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Olympia 2020 : Was Tokio besser als Rio machen will

  • -Aktualisiert am

So soll das Olympiastadion in Tokio 2020 aussehen. Bild: Picture-Alliance

In vier Jahren finden die nächsten Olympischen Spiele in Tokio statt. Die japanischen Organisatoren möchten von Brasilien lernen – und vieles anders machen.

          3 Min.

          Rio war gestern - Tokio ist morgen. Yuriko Koike, die frisch gewählte Gouverneurin von Tokio, hatte eigens ihre Armmuskeln gestählt, um bei der Schlussfeier im Maracanã-Stadion die olympische Flagge von Bürgermeister Eduardo Paes entgegennehmen zu können. Sie wandert nach Tokio, wo in vier Jahren die Spiele der XXXII. Olympiade ausgetragen werden. Koike ist die erste Frau auf diesem Posten, war früher schon Verteidigungs- und Umweltministerin und damit eine der wenigen Politikerinnen, die in Japan etwas zu sagen haben.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          „Hillary Clinton spricht gern von einer gläsernen Decke“, sagte sie bei einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro ungewöhnlich offen für eine Japanerin. „In Japan gibt es eine eiserne Decke.“ Der Spirit der Olympischen Spiele solle helfen, diese Verhältnisse zu verändern. „Die erste japanische Medaille in Rio wurde von einer Frau gewonnen“, sagte die Gouverneurin, „im Gewichtheben der Klasse bis 48 Kilogramm.“ Hiromi Miyake wurde Dritte. „Eine phantastische Leistung“, sagt Koike, die auch Präsidentin des japanischen Gewichtheber-Verbandes war.

          Ganz besonders stark sind auch japanische Ringerinnen. Kaori Icho erkämpfte sich in Rio bereits ihre vierte Goldmedaille. Insgesamt gingen vier von sechs Olympiasiegen im Frauenringen an Japan, dazu kam noch einmal Silber. „Sie geben gute Beispiele für die Frauen in Japan.“ Es wäre ein starkes Vermächtnis der Olympischen Spiele, wenn die Hoffnung der Gouverneurin sich erfüllen und Japans Frauenwelt anfangen könnte, sich im zivilen Leben so durchzukämpfen wie auf der Ringermatte.

          Eine andere olympische Hinterlassenschaft wolle sie aber mit Sicherheit vermeiden, sagte sie: nach den Spielen verlassene Stadien, die eine Menge Unterhalt kosteten, sogenannte „Weiße Elefanten“. Ihre Delegation in Rio, die 183 Leute umfasste, sei nach Brasilien gekommen, um vom Organisationskomitee zu lernen. Zum Beispiel, wie man spart. Rio hatte in seiner ökonomischen Lage ohnehin keine andere Wahl. Die Gouverneurin lobte die vielen temporären Sportstätten und Tribünen. Und den Plan, aus Olympia-Material eine Grundschule zu bauen. „Auch wir müssen sparen“, sagte sie.

          Noch nie ein positiver Doping-Test aus Japan

          Schon im vergangenen Jahr hatte Premierminister Shinzo Abé eingegriffen. Die Kosten für das von der inzwischen verstorbenen Star-Architektin Zaha Hadid entworfene Olympiastadion fand er mit 2,2 Milliarden Euro viel zu hoch. Er durchkreuzte also den Plan und vergab einen günstigeren Auftrag an den Landsmann Kengo Kuma, der in seinem Entwurf dann allerdings das olympische Feuer vergaß. Doch es sind ja noch vier Jahre Zeit, um das Versäumnis zu beheben. Ein gravierenderes Problem ergab sich, als im Rahmen der Ermittlungen gegen den ehemaligen Leichtathletik-Präsidenten Lamine Diack bekanntwurde, dass Tokio im Vorfeld seiner Wahl 1,8 Millionen Euro, möglicherweise an Schmiergeldern, bezahlt hatte. Ein höchst peinlicher Moment für die empfindliche japanische Öffentlichkeit.

          Große Zustimmung in der Bevölkerung lösen hingegen die japanischen Erfolge in Rio aus. 41 Medaillen - so viele gewann dieses Land noch nie, es schloss in der Nationenwertung auf Rang sechs hinter Deutschland ab. Erfolge gab es, so erklärte Tsunekazu Takeda, der Chef des Japanischen Olympischen Komitees, auch in anderen als den traditionellen Sportarten wie Turnen oder Judo. Erstmals gewann Japan zum Beispiel Goldmedaillen im Schwimmen (400 Meter Lagen Männer, 200 Meter Brust Frauen) und im 50 Kilometer Gehen (Bronze). 338 japanische Athleten waren in Rio am Start - in London 2012 waren es noch 295.

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          „Wir wollen in unserem Land die olympische Bewegung promoten“, sagte Takeda. „Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir auch einen guten Platz im Medaillenspiegel.“ Die ansonsten stets notwendige Fußnote, die Ergebnisse seien angesichts der vom Internationalen Olympischen Komitee praktizierten Nachtests ohnehin nur provisorisch, fällt vorerst weg. Noch nie in der Geschichte Olympischer und Paralympischer Spiele hat Japan einen positiven Doping-Test abgeliefert. Das war eines der Argumente, warum Tokio 2013 die Spiele zugesprochen wurden - im Gegensatz etwa zur Türkei mit dem Bewerber Istanbul.

          Auch in punkto Ticketverkauf, erklärte Toshiro Muto, der Vorsitzende des Organisationskomitees, sinngemäß, habe man von Rio lernen können - wie man es nicht machen darf. Angesichts teilweise leerer Tribünen sagte er, man brauche ein einfaches, leicht verständliches Verkaufssystem. Und auch ökologisch will sich die Industrienation von Rio unterscheiden, wo Plastikgeschirr, ständig laufende Motoren und übertrieben kühlende Klimaanlagen für Irritation sorgten.

          „Wir sind bereit, die Flagge zu übernehmen“

          Auch die Mülltrennung auf Brasilianisch soll es nicht geben: Mülleimer mit zwei Einwürfen, darunter aber nur einem Sack. Als Umweltministerin habe sie das Prinzip der drei „R“ eingeführt, sagte Koike: Recycling - Reduced Waste - Re-use material. Wiederaufbereitung, Müllreduzierung und Wiederverwendung. Tokio 2020, erklärte die Delegation, sollten saubere Spiele werden - in jeder Hinsicht, schon weil die Gesellschaft eine Betrugsmentalität nur schwer akzeptiert.

          „Wir sind bereit, die Flagge zu übernehmen“, erklärte die Gouverneurin. Eine Abordnung von Kindern aus der Region Fukushima sollte bei der Schlussfeier demonstrieren, wie gut sich die Bevölkerung dort von dem Tsunami und dem schweren atomaren Unfall erholt habe. Dort sollen auch Vorrundenspiele in den eigens für Tokio ins Programm genommenen Sportarten Baseball und Softball stattfinden. Auch Wettkämpfe im Klettern, Karate, Windsurfen und Skateboard wird es auf Wunsch des Veranstalters geben. Und was noch? Angesichts seltsamer Schüsse und einiger Fälle von Straßenraub, die in Rio die olympische Familie erschreckten, erlaubte sich Muto noch eine Anmerkung: „Alle Teilnehmer werden sich in einem sicheren Umfeld befinden.“

          Der erste Entwurf war futuristisch, aber zu teuer.
          Der erste Entwurf war futuristisch, aber zu teuer. : Bild: AP

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