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Olympia-Bilanz in Tokio : Japans begrenzte Freude

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Arigato: Vielen Dank, doch ist das auch die öffentliche Wahrnehmung nach Olympia? Bild: dpa

Mitten in der Corona-Pandemie sind die Olympischen Spiele für Japan ein Erfolg. Doch entscheidend ist die öffentliche Wahrnehmung. Werden die positiven Seiten das Bild der Spiele bestimmen?

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          Zum Schluss hatten die japanischen Behörden gelernt. Zur Schlussfeier sperrten sie die Eingänge des Olympiastadions mitten in Tokio besser ab als bei der Eröffnungsfeier. Doch verhindern konnten sie wieder nicht, dass sich Hunderte Japaner, Fans und Demonstranten ohne soziale Distanz um das Stadion drängten. Viele Japaner wollten die Spiele feiern, aber sie durften nicht – wegen Covid-19.

          Mitten in der Pandemie sind die Spiele für Japan dennoch ein Erfolg. Das gilt in sportlicher Hinsicht: Mit 27 Goldmedaillen hat das Land nicht nur das Vor-Corona-Ziel von 30 Mal Gold fast erreicht, sondern auch die bisherigen Rekorde von Tokio 1964 und Athen 2004 geknackt. Japan räumte in der nationalen Traditionssportart Judo ebenso ab wie im modischen Skateboarding. Das ist ein schönes Zeichen der Vielfalt des Landes, das von außen oft und nicht völlig zu Unrecht als so homogen wahrgenommen wird.

          Ein Erfolg sind die Spiele für Japan weiter, weil das Land die Spiele unter schwierigsten Bedingungen der Pandemie ohne einen großen Covid-19-Ausbruch unter den Athleten und anderen Teilnehmern organisierte – effektiv, effizient und mit einem freundlichen Lächeln hinter den Masken. Japan demonstrierte seine überragende Gastfreundschaft einigen Zehntausend Sportlern, Funktionären und Journalisten.

          Spiele bringen Frauen nach vorne

          Damit vergewissert sich das Land, das seit Frühjahr 2020 keine Touristen mehr ins Land lässt, seiner selbst. Dass wegen Covid-19 die Zuschauer draußen bleiben mussten, nahm den Spielen indes jede Chance, dass die Kosten auch nur im Ansatz wieder hereingeholt werden könnten. Mit je nach Rechnung mehr als 20 Milliarden Euro gehören die Spiele in Tokio schon jetzt zu den teuersten der Geschichte, wenn es nicht die teuersten sind.

          Nicht zuletzt sind die Spiele für Japan auch deshalb ein Erfolg, weil sie in der konservativen Gesellschaft Frauen nach vorn gebracht haben. Das liegt weniger an den krampfhaften Versuchen, den Spielen in den vergangenen Monaten durch verordnete Gleichstellung der Geschlechter im Organisationskomitee noch einen freundlicheren Anstrich zu geben. Ein deutliches Signal aber ist, dass Japans Sportlerinnen mehr Gold holten als die Männer. 30 der 58 Medaillen für Japan wurden in reinen Frauenwettkämpfen erzielt. Das wird junge Japanerinnen mehr beflügeln als Quotenregelungen in der Verwaltung der Spiele.

          Die offene Frage ist, ob in Japan die positiven Seiten das Bild der Spiele bestimmen werden? Die Gründe für die rasanten Kostensteigerungen sind ebenso wenig aufgeklärt wie die Korruptionsvorwürfe rund um Tokios Bewerbung. Der Präsidentin des Organisationskomitees, Seiko Hashimoto, fällt es schwer, eine klare positive Hinterlassenschaft der Spiele für Japan aufzuzeigen. Die Freude der Japaner über die Spiele ist begrenzt.

          Die schnell steigenden Infektionszahlen in Tokio und Japan verdunkeln die Gemüter. Der Großteil dieser Infektionsentwicklung war schon lange vor den Spielen angelegt, auch in der von der Regierung verschleppten Schutzimpfkampagne, und ist nicht Folge der Olympischen Spiele.

          Doch entscheidend ist die öffentliche Wahrnehmung. In dem Wettstreit um die öffentliche Meinung haben das IOC, die Veranstalter und die japanische Regierung noch lange nicht gewonnen. Wahrscheinlich werden sie nie gewinnen, weil sich das Ausmaß des Einflusses der Spiele auf die Infektionsentwicklung in Japan nie endgültig wird aufzeigen lassen. Das belastet schon jetzt die Aussichten für die Paralympics, die in zweieinhalb Wochen in Tokio beginnen sollen.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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