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Olympische Spiele : Eine eigene Welt

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In beeindruckender Regelmäßigkeit finden sich die weltumspannenden Verbände des Sports in selbstgestellten Fallen wieder. Jetzt kniet die „mächtige“ globale Sportorganisation IOC ohne Not wieder einmal vor dem Fürstenthron.

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          In beeindruckender Regelmäßigkeit finden sich die weltumspannenden Verbände des Sports in selbstgestellten Fallen wieder. Fast scheint es, als glaubten die Damen und Herren Funktionäre den Unsinn vom „unpolitischen“ Sport, den sie bei passenden und unpassenden Gelegenheiten zum Besten geben. In der jüngsten Kontroverse geht es um das Gesetz gegen „Propaganda für Homosexualität“, das seit einiger Zeit in Russland in Kraft ist. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hätte schon aufmerksam werden müssen, als das Gesetz noch ein Entwurf war: Von den Bestimmungen könnten ja auch Teilnehmer an den Olympischen Winterspielen in Sotschi im kommenden Jahr betroffen sein. Protest oder auch nur leise Bedenken des IOC gegen das Gesetz sind nicht bekannt geworden.

          Jetzt, wo die Regelung in Kraft ist, folgt die hilflos anmutende Reaktion des IOC. Teilnehmer der Spiele, die sich im Sinne des russischen Gesetzes „schuldig“ machen, werden vage mit dem Ausschluss von den Spielen bedroht. Das Argument, damit würden die Sportler geschützt, ist nicht von vornherein von der Hand zu weisen, denn russische Behörden sind für ihre „zupackende“ Art berüchtigt. Andererseits ist nur schwer vorstellbar, dass ein so sehr auf Prestige bedachter Politiker wie Präsident Putin Szenen zuließe, in denen seine Polizisten ausländische Sportler aus dem Olympischen Dorf zerren, sie für einige Zeit ins Gefängnis stecken und dann des Landes verweisen.

          Nein, hier kniet die „mächtige“ globale Sportorganisation ohne Not wieder einmal vor dem Fürstenthron. Schon vor den Sommerspielen in Peking 2008 fühlte sich das IOC bemüßigt, Sportler daran zu „erinnern“, dass die Olympische Charta politische Propaganda im Rahmen der Spiele verbiete. Diesen Gummiparagraphen könnte man im Sinne der Freiheit auslegen. Aber dazu hat das IOC öffentlich nicht den Mut.

          Genauso wenig kann sich die Organisation zu dem Schluss durchringen, der angesichts des Elends naheliegt: Man vergibt Großereignisse wie Olympische Spiele und Fußball-Weltmeisterschaften nicht an zweifelhafte Länder. Ein solches Vorgehen schränkte die Zahl der Veranstalter zwar ein. Aber erstens sparte das Kosten, und zweitens gäbe es weniger Ärger. Man könnte fast meinen, die Funktionäre suchten die Probleme. Sie leben in einer sehr eigenen Welt.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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