https://www.faz.net/-hfn-71mqo

Olympia 2012 : Die Frauen-Show

  • -Aktualisiert am

Auch die beiden anderen Länder, die bisher stets ohne Athletinnen bei Olympia antraten, haben sich Rogges Wunsch gefügt. Brunei entsendet die Leichtathletin Maziah Mahusin, Qatar ist gleich mit vier Sportlerinnen dabei: der Schwimmerin Nada Arkaji, der Leichtathletin Noor al-Malki, der Tischtennis-Spielerin Aya Magdi und der Schützin Bahiya Al-Hamad. Um den Effekt noch zu steigern, hat sich Qatar einen weiteren feministischen Leckerbissen für Frauenfreund Rogge ausgedacht: Bahiya Al-Hamad wird an diesem Freitag die Fahne ihres Landes tragen. Und sie tut das verdientermaßen. Die Luftpistolen-Schützin hat bei den Arabischen Spielen 2011 drei Gold- und eine Silbermedaille gewonnen und war damit erfolgreichstes Mannschaftsmitglied aus Qatar. Das Signal ist unmissverständlich: Qatar, das schon zweimal mit Bewerbungen für Olympische Sommerspiele früh gescheitert ist und sich als internationale Sportmacht etablieren will, betreibt nicht nur Kosmetik, sondern bekennt sich zum Frauensport.

Die Schützin Bahiya Al-Hamad trägt sogar die Fahne für Qatar Bilderstrecke

Nicht nur wegen solch spektakulärer Forschritte könnten die Spiele von London als die heimlichen Frauen-Spiele in die Geschichte eingehen. Nach der Aufnahme von Frauenboxen in das Programm gibt es zumindest im Sommer keine Sportart mehr, zu der nur Männer zugelassen sind. Im Gegenteil: Die Frauen haben den Männern sogar eine Disziplin voraus: das Synchronschwimmen. Diese scheinbare Schieflage veranlasste das deutsche Feministinnen-Blatt „Emma“ sogar zu der ironischen Schlagzeile: „Männer benachteiligt“. Tatsächlich hält sich der Männersturm auf das olympische Wasserballett aber in Grenzen. Dank der unermüdlichen Bemühungen des IOC nimmt der Frauenanteil an Olympiamannschaften seit zwanzig Jahren sprunghaft zu. „Wir prognostizieren für London 45 Prozent“, sagte die Amerikanerin Anita Defrantz, Vorsitzende der IOC-Frauenkommission, in London gegenüber der Vollversammlung, deren Frauenanteil allerdings nicht annähernd so groß ist wie der auf den olympischen Spielfeldern.

Erstmals drei Frauen in der IOC-Regierung

Doch auch die ehrwürdige Mitgliederriege entwickelt sich. Am Donnerstag bestätigte die Session die Aufnahme der neuen Vorsitzenden der Athletenkommission, der ehemaligen Fechterin Claudia Bokel, in die Exekutive. So sitzen in der 15-köpfigen IOC-Regierung erstmals drei Frauen - neben der Deutschen die Schwedin Gunilla Lindberg und die Marokkanerin Nawal El Moutawakel. Außerdem nahm das IOC zwei neue weibliche Mitglieder auf: die chinesische ehemalige Badminton-Spielerin Lingwei Li und Aisha Garad Ali, die seit sieben Jahren Präsidentin des Nationalen Olympischen Komitees von Djibouti ist. Damit gehören dem IOC nun 22 Frauen an, die 20-Prozent-Quote, die Anita Defrantz für alle Entscheidungsgremien im Sport ausrief, ist erreicht.

Die Welt bewegt sich doch

Davon ist Joseph Blatters Verband zwar noch weit entfernt, aber er wäre nicht der Sonnenkönig des Fußballs, würde er sich nicht trotzdem feiern lassen. Strahlend verkündete er der IOC-Vollversammlung, dass in der Exekutive der Fifa neuerdings eine Frau sitzt - erstmals in der Fußballgeschichte. Dass Lydia Nsekera, die nationale Verbandspräsidentin aus Burundi, in ihrer Heimat vor allem mit korrupten männlichen Funktionären aufgeräumt hat, scheint Blatter nicht zu schrecken - seinem Image kann es höchstens nützen. Und auch der nächste Schritt, eine Frau in einem der absoluten Spitzenämter, ist inzwischen denkbar. Nawal El Moutawakel gilt als Kandidatin für die Nachfolge des IOC-Präsidenten. Rogge zeigt immer wieder, dass ihm der Gedanke gefällt. Eine Frau, und dazu noch eine Muslimin, auf dem höchsten Thron der Sportpolitik? Allein dass diese Frage nicht mehr ins Reich des Kabaretts verwiesen wird, zeigt: Die Welt bewegt sich doch.

Weitere Themen

Liverpool marschiert weiter Richtung Titel

Premier League : Liverpool marschiert weiter Richtung Titel

Auch in Wolverhampton behält Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool eine weiße Weste. Ein früherer Bundesliga-Spieler macht den entscheidenden Treffer. Für die „Reds“ ist es der 22. Sieg im 23. Spiel.

Borussias neuer „Heiland“? Video-Seite öffnen

Haaland vor Heimdebüt : Borussias neuer „Heiland“?

Der junge Stürmer aus Norwegen wird von vielen BVB-Fans beim öffentlichen Training beobachtet – sein Debüt am Wochenende hat große Hoffnungen geweckt. Ist Erling Haaland der neue „Heiland“ für die Borussia?

Topmeldungen

Gefeiert wie ein Popstar: Heinz-Christian Strache am Donnerstagabend in Wien.

Strache-Auftritt in Wien : „Hier steht das Original“

Heinz-Christian Strache will in Österreich mit einer neuen „Bürgerbewegung“ in die Politik zurückkehren und seiner früheren Partei FPÖ das Leben schwer machen. Doch noch lässt er seine Anhänger zappeln – und vermeidet Festlegungen.

Überfüllte Kliniken in China : Ein Patient alle drei Minuten

Überfüllte Kliniken, gewalttätige Angehörige, Arztkosten als Existenzbedrohung, Menschen, die sich selbst ein Bein amputieren – und nun auch noch ein unbekannter Virus: In China sollte man besser nicht krank werden.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.