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Russland : Selbst ein Olympia-Ausschluss reicht nicht

  • -Aktualisiert am

Ob Russland an Olympia 2016 teilnehmen darf, ist unsicherer denn je. Bild: Reuters

Ein Olympia-Ausschluss von Russland wäre eine empfindliche Strafe und das richtige Signal. Aber selbst das wäre zu wenig, um das Grundproblem halbwegs in den Griff zu bekommen.

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          Doping-Kontrolle – alles nur eine goldige Show? Das kann zwar auch der Kronzeuge für das behauptete russische Staats-Doping während der Olympischen Winter-Spiele 2014 in Sotschi nicht beweisen. Die Ausführungen von Grigorij Rodschenkow, dem ehemaligen Leiter des suspendierten Moskauer Anti-Doping-Labors, bieten aber jetzt schon Stoff für einen guten Krimi: Er, der Chemiker, mixt einen Anabolika-Cocktail für Athleten, deren positive Doping-Proben vor der Analyse nachts vom Geheimdienst ausgetauscht werden. Damit Russland als erste Nation im Medaillenspiegel glänzt.

          Der Kreml hat diese – mit vielen Details angereicherte – Behauptung des in die Vereinigten Staaten geflüchteten Laborleiters am Freitag als üble Verleumdung bezeichnet. Beides kennen wir längst: das perfide, staatliche Zwangs-Doping aus der DDR, und die große Empörung der russischen Staatsführung nach Doping-Vorwürfen. Seit eineinhalb Jahren ist die systematische Manipulation in der russischen Leichtathletik aber gerichtsfest bewiesen. Der Schritt zum flächendeckenden Betrug im Sport erscheint nur logisch; vom russischen Dopingsumpf bedroht sind deshalb die bevorstehenden Olympischen Spielen.

          Aber selbst der unwahrscheinliche Fall, dass sich die Darstellung des Kronzeugen bis dahin als falsch herausstellt, befreit Russlands halbstaatliche Sportführung nicht von der Verantwortung für ein korruptes Anti-Doping-System. Es hat lange nicht funktioniert und nach Lage der Dinge genügt es auch im Moment nicht den international fixierten Ansprüchen. Unter solchen Bedingungen geht selbst wenige Monate vor den Olympischen Spielen kein potentieller Manipulateur ein großes Risiko ein, wenn er sich mit verbotenen Stoffen auf ein Niveau hebt, das bis zu den Wettkämpfen in Rio zu halten ist – auch ohne weitere Anabolika-Kuren.

          Schon deshalb müsste das Internationale Olympische Komitee (IOC) Russland von den Sommerspielen ausschließen. So eine empfindliche Strafe wäre das richtige Signal. Aber selbst das würde, könnte sich das IOC dazu einmal durchringen, nicht reichen, das Grundproblem halbwegs in den Griff zu bekommen. Dazu müsste das Kontrollsystem eines Landes völlig unabhängig vom Sport und den Regierungen sein. Das ist nicht einmal in Deutschland der Fall.

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          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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