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Fremde Federn: Jacques Rogge : Das Vermächtnis der Spiele

  • -Aktualisiert am

Die Olympia-Organisatoren in London haben das Vermächtnis zum Kern ihrer Bewerbung gemacht Bild: AFP

Wofür werden die Spiele der XXX. Olympiade einmal stehen? Die Zeit wird es zeigen. Eines aber steht schon jetzt fest: London 2012 hat alle Voraussetzungen erfüllt, um bleibenden Nutzen zu stiften. Ein Gastbeitrag des IOC-Präsidenten.

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          Auch wenn das sprichwörtliche englische Klima seinem Ruf entsprechen sollte: Die Olympischen Spiele in London erfüllen schon im Vorhinein alle Voraussetzungen für einen Erfolg. Nicht nur während ihrer zweiwöchigen Dauer, sondern weit über das Verlöschen des olympischen Feuers hinaus. Dafür sorgen die Veranstalter, die das Sportfest konsequent als Vermächtnis für die kommenden Generationen ausgelegt haben.

          Der Präsident des Organisationskomitees von London, Sebastian Coe, weiß sehr wohl, dass die Latte hoch gelegt ist. Er hat erkannt: „Die höchsten Erwartungen, die eine Gastgeberstadt heute erfüllen muss, sind nicht die des Internationalen Olympischen Komitees oder der Regierung, sondern die Ansprüche der einheimischen Bevölkerung, die wissen will, was von alledem zurückbleibt.“

          Lord Coe und sein Team haben das Vermächtnis zum Kern ihrer Bewerbung gemacht. Die Bürger der Stadt und des Landes dürfen von London 2012 eine reiche Ernte an bleibenden Vorteilen erwarten. Eine ganze Generation soll daraus Mut und Zuversicht schöpfen, lange vernachlässigte Stadtviertel von London sollen neu belebt werden, die Londoner werden bessere Infrastrukturen, neue Arbeitsplätze und modernere Sportanlagen erhalten. Von der Regierung auf allen Ebenen großzügig unterstützt, haben die Organisatoren bereits Riesenschritte auf dem Weg zur Verwirklichung ihrer Ziele gemacht.

          Von jedem Pfund, das für Infrastrukturarbeiten ausgegeben wurde, wurden 75 Pence für bleibende Einrichtungen verwendet. Diese Mittel dienten namentlich dazu, große Teile von East London zu sanieren; aus einer verseuchten und verlassenen Deponie wurde so der glanzvolle neue Olympiapark, wo eine innovative und nachhaltige neue Siedlung entstehen wird. Die Olympic Park Legacy Company hat für sechs der acht bleibenden Wettkampfstätten bereits Pächter für die Zeit nach den Spielen gefunden - eine schöne Leistung an sich.

          F.A.Z.-Sonderseite zu den Olympischen Spielen 2012

          Bleibender Nutzen war freilich nicht immer ein wesentliches Kriterium bei der Planung Olympischer Spiele. Noch vor Jahren handelte es sich eher um ein Nebenprodukt der Veranstaltung, sozusagen einen glücklichen Umstand. Einige Austragungsorte schnitten dabei besser ab als andere. Das IOC hat erkannt, dass eine Stadt aus Olympischen Spielen nur dann einen nachhaltigen Nutzen ziehen kann, wenn dieser von Anfang an eingeplant wird.

          Deshalb verlangen wir heute von allen Bewerbern, dass sie schon zum Zeitpunkt ihrer Bewerbung darlegen, welche Ziele und langfristigen Strategien sie verfolgen. Veranstalter, die den Zuschlag erhalten, müssen bereits eine klare Vorstellung von ihren Plänen für die siebenjährige Vorbereitungszeit auf Olympia und darüber hinaus haben. Das Erfahrungstransfer-Programm des IOC erlaubt neuen Austragungsorten, von früheren Veranstaltungen zu lernen.

          Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge

          Einer der ersten Austragungsorte, die dank frühzeitiger Planung den größtmöglichen Nutzeffekt erzielt haben, war Barcelona. Wie London nahm die Stadt die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1992 zum Anlass, vernachlässigte Stadtteile, darunter die 100 Hektar Gewerbegebiet am Meer, von Grund auf zu sanieren.

          Die Runderneuerung der Uferzone hat die Stadt verwandelt, wie auch der beträchtliche Zuwachs an Wohnraum. Barcelona wurde dadurch zu einer echten Touristenattraktion: Die Besucherzahl wuchs von weniger als 2 Millionen pro Jahr vor den Spielen auf satte 7,4 Millionen im vorigen Jahr.

          Der Zeitplan der Olympischen Spiele 2012 im Überblick

          Viele weitere Beispiele sind hinzugekommen, seit Lillehammer 1994 Maßstäbe für „ grüne“ Spiele setzte. Sydney 2000 brachte der Stadt einen Zuwachs an städtischen Grünflächen, die zu den größten Australiens gehören; in Peking wurde 2008 ein Programm für Jugenderziehung durch Sport aufgelegt, das 400 Millionen Kinder mit den olympischen Werten vertraut machte; Vancouver 2010 bescherte der Bevölkerung einen großangelegten Ausbau des Verkehrsnetzes mit dem Einsatz von 180 diesel-elektrischen Hybridbussen, einer neuen U-Bahn-Linie zwischen dem Flughafen und der City und der Generalüberholung der Autobahn Sea-to-Sky Highway zwischen Vancouver und Whistler.

          Wofür werden die Spiele der XXX. Olympiade einmal stehen? Die Zeit wird es zeigen. Eines aber steht schon jetzt fest: London 2012 hat alle Voraussetzungen erfüllt, um bleibenden Nutzen zu stiften.

          Bleibender Nutzen war nicht immer ein wesentliches Kriterium bei der Planung Olympischer Spiele

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