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Sportvermarkter Barry Hearn : „Sport ohne Eventcharakter hat keine Zukunft“

Der Mann, der Kneipensport groß macht: „Ich habe eine hohe Meinung von mir selbst“ Bild: Picture-Alliance

Barry Hearn ist einer der erfolgreichsten Sportvermarkter der Welt. Der 68 Jahre alte Engländer hat Kneipensportarten wie Darts oder Snooker zu TV-Hits entwickelt. Im Interview erklärt er, warum er um olympische Sportarten einen Bogen macht.

          7 Min.

          Was ist Ihr Lieblingssport?

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ich mag eine ganze Menge Sportarten. Ich habe sehr viele selbst betrieben, natürlich Fußball, ich habe Cricket gespielt, bin Marathon gelaufen, habe Kugelstoßen und gar Stabhochsprung ausprobiert. Ich war aber in keinem Sport richtig gut. Aber als Zuschauer bin ich großartig. Und ich habe gemerkt, dass ich Sport gut organisieren kann und ein Händchen fürs Vermarkten habe. Mein Ansatz war, dass ich das vermarkte, was ich selbst beim Zuschauen genieße. Ich habe immer im Auge gehabt, was hart arbeitende Menschen aus der Arbeiterklasse mögen, dass sie das Gefühl haben, einen Gegenwert für ihr Geld zu erhalten, dass sie Weltklasse erleben in einem unterhaltsamen Rahmen, von dem sie am nächsten Tag erzählen.

          Wie verfolgen Sie am liebsten Sport?

          Ich liebe Live-Sport, direkt im Stadion oder in der Halle. Fernsehen ist eine Form der Bequemlichkeit, wenn ich nicht zum Ort des Geschehens kommen kann. Aber ein Live-Erlebnis ist unvergleichlich.

          Werden Sie sich auch die Olympischen Spiele anschauen?

          Natürlich! Weil ich Sport liebe. Olympische Spiele haben vor allem die wichtigste Zutat: Lokale Stars. Ohne britische Teilnehmer würde ich wenig schauen, vielleicht das 100-Meter-Rennen von Bolt. Aber sonst fiebere ich mit meinen Landsleuten mit. Das macht für mich Olympia aus. Superstars übertreffen nationale Helden. Aber an nationalen Helden hängt dein Herz als Sportfan.

          Als Vermarkter machen Sie aber einen Bogen um die olympischen Sportarten. Kann man damit kein Geld verdienen?

          So pauschal möchte ich das nicht sagen. Aber ich möchte mein Ding machen und die Kontrolle haben über die Sportarten, in die ich investiere. Das wäre bei den olympischen Sportarten kaum möglich. Zu viele Amateursportarten werden organisiert von einer, wie ich sie nenne, Anzugträger-Brigade. Das sind Funktionäre, die ihren Sport anführen und vielleicht auch lieben, die aber keine kommerziellen Kenntnisse haben, um ihn auf ein höheres Level zu führen. Die Geld-Seite des Sports ist einfach: Wenn Du ein gutes Produkt hast, kannst du gutes Geld verdienen. Wenn du dieses Produkt sinnvoll ausschlachtest, kannst du sehr viel Geld verdienen. Aber viele vergessen, den Sport erst auf ein höheres Level zu führen, und wollen direkt Geld verdienen.

          Hätten Sie Ideen, wie man klassische Sportarten wie die Leichtathletik retten kann vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit außerhalb Olympias?

          Die Leichtathletik hat so viele Probleme. Zunächst muss man den Glauben der Öffentlichkeit wiederherstellen. Das ist eine Mammutaufgabe. Bevor man überhaupt über Veränderungen in der Vermarktung nachdenken kann, muss man eine Veränderung bezüglich der Integrität des Sports herbeiführen. Wenn derzeit einer einen Rekord aufstellt in irgendeiner Disziplin, dann ist der erste Gedanke in meinem Kopf, in Ihrem Kopf, aber auch im Kopf jedes Sportfans: ,Was hat sie oder er eingenommen?‘ Das ist der Todeskuss für einen Sport. Die Leichtathletik muss ganz grundsätzlich aufräumen, bevor man daran denken kann, wie man den Sport mit verschiedenen Wettkampfserien besser positionieren kann.

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          Wie würde das Aufräumen unter Barry Hearn aussehen?

          Ich würde eine lebenslange Sperre für jedes bewiesene Doping-Vergehen einführen. Der Ausschluss der russischen Leichtathleten von Olympia ist deshalb mal eine Ansage, besser wäre aber eine mehrjährige Sperre der Verbände. Man muss, wie ich es in meinem Sport bin, auch mal ein Despot sein, um klare Verhältnisse zu schaffen. Du musst alles kontrollieren, weil du nie davon ausgehen kannst, dass andere so ehrlich sind wie du selbst.

          Sie haben auch im Snooker Probleme gehabt wegen Manipulationsvorwürfen gegen John Higgins, ein mehrmaliger Weltmeister und ein Star des Sports. Warum gab es da keine lebenslange Sperre?

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