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Olympia : Kommt der Russen-Deal vor Gericht?

Julija Jefimowa: Ist der Lack doch noch nicht ab? Bild: AP

Eine russische Schwimmerin und zwei Ruderer wollen gegen ihren Ausschluss von Olympia klagen. Die Aussichten auf Erfolg stehen gar nicht schlecht.

          Hat Alexander Schukow zu viel versprochen? Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teil des Deals, den das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit dem Chef des Russischen Olympischen Komitees (ROC) gemacht hat, vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) landet, ist groß. Zwar hatte Schukow selbst vorgeschlagen, dass das Land auf die Nominierung von „mindestens acht“ Athleten für die Olympischen Spiele in Rio verzichten werde, die in der Vergangenheit eine Doping-Strafe abgesessen haben.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Dies gehörte zu den Vorschlägen, mit denen er die Exekutive des IOC überzeugte, über Russland keinen kompletten Olympia-Bann zu verhängen. Das ROC werde gegen eine solche Vorschrift auch nicht klagen. Doch es gibt betroffene Athleten, die das nicht hinnehmen und ihren Start trotzdem beim Cas einfordern wollen. Und das mit sehr guten Aussichten.

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          An der Spitze der Protestler steht die 24 Jahre alte Schwimmerin Julija Jefimowa, Gewinnerin einer Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Sie trainiert an der University of South California. Zwischen Oktober 2013 und Februar 2015 war sie wegen Anabolika-Dopings gesperrt. Später fiel sie mit dem Herzmittel Meldonium auf, der Schwimm-Weltverband (Fina) verhängte zunächst eine Sperre, die nach Änderung der Grenzwerte aufgehoben wurde. „Wir haben beschlossen, Berufung beim Cas einzulegen“, sagte ihr Agent Andrew Mitkow der Nachrichtenagentur R-Sport. „Gegner werden das Internationale Olympische Komitee, die Fina und das Russische Olympische Komitee sein.“

          Sollte Jefimowa mit ihrer Klage, die im Eiltempo behandelt werden müsste, Erfolg haben, dürfte Punkt 3 der IOC-Erklärung zur Zulassung russischer Athleten für Rio gegenstandslos werden. Schukow hatte Jefimowas Ausschluss ursprünglich namentlich angeboten. Insgesamt hat die Fina sieben Schwimmern die Reise nach Rio verwehrt und für die anderen eine scharfe Überprüfung angekündigt. Allerdings findet der erste Schwimm-Wettkampf in Rio bereits am 6. August statt.

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          Auch zwei von drei Ruderern, die vom Weltverband (Fisa) für Rio gesperrt wurden, planen, vor den Cas zu ziehen. Dies kündigte Wenjamin But, der Präsident des Russischen Ruderverbandes, gegenüber lokalen Medien an. Es handelt sich um Anastasia Karabelschikowa aus dem Frauen-Achter und Ivan Podschiwalow aus dem Männer-Vierer, die beide Doping-Sperren hinter sich haben. Auch Iwan Balandin, ein Ruderer aus dem Männer-Achter, wurde vom Weltverband von der Meldeliste gestrichen, weil sein Name im Bericht des kanadischen Juraprofessors Richard McLaren zum russischen Doping-System erwähnt sind. Es geht darin unter anderem um positive Doping-Proben, die das Moskauer Labor verschwinden ließ. Die Schwierigkeit an den drei Fällen: Eine Nachmeldung ist nicht möglich. Damit stehen die Starts der drei Boote insgesamt in Frage.

          Die möglichen Klagen vor dem Cas dürften gute Erfolgschancen haben, allein schon wegen des Vergleichs mit anderen Nationen. Als Radikal-Beispiel dient Justin Gatlin, der Olympiasieger von Athen 2004 über 100 Meter und Bronzemedaillengewinner von London 2012. Der Amerikaner war im Juli 2006 positiv auf Testosteron getestet worden.

          Weil er schon als Junior mit Amphetaminen aufgefallen war, galt er als Wiederholungstäter. Er wäre darum lebenslang gesperrt worden, hätte er nicht als Kronzeuge seinen Trainer Trevor Graham belastet. Daraufhin wurde seine Sperre auf acht Jahre reduziert. Gatlin ist für Rio gemeldet. Dass er dort starten darf, macht den Umgang des IOC mit der Kronzeugin Julija Stepanowa (siehe oben) noch unverständlicher. Sie erfülle nicht die „ethischen Anforderungen“ für einen Olympiastart, bescheinigte ihr das IOC. Gatlin aber schon.

          Die Einladung steht: Bach und Schukow in Rio de Janeiro im August 2015, ein Jahr vor Beginn der Spiele.

          Auch die Aufhebung der „Osaka-Regel“ durch den Cas dürfte den Klägern Mut machen. Diese vom IOC beschlossene Regel, wonach innerhalb von vier Jahren des Dopings überführte Sportler von den folgenden Olympischen Spielen ausgeschlossen werden sollten, kippte der Cas 2011. Es handele sich um eine unerlaubte Doppelbestrafung.

          Russische Ringer müssen sich keine Sorgen machen

          Russische Ringer müssen sich wohl keine Sorgen um ihren Rio-Einsatz machen. Der Serbe Nenad Lalovic, Präsident von World Wrestling und bekannt als olympischer Retter seiner Sportart, stellt sich vor die stärkste Nation in seinem Verband. Bei den Spielen 2012 in London hatten russische Ringer elf Medaillen gewonnen. Lalovic fordert mehr Informationen über Sportler und Beweise für ihre Verwicklung in das staatliche Doping-System von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), die den McLaren-Bericht in Auftrag gegeben hat. Lalovic kündigte Trainingskontrollen an, die eine schwedische Firma in Russland ausführen solle, die Proben sollten danach in Köln analysiert werden. Dass großer Druck auf die russischen Athleten ausgeübt wird, ist unwahrscheinlich, zumal in der Exekutive des Weltverbandes zwei Russen sitzen: Michael Mamiaschwili und Natalia Jariguina.

          Auch der Judo-Weltverband winkt alle Russen durch. Präsident Marius Vizer steht Russlands Staatschef Wladimir Putin nahe. Der sportbegeisterte Putin ist Ehrenpräsident und besitzt einen Meistergürtel des achten Dan.

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