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Sportfinanzierung : Kampf um die Fleischtöpfe

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In Spendierlaune? Innenminister Friedrich zeigt sich in London erfreut über die Medaillen - ansonsten aber zugeknöpft Bild: dpa

Innenminister Friedrich fordert vom Sport mehr Effizienz: Den olympischen Verlierern drohen Abzüge. Zudem könnte ein Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts Licht auf die geheimgehaltenen Zielvorgaben der Verbände werfen.

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          Der deutsche Spitzensport wird in Zukunft nicht mehr Geld bekommen. Das hat der Bundesinnenminister am Donnerstag in London indirekt, aber unmissverständlich erklärt. Hans-Peter Friedrich würdigte bei einem Besuch der deutschen Olympiamannschaft zwar die „breite“ Aufstellung des Teams nach sieben Medaillen in sieben Sportarten bis zum Mittwochabend.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Trotz der ständig wachsenden Konkurrenz in fast allen Sportarten forderte der CSU-Politiker den Sport aber auf, die Gelder des Steuerzahlers „effizienter“ einzusetzen. In diesem Jahr erhält der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) 132 Millionen Euro aus dem Haushalt des BMI. Die Bundeswehr zahlt laut eigenen Angaben 60 Millionen. Ihre Gesamtleistung wird allerdings auf 100 Millionen geschätzt.

          Finale im Herbst

          Außerdem unterstützen Bundespolizei und Zoll den Sport mit Ausbildungsplätzen und Anstellungen für Athleten. Schon vor Friedrich hatte DOSB-Präsident Thomas Bach im F.A.Z.-Gespräch von einer Effizienz-Analyse nach den Olympischen Spielen gesprochen.

          Den Funktionären ist klar, dass sie vom Bund eher Mittelreduzierungen als eine Aufstockung des Etats zu erwarten haben. Wahrscheinlich wird es im Herbst das Finale eines deutschen Mehrkampfes der Verbände um die Fleischtöpfe geben, an dem sich auch Ballsportarten beteiligen werden. Nur Hockey und das Herrenteam im Volleyball haben die Qualifikation für London geschafft.

          Ob sich das Niveau des deutschen Spitzensports mit mehr Effizienz halten oder gar steigern lässt, ist allerdings fraglich. Die bislang in London gezeigten Leistungen belegen den Trend: Immer mehr Nationen stoßen mit ihren Athleten in die Weltspitze vor. Das haben vor allem die Schwimmer zu spüren bekommen. Viele blieben zwar unter ihrer Leistungsfähigkeit, einen Goldrausch aber hätte es auch mit „persönlichen“ Rekorden nicht gegeben.

          Welche Konsequenzen das hat, ist der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt. Die sogenannten Zielvereinbarungen, eine Art Leistungsvertrag zwischen dem DOSB als Verwalter der Steuergelder und den Fachverbänden, werden noch unter Verschluss gehalten. Angeblich müssen die Betriebsgeheimnisse des Sports vor dem Einblick des Auslands geschützt werden.

          Vorwürfe einer mangelhaften Transparenz bei der Verwendung der Steuergelder wies Friedrich zurück. „Wir haben ein offenes Verhältnis zum Sportausschuss des Bundestages. Aber einige Dinge muss man nicht an die große Glocke hängen.“

          Berliner Verwaltungsgericht sieht Auskunftsanspruch

          Das Verwaltungsgericht Berlin hat nach Klage eines Journalisten in einem Eilverfahren allerdings anders entschieden. Demnach sind die privaten Interessen der Verbände, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte, bei einer Abwägung mit dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht schutzwürdig.

          Es bestehe ein breites öffentliches Interesse an Informationen darüber, wie viele Gold- und sonstige Medaillen sowie welche Plazierungen die einzelnen Verbände bei den Olympischen Spielen jeweils anstrebten. Der Anspruch muss sofort erfüllt werden. Allerdings kann das BMI Beschwerde beim Oberlandesgericht einlegen.

          Friedrich will Olympia-Bewerbung

          Trotz des Versteckspiels sind einige Zahlen bekannt. Von den beiden Hockey-Teams erwartet der DOSB zwei Medaillen, wenigstens eine goldene. Der Deutsche Leichtathletik-Verband soll sich auf acht Medaillen mit dem DOSB geeinigt haben. Er muss angeblich zwei Goldstücke liefern, um die Vorgabe zu erfüllen. Interessanter als die Zahlenspiele sind jedoch die Folgen, falls die Verbände den Plan unterlaufen. Den Verlierern drohen Abzüge beim Etat.

          Wird den Schwimmern also das Wasser abgegraben? Geld für den Sport ist trotzdem da. Und nicht zu knapp. Friedrich sprach sich jedenfalls für die Organisation von Olympischen Spielen in Deutschland aus. „Wenn wir uns mit unserem ökonomischen Erfolg, mit der Sportbegeisterung und der Erfahrung von Großveranstaltungen nicht mehr für Olympische Spiele bewerben, dann stimmt etwas nicht.“

          Es sei nur eine Frage des wann und wo. Die Antwort darauf überlässt der Minister dem autonomen Sport. Der hat sich noch nicht entschieden, ob München wieder zum Zuge kommen soll, diesmal für die Winterspiele 2022.

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