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Doping-Kommentar : Bach hat recht

  • -Aktualisiert am

Thomas Bach steht im Zentrum der Kritik, weil er ein Team von russischen Athleten an den Olympischen Spielen teilnehmen lässt. Bild: dpa

Weil er ein Team von Problem-Russen an Olympia in Rio teilnehmen lässt, steht Thomas Bach in der Kritik. Manchmal liegt der IOC-Präsident aber auch richtig.

          Thomas Bach, der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wird zurzeit viel kritisiert, um es milde zu sagen, weil er und seine Mitfunktionäre ein Team von Problem-Russen an den Spielen in Rio teilnehmen lassen. Aber das heißt nicht, dass der Tauberbischofsheimer nicht manchmal auch recht hätte: Zum Beispiel mit seinen Einlassungen, was die Arbeit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und ihre skandalöse Säumigkeit angeht.

          Die Wada hat eigentlich den Auftrag, den Anti-Doping-Kampf zu organisieren. Und sie hat dramatisch versagt, als es darum ging, Hinweisen nachzugehen, dass in Russland systematisch gedopt wird, und dass der Moskauer Laborleiter Girgorij Rodschenkow eine höchst dubiose Figur ist. Den einen Missstand hätte die Wada von 2010 an erkennen können, den zweiten von 2013 an. Doch die Wada wählte zunächst einen bequemen, aber verantwortungslosen Weg: Vertuschung durch Schnarchen.

          Erst als einflussreiche Medien die Informationen aufgriffen und öffentlichen Druck produzierten, bequemte sich die Wada zögerlich, die Augen zu öffnen. Sie ließ den sogenannten unabhängigen Pound-Report erstellen, der alarmierende Zustände in Russlands Leichtathletik aufdeckte und dringend anmahnte, auch in anderen Sportarten nachzuforschen. Aber das ließ die Wada erst einmal im Sand verlaufen. Erst als auch noch Rodschenkow öffentlich auspackte und Aussitzen zwecklos wurde, gab die Wada den McLaren-Report in Auftrag, der den ungeheuerlichen Betrug ans Licht brachte. Seitdem hat sich Wada-Chef Craig Reedie, der das Schnarch-Programm zu verantworten hat, einen einschneidenden Image-Wechsel verordnet. Er tritt jetzt als härtestmöglicher Doping-Sanktionierer auf.

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          Natürlich hätte das IOC Russland pauschal sperren und damit alle Probleme vom Tisch schieben können, aber das wollte es ja nicht. Den Zeitdruck und das Chaos kurz vor den Spielen, wenn es um die Startgenehmigungen russischer Sportler geht, verdankt es aber der Wada. Das IOC, sagte Bach in Rio, sei doch nicht verantwortlich für das Timing des McLaren-Reports. Oder die Tatsache, dass bestimmte Informationen nicht verfolgt worden seien. Auch für die Akkreditierung von Anti-Doping-Laboren sei es nicht zuständig.

          Was stimmt. Und tatsächlich gilt die Wada, die zur Hälfte von der Sport-Bewegung und zur anderen Hälfte von den Regierungen finanziert wird (oder im letzten Fall besser, finanziert werden soll), auf den ersten Blick als unabhängige Organisation. Aber schauen wir genauer hin. Erstens erhielt auch das IOC 2013 die Informationen eines britischen Journalisten über Rodschenkow, verfolgte ihre Bearbeitung aber nicht weiter.

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          Zweitens ist Reedie nicht nur Wada-Chef, sondern auch - wenn auch scheidender - Vizepräsident des IOC. Drittens sitzen im Vorstand der Wada neben Reedie noch weitere drei hochkarätige IOC-Mitglieder. Es hängt also, wie so üblich im sportpolitischen Geflecht, alles mit allem zusammen. Darum kann man bei Entscheidungen innerhalb des olympischen Netzwerks stets davon ausgehen: Wo ein gemeinsamer Wille ist, ist auch ein Weg. Und wo kein Wille ist, das sieht man im Fall der Wada und den Russen, da ist dann eben keiner.

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