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Sebastian Coe im Gespräch : „Es geht um das System, nicht um Athleten“

Lord der Leichtathleten: Sebastian Coe will die Hintergründe aufdecken, weshalb Sportler zu Doping greifen. Bild: dpa

IAAF-Präsident Sebastian Coe sperrte Russlands Leichtathleten. Im F.A.Z.-Interview spricht er über Whistleblowerin Julija Stepanowa, den Unterschied zum IOC – und die Rückkehr der Russen nach Olympia.

          Am Freitag beginnt die zweite Woche der Olympischen Spiele mit dem Auftakt der Leichtathletik. Wie beurteilen Sie den Zustand Olympias?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die olympische Bewegung ist stark, der olympische Sport ist stark, und die ganze Welt guckt sich die Spiele an. Ein großer Teil der Zuschauer tut nicht viel anderes, als Olympia zu gucken. Das Konzept ist sehr, sehr stark.

          Leichtathletik wird ohne russische Mannschaft stattfinden; Ihr Verband hat den russischen Verband wegen systematischen Dopings ausgeschlossen. Thomas Bach und das IOC haben sich für das Gegenteil entschieden. Wie beurteilen Sie das?

          Beide Organisationen haben Entscheidungen getroffen, von denen sie glauben, dass sie in ihrem besten Interesse sind. Das Exekutivkomitee des IOC hat entschieden; ich saß mit im Raum, als diese Entscheidung von den anderen IOC-Mitgliedern ratifiziert und unterstützt wurde. Wir in der IAAF haben im November entschieden, dass die Ernsthaftigkeit der Situation nicht zulässt, dass wir abwarten und annehmen konnten, dass andere Organisationen die Architekten unserer Rettung werden würden. Unser Council hat diese Entscheidung einstimmig getroffen, als der erste Bericht der unabhängigen Kommission der Wada vorlag.

          Im März haben Sie die Entscheidung bekräftigt...

          ... als uns der Bericht von Rune Andersen vorlag, der in Russland ermittelt hatte. Wieder haben wir einstimmig entschieden. Es hatte ein wenig Fortschritt gegeben, aber wir hatten nicht das Vertrauen, dass diese Systeme und Strukturen, wie Thomas es ja gesagt hat, den Eindruck von Chancengleichheit weckten.

          Haben Sie geglaubt, Sie weisen dem IOC den Weg aus der Krise?

          Unsere Vorstellung war, dass wir Sportlern vertrauen könnten, die außerhalb des Systems leben, die außerhalb Russlands regelmäßig getestet werden, und dass es deshalb angebracht sei, ihnen die Möglichkeit zur Teilnahme zu geben. Das war keine Ad-hoc-Entscheidung, sondern das Ende eines langen Prozesses. Am 9. November: der erste Wada-Report. Am 13. November: die vorläufige Suspendierung. Tage später die Berufung der Task Force von Rune Andersen. Wir haben sorgfältig gearbeitet und nach neun Monaten das Urteil gesprochen, von dem ich dankbar bin, dass das IOC es akzeptiert hat.

          Die Verbände, denen Thomas Bach die Entscheidung übertragen hat, haben mehr als 270 russische Sportler gefunden, die angeblich alle außerhalb des Doping-Systems gelebt und trainiert haben. Ihr Verband hat lediglich zwei gefunden, von denen eine, die Whistleblowerin Julija Stepanowa, vom IOC explizit ausgeschlossen wurde ...

          Ich bin nicht IOC-Mitglied, also kann ich nicht für das IOC sprechen. Und schon gar nicht für andere Sportarten.

          Warum sind Sie nicht IOC-Mitglied?

          Das ist kein Thema.

          Das IOC hat einen Filmregisseur aufgenommen, einen Banker, aber der Präsident der bedeutendsten olympischen Sportart, der immer ex officio Mitglied des IOC war, wird übergangen?

          Mit elf bin ich in einen Leichtathletik-Verein eingetreten. Mit sechzig erfülle ich nun meinen Anspruch, mitzuhelfen, den Sport zu gestalten, der mich zu dem gemacht hat, der ich bin. Darüber hinaus habe ich keinen Ehrgeiz.

          Finden Sie nicht, dass die Leichtathletik von einem IOC-Mitglied vertreten werden müsste?

          Ich bin absolut in der Lage, meinen Sport in der olympischen Bewegung zu vertreten mit der Rolle und der Verantwortung, die ich habe. Ich vertrete die Leichtathletik in der olympischen Bewegung. Ich vertrete nicht die olympische Bewegung in der Leichtathletik.

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