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Gedenken an München 1972 : „Wir können unsere Tränen nicht zurückhalten“

Das israelische Team beim Einmarsch ins Olympiastadion in Tokio. Bild: AFP

Lange sträubte sich das IOC gegen ein großes offizielles Gedenken an die getöteten Israelis beim Olympia-Anschlag 1972 in München. Bei der Eröffnung in Tokio gibt es nun einen „historischen Moment“.

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          Mit großer Erleichterung haben Ankie Spitzer und Ilana Romano, zwei der Witwen der vor 49 Jahren beim Anschlag bei den Olympischen Spielen von München getöteten Israelis, auf das Gedenken an die Opfer bei der Eröffnungsfeier von Tokio am Freitagabend reagiert. „Endlich gibt es Gerechtigkeit für die Ehemänner, Söhne und Väter, die in München ermordet wurden“, erklärten die beiden Frauen, Witwen von Fechttrainer Andre Spitzer und Gewichtheber Yoseff Romano, die im Olympiastadion von Tokio anwesend waren, in einem gemeinsamen Statement. „Wir gingen durch 49 Jahre des Kämpfens und gaben nie auf. Wir können unsere Tränen nicht zurückhalten.“

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Auch der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett lobte die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das sich jahrzehntelang gegen ein offizielles Gedenken in großem Rahmen gesträubt hatte. 2012 und 2016 hatte es lediglich eigene Gedenkfeiern außerhalb des Protokolls gegeben. „Ich begrüße diesen wichtigen historischen Moment“, erklärte er auf Twitter.

          Das Gedenken in Tokio, das in Deutschland zunächst nahezu unbemerkt blieb, spielte sich im Rahmen der Schweigeminute ab, die im Stadion für die Toten der Corona-Pandemie und im Lauf der olympischen Geschichte abgehalten wurde. Illustriert war die Szene durch einen eindrucksvollen Totentanz.

          „Wir, die olympische Gemeinschaft, erinnern uns auch an all die Olympiateilnehmer und Mitglieder unserer Gemeinschaft, die uns auf so traurige Weise verlassen haben“, sagte der Sprecher. „Besonders erinnern wir uns an jene, die ihr Leben während der Olympischen Spiele verloren haben. Eine Gruppe hat immer noch einen bedeutenden Platz in allen unseren Erinnerungen und steht für alle, die wir bei den Spielen verloren haben: die Mitglieder der israelischen Delegation bei den Olympischen Spielen in München 1972.“

          Die Verwandten der Opfer hatten seit vielen Jahren für eine größere öffentliche Anerkennung der Toten durch das IOC geworben. Dieses war besonders dafür kritisiert worden, 40 Jahre nach dem Anschlag, bei den Olympischen Spielen 2012 in London, in der Eröffnungsfeier nicht in einer Schweigeminute an das Massaker erinnert zu haben. Der damalige IOC-Präsident Jacques Rogge hatte erwidert, dass eine Eröffnungsfeier nicht die richtige Umgebung sei, um an einen so tragischen Fall zu erinnern. Auf israelischer Seite wurde dagegen vermutet, dass das IOC eine Konfrontation mit muslimischen Ländern vermeiden wollte.

          Der Anschlag am 5. September 1972 in München ist eines der dunkelsten Kapitel der olympischen Geschichte. Im schlecht gesicherten Athletendorf wurden elf Israelis von acht Mitgliedern der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ zu Geiseln genommen. Sie sollten bei Wettkämpfen unter anderem im Ringen, Fechten, Gewichtheben und Leichtathletik teilnehmen. Zwei starben im Olympischen Dorf.

          Die Terroristen verlangten die Freilassung palästinensischer Häftlinge aus israelischer und der deutschen RAF-Mitglieder Andreas Bader und Ulrike Meinhof aus deutscher Haft. Nach einem gescheiterten Befreiungsversuch durch deutsche Sicherheitskräfte töteten sie alle Geiseln. Auch ein deutscher Polizist starb. Von den acht Geiselnehmern überlebten drei.

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