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Olympia : Die rasante Talfahrt des IOC

  • -Aktualisiert am

Der Skandal um Patrick Hickey (rechts) macht IOC-Präsident Thomas Bach das olympische Leben nicht leichter. Bild: Picture-Alliance

Die riesigen Summen wecken nicht nur im Fußball, sondern auch im olympischen Sport die Gier der Mächtigen. Die Zeit nach den Spielen in Rio wird mehr als schwierig für das IOC und Thomas Bach.

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          In Zürich dürfte man sich auf die Schenkel schlagen. Gerade noch hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) Gianni Infantino, dem Präsidenten des korrupten Fußball-Weltverbandes (Fifa), mit einer durchsichtigen Erklärung die Mitgliedschaft verweigert, da führt es auch schon seinen eigenen Wirtschaftskrimi auf. Was in Rio mit dem Iren Patrick Hickey passierte, erinnert fatal an die Verhaftungen der Fußballfunktionäre im vergangenen Jahr.

          Auch in Rio kam die Polizei im Morgengrauen. Und auch die Schauplätze ähneln einander: Gehobene Hotels sind offenbar ein gefährliches Pflaster für Sportführer. Und es gibt noch eine Parallele: Genau wie die Festnahmen in Zürich wurde die Festsetzung in Rio von Journalisten beobachtet und gefilmt. Die Funktionäre des IOC, angeführt von Präsident Thomas Bach, durch ihre Verneigungssucht vor der russischen Sport-Clique ohnehin in der Kritik, müssen den nächsten, in aller Öffentlichkeit zelebrierten Schlag abfangen.

          Würde nicht die Attraktivität der laufenden Spiele vieles verdecken, wäre zu erkennen, dass diese IOC-Krise erheblich dramatischer ist als die Korruptionsaffäre von 1999, die angeblich so vorbildhaft verarbeitet wurde. Nach dem, was Hickey vorgeworfen wird, Konspiration zum Zwecke illegaler Ticket-Verkäufe, können die Fifa-Funktionäre jetzt also jovial herübergrüßen von Zürich nach Lausanne. Willkommen im Klub.

          Es hat immer wieder IOC-Mitglieder gegeben, die im Gefängnis landeten. Aber dass eine der Führungsfiguren während laufender Spiele von der Polizei aus den offiziellen IOC-Federn gerissen wird, dürfte einmalig sein. Das juristische Verfahren wegen Verfehlungen im Herzen der eigenen Organisation hat er aber nicht exklusiv. In Frankreich steht der ehemalige Leichtathletik-Präsident Lamine Diack aus Senegal unter Anklage. Er hat im Verein mit seinen Söhnen Athleten erpresst, die positiv auf Doping getestet wurden. In diesem Zusammenhang droht zudem ein Stimmenkartell aufzufliegen, das weitere IOC-Mitglieder mit in den Abgrund ziehen könnte. Diack war nach seinem Ausscheiden aus Altersgründen Ehrenmitglied des IOC, hat diesen Titel aber freiwillig zurückgegeben.

          Trotz seiner langfristig abgesicherten Finanzierung befindet sich das IOC, und mit ihm Olympia, auf einer rasanten Talfahrt. Oder gerade deswegen? Die riesigen Summen, die der Leistungssport bewegt, wecken nicht nur im Fußball, sondern auch im olympischen Sport die Gier der Mächtigen, während der Zauber Olympias auf seinen Unterhaltungswert für die zahlenden Fernsehanstalten reduziert wird.


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          Die Zeit nach den Spielen wird mehr als schwierig werden für das IOC und Bach. Das ganze Olympia-Konstrukt ist ins Rutschen geraten. Dass dem russischen System-Doping nicht angemessen begegnet wurde, hat dem Image im aufgeklärten Teil der Welt schwer geschadet und auch nachdenkliche Athleten erschüttert. Dass die Ergebnislisten der Rio-Spiele nur noch vorläufigen Wert haben, die des Dopings verdächtigen Medaillengewinner aber mit Fahne und Hymne geehrt werden, kommt der Freigabe pharmazeutischer Leistungssteigerer schon gefährlich nahe.

          Und der Grund für den Verrat des IOC an den Grundwerten Olympias zeichnet sich immer klarer ab. Es ist die Gier Einzelner. Das lässt auf nichts Gutes hoffen, sollte die Macht des IOC im Weltsport tatsächlich schwinden. Was sich am Horizont abzeichnet, ist die Radikalisierung des Zynismus. Eine Zersplitterung und noch hemmungslosere Vermarktung, in der Solidaritätsprogramme und die Förderung weniger populärer Sportarten keinen Platz mehr fänden. Und Anti-Doping-Programme vollends zur Folklore verkämen.

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