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Bilanz der Spiele in Rio : Russland ist der heimliche Olympiasieger

  • -Aktualisiert am

Nicht nur die Sportgymnastinnen holten in Rio Gold für Russland. Bild: Reuters

Staats-Doping! Na und? Putins Reich bekommt in Rio auffällig oft seinen Willen. Auch die Erfolge bleiben nicht aus. Eine weitere bittere Pointe dieser Groteske könnte es am Dienstag geben.

          Es war die entscheidende, die dritte Runde im Box-Finale der Schwergewichte. Der Kasache Wasili Levit hatte seinen russischen Gegner an die Seile gedrängt und bearbeitete ihn mit linken Haken. Jewgeni Tischtschenko, in schwerer Bedrängnis, blieb nur der Versuch, sich an seinen Gegner zu klammern. Alle sahen es, sogar Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), war live dabei. Der Kasache schien der einzig mögliche Sieger zu sein. Doch die drei Kampfrichter entschieden anders. Riesen-Pfeifkonzert. Auch die Nicht-Kasachen in der Messehalle Riocentro 6 skandierten: „Ka-sach-stan!“ Der Sieger sagte später: „Wenn die Richter mir den Kampf geben, haben sie ihre Gründe dafür.“

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Schon im Viertelfinale der Bantamgewichtler hatte es Ärger gegeben. Der Ire Michael Conlan unterlag dem Russen Wladimir Nikitin auf schwer nachvollziehbare Weise. Der wütende junge Mann schrie in eines der Mikrofone am Ring: „Sie sind verdammte Betrüger. Amateurboxen stinkt von Kopf bis Fuß.“ Und später fragte er über Twitter: „Hey, Vlad! Wie viel haben sie dir in Rechnung gestellt, Kumpel?“ Damit meinte er Wladimir Putin. Dem russischen Staatspräsidenten trauen sie im Sport jede Schlechtigkeit zu. Putin ist zwar als Freund des Leistungssports bekannt. Aber spätestens seit den Enthüllungen über das staatlich gelenkte Doping- und Vertuschungssystem nicht gerade als Anhänger des Fair Play. Der Ehrgeiz und die Vernetzung des einstigen KGB-Agenten auf allen Ebenen der Sportpolitik ist ein Nährboden für Verschwörungstheorien.

          Vor zwei Tagen sah sich der Box-Weltverband schließlich gezwungen, aufgrund der skandalösen Urteile einige Richter abzusetzen. 239 Kämpfe des olympischen Turniers werden untersucht. Aber die olympischen Ergebnisse bleiben bestehen. Es ist wie so oft, wenn es bei Olympia um Russland geht. Der Rest der Welt fühlt sich ohnmächtig, während sich das Sportsystem dieses Landes über Grundlagen und vollmundige Sanktionsankündigungen hinwegsetzt. Mit ihrem mit krimineller Energie betriebenen Doping-System kamen sie in Rio zumindest zum größeren Teil durch. 271 von ursprünglich 378 Athleten durften starten.

          67 Leichtathleten und acht Gewichtheber fehlten, aber nicht, weil das IOC sie ausgeschlossen hätte, sondern weil ihre Weltverbände angesichts der Lage nicht mehr anders konnten. Kaum mehr als 30 Sportler fielen durch die überhastete Prüfung der übrigen Verbände. Und auch im Fall von Julia Stepanowa bekam Russland seinen Willen - die Whistleblowerin durfte in Rio nicht starten, andere mit Doping vorbelastete Russen aber wohl. Das Pfeifkonzert in der Schwimmhalle für die Zweifach-Sünderin Julia Jefimowa, die zwei Silbermedaillen holte, änderte daran gar nichts.

          Wie tief die wahre Verstrickung der russischen Athleten in das Staats-Doping geht, zeigt der Fall der Weitspringerin Darya Klischina. Sie lebt zwar in Florida und wurde damit nicht vom unglaubwürdigen russischen Testsystem überwacht. Aber sie startete 2013 bei der Leichtathletik-WM in Moskau und der Universiade in Kazan, wo Russland die Doping-Proben seiner Athleten manipulierte. Ein nachträglicher Ausschlussversuch des Weltverbandes, der sie zunächst als einzige Ausnahme akzeptiert hatte, scheiterte vor dem Internationalen Sportgerichtshof, Solistin Klischina wurde in Rio Neunte.

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