Martin Fourcade.

          Gute Strukturen und ein Quäntchen Glück

          Aber selbst die Trainer staunen, wie schnell die jungen Frauen auf die Überholspur wechselten. In erster Linie mit Laura Dahlmeier, aber auch hinter ihr ist das deutsche Frauen-Team erstmals seit Jahren wieder auf hohem Niveau kompakt aufgestellt. Das ist das Verdienst der beiden Trainer Gerald Hönig und Tobias Reiter, aber auch das Resultat funktionierender Strukturen, mit den Olympia-Stützpunkten Ruhpolding und Oberhof an der Spitze. Dazu gehören auch die medizinische Betreuung, die wissenschaftliche Begleitung des IAT in Leipzig, die personelle und materielle Ausstattung.

          Der DSV weiß genau, was er an Biathlon hat. Denn die Skijagd ist die Wintersportart Nummer eins in der Gunst der deutschen Fernsehzuschauer. Mit verlässlich hohen Einschaltquoten. 7,5 Millionen Zuschauer haben am Sonntag in Deutschland zugesehen, als Peiffer Olympiasieger wurde. Biathlon ist neben Skispringen der Anker in den Wintersport-Endlosschleifen bei ARD und ZDF, um den herum auch die medialen Stiefkinder des DSV ihren Platz und damit öffentliche Aufmerksamkeit finden. Das macht die Skijagd für den Verband so wichtig.

          Ein Phänomen wie Laura Dahlmeier erklärt aber nicht alles. Da kommen Talente und Fähigkeiten zusammen, die man nur bedingt lernen kann. Und letzten Endes hängt trotz guter Strukturen und Talentsichtung vieles von Zufällen ab. Wer weiß, ob es die Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier heute gäbe, wenn unter dem Weihnachtsbaum Alpinski statt Langlauflatten gelegen hätten.

          Das Biathlon-Kapital wurde langfristig angelegt und bringt jetzt eine goldene Rendite.

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