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Südkorea statt Nordkorea : Entschuldigung nach der Panne

  • Aktualisiert am

Nordkoreanische Spielerin, südkoreanische Fahne - das passt nicht zusammen Bild: dapd

Die Olympischen Spiele in London sind noch nicht eröffnet, da gibt es beim Frauenfußball den ersten Eklat. Sogar der Premierminister und der IOC-Chef versuchten, Nordkorea zu beruhigen. Dort ist die Aufregung wegen einer falschen Flagge groß.

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          Die Fahne des Erzfeindes hat Nordkorea zutiefst verärgert und den Olympischen Spielen in London schon vor der Eröffnungsfeier ein peinliches Politikum beschert. Selbst der britische Premierminister David Cameron sah sich am Donnerstag zu einer Entschuldigung beim kommunistischen Staat genötigt.

          IOC-Präsident Jacques Rogge und die Olympia-Organisatoren reagierten ebenfalls zerknirscht darauf, dass beim Frauenfußball-Spiel gegen Kolumbien (2:0) am Mittwoch in Glasgow ein Video mit einer südkoreanischen statt der nordkoreanischen Flagge gezeigt worden war.

          „Natürlich sind die Menschen verärgert“, sagte das nordkoreanische IOC-Mitglied Ung Chang der britischen Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in London. „Wenn Ihr Sportler eine Goldmedaille holt und die Fahne irgendeines anderen Landes gehisst wird - was dann?“, fügte er hinzu. Nordkorea ist mit seinem südlichen Nachbarn verfeindet, die Bruderstaaten werden seit dem Ende des Koreakrieges 1953 durch eine stark gesicherte Grenze getrennt.

          Cameron versuchte, bei einem Besuch im Olympia-Park die Aufregung zu dämpfen. „Es war ein Fehler, eine Entschuldigung wurde ausgesprochen. Aber wir sollten das Thema nicht übermäßig aufblasen“, sagte der Premier. Von einem „simplen menschlichen Fehler“ sprach Rogge bei der 124. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). „Es gab keine politische Nebenbedeutung“, unterstrich der IOC-Präsident.

          Der Betreuer zeigt, wo der Fehler liegt - fast wäre Nordkorea gar nicht mehr angetreten Bilderstrecke
          Der Betreuer zeigt, wo der Fehler liegt - fast wäre Nordkorea gar nicht mehr angetreten :

          Das Organisationskomitee habe entsprechende Maßnahmen getroffen, so dass sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholen werde, erklärte der Belgier. Zuvor hatten bereits die Olympia-Organisatoren die Panne bedauert. „Es war ein ernsthafter Fehler, für den wir uns entschuldigen“, erklärte LOCOG-Sprecher Andy Mitchell.

          Die nordkoreanische Fußball-Delegation hatte protestiert und sich geweigert, zu spielen. Die Begegnung konnte erst mit einer Stunde Verspätung angepfiffen werden. „Unsere Mannschaft wäre nicht angetreten, wenn das Problem nicht gelöst worden wäre“, sagte Nordkoreas Trainer Sin Ui Gun.

          Knappe Meldung verkündet nur den Sieg

          Die Fußballerinnen aus dem isolierten Staat hatten ihrerseits bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft im vorigen Jahr in Deutschland für einen Eklat gesorgt. Weil fünf Spielerinnen des Dopings überführt wurden, darf Nordkorea nicht bei der nächsten WM 2015 in Kanada antreten. Auf die Olympia-Teilnahme hat die Strafe des Fußball-Weltverbandes Fifa jedoch keine Auswirkungen.

          Die offizielle nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA informierte auf ihrer englischen Homepage zunächst nicht über den Vorfall im fernen Glasgow. Mitgeteilt wurde in einer knappen Meldung nur der 2:0-Erfolg über die Kolumbianerinnen. Nächster Gegner ist am Samstag die Auswahl Frankreichs.

          Olympia auch im nordkoreanischen Fernsehen

          Die Menschen im weithin abgeschotteten Nordkorea brauchen derweil auf Fernsehbilder und Radioberichte von den Olympischen Spielen nicht zu verzichten. Die Asiatisch-Pazifische Rundfunkunion (ABU) schloss mit dem nordkoreanischen Radio- und Fernsehkomitee wie geplant ein Abkommen über die Übertragungsrechte für die Wettkämpfe. „Die Nordkoreaner können die Olympischen Spiele zu Hause verfolgen“, teilte der öffentliche südkoreanische Sender KBS am Donnerstag nach der Rückkehr seines Intendanten und Präsidenten der ABU, Kim In Kyu, von einem Besuch in Pjöngjang mit.

          Dorthin war Kim am Dienstag an der Spitze einer vierköpfige ABU-Delegation mit der Genehmigung der südkoreanischen Regierung gereist. Wieviel Nordkorea an die ABU für die Lizenzierung der Ausstrahlungsrechte zahlen muss, wurde nicht genannt. Es war nur von einem „bestimmten Betrag“ die Rede. Das nordkoreanische Komitee werde zum ersten Mal eine Delegation zum Olympiade-Austragungsort entsenden, hieß es. Nordkorea werde nach dem Abkommen insgesamt sechs Vertreter nach London schicken und die Spiele für mindestens 200 Stunden übertragen.

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