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TV-Geschäft mit Tokio 2020 : Milliarden für Olympia

  • -Aktualisiert am

Bei Comcast, der Mutter von NBC Universal, sieht man Olympia aus der Helikopterperspektive. Bild: AFP

Dann eben nächstes Jahr: Für NBCU, den amerikanischen Haussender Olympias, hält sich der Schaden durch die Verlegung der Spiele von Tokio in Grenzen. Dennoch droht ein harter Schlag.

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          Es hat vermutlich nur wenige Männer im internationalen Sportgeschäft gegeben wie Dick Ebersol. Ein Typ mit der Risikobereitschaft eines Zockers und den Visionen eines Medienmenschen, der den Wandel als Chance begreift. Und der mit einer seltenen Mischung aus Zielstrebigkeit und Geschmeidigkeit beim Griff in die volle Schatulle seines Arbeitgebers den Kraftstoff mobilisierte, der etwas bewegt: ganz viel Geld.

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          Trotzdem hat man ihm am Ufer des Genfer Sees, wo vor einem Jahr am Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein gläserner Prachtbau eröffnet wurde, kein Denkmal gesetzt. Auch dieses Projekt wäre ohne die fünf Milliarden Dollar, mit denen Ebersol als Chef der Sportabteilung des amerikanischen Fernsehsenders NBC allein zwischen 2000 und 2012 das IOC alimentierte, vermutlich gar nicht umgesetzt worden. Denn mit seinem Engagement legte Ebersol das Fundament für eine Dauerbeziehung, auf deren Basis man zwei Jahre nachdem er in Rente gegangen war, einen Nachfolgevertrag aushandelte. Der wäre in diesem Jahr mit den Spielen von Tokio ausgelaufen und war Grundlage des Transfers von weiteren 4,38 Milliarden Dollar von New York nach Lausanne.

          Mit Milliarden langfristig denken

          Wie sehr einer fehlt wie der 73-Jährige, der einst schwer verletzt den Absturz mit einem Privatflugzeug überlebt hatte, wird besonders in schwierigen Zeiten klar. Wenn etwa wegen einer Pandemie drängende Entscheidungen getroffen werden müssen und nicht ausgesessen werden können. Wenn die von IOC-Präsident Thomas Bach gern beschworene finanzielle Stabilität Olympias auf dem Spiel steht. Und wenn Erklärungen wie jene von 2014 auf den Prüfstand geraten, als er mit Ebersols Nachfolgern einen weiteren Anschlussvertrag über 7,75 Milliarden Dollar – Laufzeit bis 2032 – abschloss: „Wir denken langfristig“, hatte der ehemalige Fechter den Abschluss kommentiert. „Uns gibt es seit 120 Jahren. Und wir wollen hier noch sehr viel länger bleiben.“

          Auf dem Papier existiert die National Broadcasting Corporation ebenfalls schon eine ganze Weile. Gegründet 1926 als das erste amerikaweite Radio-Netzwerk, auf das man 1941 als Fernsehpionier das erste Programm aus bewegten Bildern aufsattelte. Mit dem IOC konnte NBC allerdings lange Zeit nicht viel anfangen. Erst Ebersol sah in den Olympischen Spielen eine besondere Qualität, als sich der Medienkonsum in Amerika auf zahllose Plattformen zu verteilen begann: Die Veranstaltung sei das letzte Fernsehereignis, für das sich noch die ganze Familie vor dem Bildschirm zusammenfinde. Und noch etwas: „60 Prozent der Zuschauer sind Frauen, und nur 40 Prozent sind Männer.“ Der wichtigste Grund, weshalb die werbetreibende Industrie so viel Geld zahlt, um während der Übertragungen von den Olympischen Spielen ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Das Resultat: Obwohl NBC enorme Summen für die Rechtepakete bezahlte, war man fast jedes Mal in der Lage, unterm Strich ein leichtes Plus zu machen.

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