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Olympia mit Corona : Ankunft in der Blase

  • -Aktualisiert am

Wo geht es hier zum Test? Das Medienzentrum der Olympischen Spiele in Tokio Bild: AFP

Sonne, Sommer und die Wettkämpfe der Jugend der Welt ums Gold: Es gibt Schlimmeres. Die Angst vor Corona. Sie sitzt der Bevölkerung im Nacken. Und der Reporter fragt sich in Tokio: Kommt er rein?

          2 Min.

          Wozu hat man Freunde? „Viel Spaß im Urlaub“, hieß es am Montag vor dem Abflug nach Tokio. Olympia! Sonne, Sommer und die Wettkämpfe der Jugend der Welt ums Gold beschreiben. Es gibt Schlimmeres.

          Die Angst vor Corona. Sie sitzt der Bevölkerung im Nacken. Das haben die Japaner in Umfragen gesagt. Sie fürchten die Gäste aus aller Herren Ländern als Varianten-Einschlepper. Dagegen haben sie sich ein Einreise-Programm einfallen lassen. Es besteht aus einer interessanten Mischung: moderner Überwachungstechnik mit ein, zwei Apps samt Tracking, einem peinlich genau einzuhaltenden Covid-Testkalender – und einer wundersamen Zettelwirtschaft.

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          Fünf Formulare, ein schön gestempeltes Papier, wie dazumal auf dem Amt, muss auch dabei sein. Wer dann tapfer aus dem Flieger steigt und munter losmarschiert auf den ersten von mindestens sechs Checkpoints, den erinnert die neueste Nachricht auf dem Smartphone an die peinlich genaue Einhaltung der Regeln: Andernfalls Prozess am Hals! Mindestens Pranger (Internetanzeige), in jedem Fall Ausweisung. Willkommen in Tokio.

          Hat man das schon mal gesehen? So viele sorgenvolle Mienen in Sport-Schlachten erfahrener Reporter. Bewaffnet zwar mit einem Stoß Dokumente unter dem Arm, den Reisepass in der Linken, das Handy mit dem Olymp-öffnenden QR-Code in der Rechten, aber so zweifelnd-zitternd wie der Engländer beim Elfmeterschießen. Kommt er rein?

          „Wir wollen, dass Sie ankommen“

          Aber dann: Ein Lächeln, nein, zwei, zehn, vielleicht vierunddreißig. Irgendwann lohnt das Zählen nicht mehr. Es flutscht. Zwei Stunden vom Flieger bis zum Ausgang des Flughafens, noch mal zwei bis zur Unterkunft. Das war schnell, sagt die Vorhut. Und unterhaltsam noch dazu. Stellen Sie sich vor, Sie stünden eine gute Stunde später in einem voll besetzten Reisebus auf einem Parkplatz und schauten in die Augen jener Reisenden, die ohne Schlaf über einen halben Tag von Europa nach Asien gondelten und nach dem Einreisemehrkampf jetzt gerne aussteigen würden, um den letzten Weg zum Hotel anzutreten.

          Wie würden Sie den erhitzten, verschwitzten, derangierten Herrschaften erklären, dass sie den Bus unter sengender Sonne nicht verlassen dürfen, obwohl die eigens georderten Taxis Schlange stehen? Mit den geltenden Corona-Regeln für Olympia-Menschen: immer nur drei im gebührenden Abstand aussteigen, Adresse bereithalten, checken, vergleichen, eintragen: „Wir wollen, dass Sie ankommen.“ Und zwar infektionsfrei.

          Also jeder mit einem Taxi. Auch die zwei, die, geimpft und dreimal negativ getestet, elf Stunden im Flieger nebeneinander hockten. Das dauert. Und so überbrückte die Dame mit dem Mikrofon in der Hand wie eine aufgeräumt forsche Reiseleiterin die Wartezeit mit der Beschreibung schöner Dinge in Tokio, die der geneigte Zuhörer, leider zwar, aber bei Strafe (siehe oben), nicht besichtigen darf in den kommenden 14 Tagen. „Sorry, no sightseeing“, Pause, aber dann aus vollem Herzen: „Wir freuen uns trotzdem, dass Sie da sind.“

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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