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Sportvermarkter Barry Hearn : „Sport ohne Eventcharakter hat keine Zukunft“

Dieser Skandal poppte auf in den ersten Wochen, als ich in der Verantwortung stand beim Snooker-Verband. Wir mussten sofort reagieren, und wir mussten hart reagieren und die Grundlagen schaffen, dass im Wiederholungsfall härter bestraft werden kann. Ich habe mit Lord Stevens, dem ehemaligen Chef der Sportbetrugseinheit, eine Integritätseinheit geschaffen, die jedes Snooker-Spiel in der Welt untersucht. Wir gehen so an die Sache heran, dass wir das Schlechtestmögliche annehmen. Unser System reagiert dann sehr brutal, wenn wir jemanden erwischen. Zuletzt haben wir eine lebenslange Sperre verhängt und eine Zwölf-Jahres-Sperre. Das sendet die Botschaften an potentielle Betrüger und auch an Jugendliche: ,Spielt mit - aber verarscht mich nicht, sonst ist die Karriere vorbei‘. Mildere Strafen senden die falsche Botschaft.

„Ich persönliche bevorzuge die Ruhe des Snooker gegenüber dem Lärm beim Darts“

Sie machen so viel Verschiedenes: Sie übertragen Sportangeln, Darts, Snooker. Also alles Sachen, die eigentlich nicht ernstgenommen wurden…

Ich promote aber auch Boxen und Ping Pong…

Auch darauf kommen wir noch zu sprechen. Aber wie kommen Sie auf diese Vielfalt? Darts vermarkten Sie mit lärmenden Zuschauer und Walk-on-Girls, die die Spieler beim Gang auf die Bühne begleiten. Und Snooker kommt richtiggehend staatstragend daher mit Weste und Fliege gemäß Kleiderordnung.

Wenn jeder Sport gleich daherkäme, hätte er keine individuelle Attraktivität. Verschiedene Menschen mögen verschiedene Dinge. Ich bevorzuge die Ruhe des Snooker gegenüber dem Lärm beim Darts. Aber ich würde trotzdem nie Darts schauen wollen ohne das Drumherum. Freiluftsportarten wie Golf würde man kaputtmachen, wenn man ihren Charakter zu sehr verändern würde. Die Vielfalt des Sports ist der Reiz, der auch beim Präsentieren entscheidend sein muss.

Lärm und Show beim Darts: „Wenn jeder Sport gleich daherkäme, hätte er keine individuelle Attraktivität“

Sie würden also niemals Walk-on-Girls im Snooker oder Golf einsetzen?

Sie werden mich niemals „Nie!“ sagen hören. Ich kann meine Meinung sehr gut ändern, wenn es passt.

Warum sind Sie so erfolgreich?

Weil ich an Dinge glaube. Zu unserem ersten Dart-Event in Deutschland kamen 50 Zuschauer. Ich wurde gefragt, was ich da für einen Unsinn mache, Darts in der Diaspora veranstalten zu wollen. Mittlerweile sind die Hallen in Deutschland ausverkauft, wo immer wir hinkommen.

Warum kommen die Deutschen, obwohl es keinen deutschen Star gibt?

Jeder Sport hat seine Helden für diejenigen, die diesem Sport erlegen sind. Nun geht es nur noch darum, diesen Sportlern eine Plattform zu bieten, um auch die allgemeine Öffentlichkeit zu erreichen. Wenn Sie einen Weltmeister im Taekwondo oder einer anderen Kampfsportart nehmen: Sie und ich kennen womöglich nicht mal seinen Namen, aber für viele ist er ein Held. Wenn man diesen Heldenstatus gut vermarktet, kann er ein Star werden. Dann ist die Herkunft weniger entscheidend. Wir haben den Deutschen nahegebracht, die Kerle im Darts zu mögen.

Sie würden sich also zutrauen, auch Sportarten wie Taekwondo ins Scheinwerferlicht zu bringen?

Ich habe eine hohe Meinung von mir (lacht). Ich glaube, dass ich den Unterschied ausmachen kann bei nahezu allem, was ich anpacke. Aber ich bin 68 Jahre alt, und meine Agentur veranstaltet in diesem Jahr bereits 513 Eventtage. Außer an Heiligabend gibt es keinen Tag, an dem wir nicht irgendwo Sport veranstalten. Ich habe nicht genug Zeit, noch andere Abenteuer anzugehen.

Dann erklären Sie mal, wie Sie auf die Idee kamen, eine außerhalb Chinas schwer zu vermarktende Sportart wie Tischtennis in einer Variante als Pingpong zu organisieren?

Ganz einfach: Tischtennis ist zu spinorientiert geworden. Wer soll sich das anschauen außer einem kleinen Kreis an fachkundigen Zuschauern? Es gibt kaum längere Ballwechsel. Aber genau das ist das Spannende. Unser Pingpong bietet wegen der harten Schlagbretter genau das: Die Sportler müssen athletischer sein, weil die Ballwechsel länger sind. Das Spiel ist dadurch viel telegener. Die Zuschauer haben mehr Spaß und kommen zu unseren Turnieren in große Hallen. Pingpong ist gerade unser Wachstumsprodukt. Vielleicht ist es in drei oder vier Jahren das nächste Darts!

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