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Olympische Mode : Turin Fashion Weeks

  • Aktualisiert am

Bogner schneidert für Olympia Bild: REUTERS

Wer sind die Schönsten auf dem Treppchen? Diese Frage stellen sich vor allem italienische Modeexperten, denen es bei den olympischen Spielen in Turin auch aufs Äußere ankommt. Für Deutschland sehen in dieser Disziplin die Medaillenchancen eher mau aus.

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          Wer fliegt am weitesten? Wer läuft am schnellsten? Wer fährt als erster durchs Ziel? Auf diese Fragen kommt es bei den olympischen Spielen in Turin wirklich an - könnte man meinen. Doch auch die Frage „Wer ist der oder die Schönste im Team?“ wird am Rande der Winterspiele gern gestellt. Zum Beispiel von Modeexperten, die kritisch jede Siegerehrung und jedes Schaulaufen begutachte, um dann die Konkurrenz zu kritisieren.

          Die Deutschen werden seit Jahren von Willy Bogner eingekleidet und mindestens ebenso lange für ihren Stil verrissen. Zu bunt, zu schräg, zu kindisch. In diesem Jahr mischen sich giftiges Apfelgrün und Knallorange mit Weiß. Ihn hätten die frischen Farben des Piemont inspiriert, verriet er. Es gibt bunt gemusterte Strickwesten, die aussehen wie aus der Kinderabteilung von H&M und dazu eine Kopfbedeckung, die ebenfalls dort angeboten werden könnte: Eine Mutation aus Baseballkappe und Strickmütze, versehen mit zwei bunten Zöpfchen. „Vergiß die Deutschen mit ihrer Überdosis Vitamin C“, meinen die Fachleute von der Mailänder Modegruppe Dolce & Gabbana dazu. Mehr Spott haben sie nur noch für die Chinesen übrig.

          „Wie wandelnde Sandwiches“

          „Ihre Kleidung ist die kitschigste von allen. Sie sehen darin aus wie wandelnde Sandwiches. Die langen Jacken machen sie noch kürzer als sie ohnehin schon sind.“

          Einfach cool: Amerikanische Mode in der Half-Pipe

          Eine Goldmedaille verleihen die Top-Designer dagegen dem Team Kasachstans für die langen, schwarzen Mäntel und die Borsalino-Hüte. „Die Kasachen würden wir vom Fleck weg für eine Modenschau engagieren“, heißt es bei Dolce & Gabbana. Lob erntet - natürlich - auch das elegante silberne Daunenjacken-Outfit der Italiener. „In ihrer Ausstattung mit den Mondfarben sind die Italiener sehr elegant“, so die Experten. Ein Lob mit Unterton kassieren die Russen: „Daumen hoch. Die weißen Jacken lassen sie ein wenig dünner und schlanker aussehen.“

          „Wie Heidis Ziegenpeter“

          Die Olympia-Ausstattung der Österreicher wird derweil selbst in deren Heimat heftig diskutiert. Vor allem die Hüte der 3800 Euro teuren Ausrüstung werden kritisiert. „Benjamin Raich gleicht mit der Kopfbedeckung eher Heidis Ziegenpeter als einem Weltklasse-Läufer“, kommentierte eine Tageszeitung.

          Dass sich die Kritiker äußern, ist nicht verwunderlich - mischen sie doch selbst gerne bei den olympischen Modewochen mit. Wer sich noch nicht als Designer qualifiziert hat, hofft daher vielleicht, in vier Jahren selbst zum Skizzenblock gebeten zu werden. Vielleicht für die Snowboarder? Oder die Eisschnellläuferinnen?

          „Wie der Geist des Landes“

          Dieses Jahr hat Giorgio Armani 30 Kleider für die kolossale Eröffnungsfeier entworfen. Der italienische Modepapst ließ es sich auch nicht nehmen, selbst die Olympische Fackel auf ihrem Weg nach Turin durch Mailands Nobelmeile Via Montenapoleone zu tragen. Der Mailänder Stardesigner Roberto Cavalli kostümiert die italienische Eiskunstläuferin Carolina Kostner, Tommy Hilfiger die amerikanischen Skispringer. Rosella Jardini, Designerin im Hause Moschino, hat 89 Outfits für die Trägerinnen der Tafeln entworfen, auf denen bei der Eröffnungsfeier der Name der jeweiligen Nation stand - das schönste natürlich für Italien, mit ganz Turin als stoffgewordener Landschaft darauf. Zehn Näherinnen sollen jeweils 15 Stunden allein an den spektakulären Röcken gearbeitet haben.

          Auch internationale Branchenriesen haben sich im Vorfeld darum gerissen, die Kleidung der Olympia-Helden zu entwerfen. Nike kümmert sich um die amerikanische Eishockeymannschaft und einige ihrer Rivalen. Spyder ist für die Rennanzüge von Ski-Ass Hermann Maier und Kollegen zuständig, Burton für die Snowboarder. Gute Werbung durch die Winterspiele erhofft sich der Wintersport-Ausrüster Anzi Besson. Die in Turin beheimatete Firma hat an der Herstellung der Outfits der italienischen, österreichischen und russischen Delegation mitgewirkt. „Die Kleidung muß dem Geist des Landes entsprechen und vor allem bequem sein“, sagt Firmenchef Giuliano Besson, in den 70er Jahren selbst als Skirennläufer im Weltcup unterwegs.

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