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Deutsche Biathlon-Staffel : Unrühmliches Olympia-Ende

Am Ende ohne Medaille: Das Team um Laura Dahlmeier. Bild: dpa

Die Enttäuschung war groß bei den deutschen Biathletinnen, nachdem im letzten Wettbewerb bei den Winterspielen nicht die Goldmedaille, sondern nur Platz acht heraussprang. Besonders der Trainer zeigt sich nun zerknirscht.

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          So lange hat Gerald Hönig selten gebraucht, um seine Siebensachen am Schießstand zusammenzupacken. Der Mann brauchte einfach Zeit, um sich zu sammeln, das war offensichtlich. Und das Ersatzgewehr, mit dem sich der Bundestrainer der Biathletinnen auffallend ausgiebig beschäftigte, bevor er es dann doch ins Futteral steckte, gab ihm wenigstens eine Weile Halt. Hönig hatte ja auch eine Menge zu verkraften.

          Die nächste Enttäuschung, wenn man Platz vier im Mixed vom Dienstag hinzurechnet. Diesmal kam sie nicht zum bösen Schluss, sondern hatte sich lange angedeutet. Was es nicht leichter für Hönig machte: Sein Staffel-Quartett, das saisonübergreifend sieben der acht vergangenen Rennen gewonnen hatte und auch nach den Einzelleistungen in Pyeongchang hoher Favorit war, war gerade bei böigem Wind und zeitweiligem Schneetreiben auf Platz acht gelandet. Mit 53,9 Sekunden Rückstand auf Sieger Weißrussland. Wenn das jemand vorhergesagt hätte, hätte man ihn ausgelacht.

          Aber dann kam es am Donnerstag im Alpensia Biathlonzentrum knüppeldick für die erfolgsverwöhnten Deutschen: Franziska Preuß – eine Strafrunde, Denise Herrmann – eine Strafrunde, Franziska Hildebrand – eine Strafrunde, Platz elf, 1:12 Minuten Rückstand. So etwas hat auch Hönig selten erlebt. Da kann auch eine Doppel-Olympiasiegerin wie Laura Dahlmeier auf den letzten sechs Kilometern nicht mehr als Schadenbegrenzung betreiben. Natürlich hätte Hönig, als er sich wieder gesammelt hatte, von irregulären Bedingungen sprechen können, aber er hielt sich nicht lange mit Ausflüchten auf. „Die Bedingungen waren schwierig, aber nicht unbedingt ein Grund, den Wettkampf nicht durchzuführen.“

          Ja, es gab Phasen, da fegte der Wind mit Wucht in den Schießstand, ließ die Fähnchen flattern und wirbelte den Schnee über die Schießbahnen. „Aber“, so Hönig, „es gab Athletinnen, die das beherrscht haben.“ Seine waren zu drei Viertel nicht dabei. Natürlich war es ein Fehlschuss-Festival; auch andere Staffeln hatten so ihre Probleme, konnten sie aber zumindest früh genug wieder ausbügeln. „Das ist uns nicht vergönnt gewesen“, sagte der Bundestrainer. Sein Team dagegen geriet immer stärker ins Hintertreffen.

          Schon das erste Glied in der Viererkette funktionierte nicht wie erhofft. Franziska Preuß, ansonsten eine sichere Schützin, sorgte gleich im ersten Anschlag für Verwirrung. Wobei sie selbst am meisten verwirrt war. „Für mich war das ein Fehler“, sagte sie und meinte den vierten Schuss. „Deswegen habe ich nachgeladen und dann gesehen, dass es doch ein Treffer war. Da habe ich wieder aus repetiert.“ Zum Glück, denn einige Zeit hielt sich das Gerücht, dass sie mit einer Patrone im Lauf weitergelaufen sei, was die sofortige Disqualifikation nach sich gezogen hätte. Aber für die 23 Jahre alte Bayerin war das Rennen trotzdem gelaufen. „Mich hat das Liegendschießen aus dem Konzept gebracht, dann kamen der Schneefall und der Wind am Schießstand dazu, einfach diese Anspannung, ich habe es vom Kopf dann einfach nicht mehr kontrolliert bekommen“, sagte sie.

          Pech am Schießstand: Franziska Preuß

          Es war der Anfang vom Ende aller Gold-Träume, auch wenn in der Staffel, siehe das Peiffer-Drama zwei Tage zuvor, bis zuletzt vieles möglich ist. Aber wenn niemand in die Bresche springt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Denise Herrmann muss man zugutehalten, dass ihr als Langlauf-Umsteigerin noch die Erfahrung für solch diffizilen Bedingungen fehlt. Bei ihr war das Stehendschießen das Problem: Ewig stand sie da, aber kein Schuss fiel. Und als sie endlich den Zeigefinger krumm machte, fielen die Scheiben nicht: „Wenn du merkst, du brauchst drei Nachlader, geht dir schon ein bisschen die Düse“, sagte sie. Die nächste Strafrunde. „Ich denke, die Denise war mit der Situation ein bisschen überfordert“, sagte Hönig ohne Vorwurf. Weshalb sich auch die erfahrene Franziska Hildebrand gleich bei erster Gelegenheit nahtlos in die deutsche Strafrunden-Gemeinschaft einfügte, bleibt vorerst unbeantwortet.

          Sie verschwand wortlos. Laura Dahlmeier, die als Einzige eine tadellose Leistung gebracht hatte, ohne noch viel retten zu können, sagte fatalistisch: „Es ist, wie es ist. Aber es ist für alle vier eine blöde Situation. Wir waren schließlich die Favoriten.“ Woran die Favoriten letzten Endes gescheitert waren, da nahm Hönig kein Blatt vor den Mund: „An unseren Leistungen.“ Was beim Blick auf die Ergebnisliste sehr deutlich wird. Von den ersten drei – Weißrussland, Schweden und Frankreich –, musste kein einziges Team in die Strafrunde. Dass der Wind auch Darja Domratschewa, der weißrussischen Schlussläuferin, noch einen Streich spielte, war eher eine lustige Schlusspointe. Beim Versuch, fahnenschwenkend den Zielstrich zu überqueren, riss er ihr das schöne Stück Stoff vom Stock. Solche Pannen kann man lächelnd verkraften.

          Olympische Winterspiele 2018

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