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Olympia 2012 : Die Frauen-Show

  • -Aktualisiert am

Muslimische Frauen bei Olympia: Iranische Fußballspielerinnen wärmen sich auf Bild: REUTERS

Zum ersten Mal in der Geschichte der Spiele werden allen teilnehmenden Mannschaften Frauen angehören. Ein großer Erfolg für Jacques Rogge. Und der IOC-Präsident denkt schon weiter: Er kann sich vorstellen, dass irgendwann einmal eine Muslimin seinen Platz einnimmt.

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          Werden sie lächeln? Man wird es nicht sehen. Die Mienen der beiden Frauen, die so viel Hoffnung mitbringen, und gleichzeitig eine deprimierende Botschaft von Unterdrückung und Gefühllosigkeit, werden höchstwahrscheinlich verborgen sein hinter schwarzem Tuch. Wodjan Ali Seraj Abdulrahim Sharkhani und Sarah Attar heißen die beiden Sportlerinnen, die an diesem Freitag bei der Eröffnungsfeier der Spiele der XXX. Olympiade historische Schritte über die Laufbahn des Stadions gehen werden. Diese beiden, bis jetzt vollkommene Unbekannte in der Welt des Sports, stehen im Brennpunkt einer ehrgeizigen Kampagne des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

          Saudi-Arabien hat dem Druck nachgegeben

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Erstmals, dies war der Herzenswunsch des Präsidenten Jacques Rogge für seine letzten Spiele, sollten allen 204 teilnehmenden Mannschaften Frauen angehören. Und nach langen, zähen Verhandlungen hat das IOC es tatsächlich geschafft. Saudi-Arabien, das Land, in dem Frauensport als Teufelswerk gilt und eine Frau ohne schriftliche Genehmigung eines männlichen Angehörigen nicht verreisen darf, hat dem beharrlichen Druck nachgegeben. Nicht nur die beiden Athletinnen, eine Judokämpferin in der Klasse über 78 Kilogramm und eine 800-Meter-Läuferin, sondern sogar mehrere Funktionärinnen werden hinter der saudischen Fahne ins Olympiastadion einmarschieren. Beiden Frauen fehlt jede sportliche Qualifikation für ihren Auftritt. Sie wurden nach komplizierter Suche aufgespürt und von den Olympiern eingeladen.

          Reaktionen zwischen Empörung und Enttäuschung

          In dem Königreich, das sie repräsentieren, dürfen beide ihren Sport nur im Verborgenen ausüben, in ständiger Angst vor einer Razzia. Schulsport gibt es nicht für saudi-arabische Mädchen, so dass die weibliche Bevölkerung der Öl-Monarchie unter Fettsucht und einer gefährlichen Neigung zum Diabetes leidet. Sarah Attar studiert nach Angaben des IOC in den Vereinigten Staaten und trainiert in San Diego. Auch Wodjan Ali Seraj Abdulrahim Sharkhani ist nach Medienberichten im Ausland aufgewachsen. Beide werden sich für ihren Olympiastart strengen Vorschriften für den weiblichen Lebenswandel unterwerfen müssen. „Sie müssen passende Kleidung nach Vorschrift der Scharia tragen“, erklärte Prinz Nawaf bin Faisal, Sportminister, Präsident des Saudischen Olympischen Komitees und IOC-Mitglied, „immer von einem männlichen Aufpasser begleitet werden und dürfen sich nicht unter Männer mischen.“ Die Reaktionen innerhalb Saudi-Arabiens dürften sich sowieso eher zwischen Empörung (der religiösen Sittenwächter) und Enttäuschung bewegen. Die olympische Frauen-Show ändert nichts an den Zuständen in dem Land. Oder öffnet vielleicht doch eine bisher hermetisch verschlossene Tür einen winzigen Spalt? „Es muss noch viel getan werden für die Gleichheit der Frauen“, sagte Jacques Rogge in London.

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