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Steigende Infektionszahlen : Olympia in der kritischen Phase

Auch beim olympischen Mountainbike-Rennen der Frauen strömten Zuschauer an die Strecke. Bild: Reuters

Die Corona-Infektionszahlen in Tokio befinden sich auf einem Rekordhoch. Welche Rolle spielen die Olympischen Spiele bei dieser Entwicklung? Virologen warnen vor einer Verbreitung des Virus.

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          Vier Tage nach der Eröffnung kommen die Olympischen Spiele in Tokio in eine kritische Phase. Die Regierung der Gastgeberstadt meldete am Dienstag 2848 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Damit hat die Zahl der Infektionen sich gegenüber dem Vortag nicht nur verdoppelt. Es ist auch ein trauriger Rekord für Tokio. Binnen eines Tages stieg die Sieben-Tage-Inzidenz von rund 78 auf 88 je 100.000 Einwohner. Die Behörden sind alarmiert, dass weiter steigende Fallzahlen die medizinischen Kapazitäten überlasten könnten.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das Erschrecken über den rasanten Anstieg der Infektionen in der Bevölkerung ist groß. Fachleute schätzen, dass rund 60 Prozent der Infektionen nun auf die Delta-Variante zurückgehen. Natürlich liegt es nahe, einen Zusammenhang mit den Olympischen Spielen zu suchen. Wenn die Veranstalter diese Vermutung nicht aus dem Weg räumen können, drohen die Spiele zu Recht oder zu Unrecht als die Corona-Spiele in die Geschichte einzugehen.

          Zuschauer beim Radrennen

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hält dagegen. „Die Olympiateilnehmer sind die am meisten getestete und möglicherweise auch die am meisten geimpfte Gemeinschaft in der Welt“, sagt der IOC-Sprecher. Täglich präsentiert das IOC aktuelle Statistiken über die Infektionslage unter den Teilnehmern. Stand Mittwoch zählten die Veranstalter seit dem 1. Juli 169 Infektionsfälle rund um die Spiele. 79 der Infizierten waren nach Japan eingereist. Bei rund 38.000 olympischen Gästen aus dem Ausland ist das ein Anteil von 0,2 Prozent. Unter den 169 Infektionsfällen sind 21 Sportler, 53 Betreuer oder Funktionäre und neun Journalisten. Das Gros der olympischen Infizierten sind 71 Arbeiter von externen Dienstleistern, die sich das Virus auch außerhalb der olympischen Gemeinschaft eingefangen haben können.

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          Doch der Blick des IOC auf die Teilnehmer der Spiele ist zu eng, um die Corona-Risiken des Sportereignisses vollends einzuschätzen. Virologen warnen, dass die Spiele Japaner in Bewegung setzen können und so zur Verbreitung des Virus beitragen. Am Tag der Eröffnungsfeier versammelten sich vor dem Stadion mehrere Hundert Menschen, um wenigstens draußen vor der Tür dabei zu sein. An den Strecken der Außenwettbewerbe, wie etwa bei den Radrennen, drängeln sich zum Teil die Zuschauer.

          Warnungen der Fachleute

          Viele Einwohner der Hauptstadt nutzten auch das Vier-Tage-Wochenende, das die Regierung zur Eröffnung der Spiele geschaffen hatte, um Tokio zu entfliehen. Das könnte die Delta-Variante außerhalb der Stadt weiterverbreitet haben, warnen Fachleute. Solche Effekte werden sich erst in den kommenden Tagen und Wochen in den Statistiken zeigen.

          Bisher hat in der Pandemie noch jede Häufung von Urlaubstagen, die die Menschen aus dem Ballungsräumen in die Provinz treiben, die Infektionszahlen ein oder zwei Wochen später steigen lassen. Der Fernsehsender NHK zählte am Dienstag mehr als 7600 Neuinfektionen landesweit. Höher lag diese Zahl zuletzt Anfang Januar.

          Ministerpräsident Yoshihide Suga dagegen argumentiert, dass die Spiele das Infektionsrisiko mindern. Die Verkehrskontrollen in Tokio und Homeoffice in den Olympiawochen reduzierten die Bewegungen der Japaner. Es gebe keine Notwendigkeit, die Spiele zu stoppen. „Das wird nicht passieren“, sagte Suga. Andere Statistiken zeigen, dass an wichtigen Verkehrsknotenpunkten der Hauptstadt am Eröffnungswochenende mehr Menschen gezählt wurden als zuvor. Am Montag und Dienstag schien die Innenstadt leerer als normal. Das Bild ist gemischt. Er bitte die Japaner darum, die olympischen Wettbewerbe im Fernseher anzuschauen, sagte Suga.

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