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DOSB-Präsident Thomas Bach : „Wir müssen unser Fördersystem genau anschauen“

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Er hat vom Maßstab gesprochen - die reine Orientierung am Medaillenspiegel wäre eine Symboldiskussion. Niemand kann vorhersagen, wie viele Medaillen man dafür braucht. Und welche Art der Statistik zählt denn? Nimmt man nur die Goldmedaillen, oder gilt die Gesamtzahl der Medaillen? Es weiß auch keiner, wie viele Länder Medaillen gewinnen werden. Die Engländer wollen zwischen sechs und zehn Medaillen im Radfahren gewinnen. Aber im Bahnradfahren sind sie vielleicht nicht mehr so stark wie in Peking. Wer wird davon profitieren? Die Franzosen, die Italiener, vielleicht wir? In diesen Hochrechnungen sind so viele Unwägbarkeiten drin.

Vergleichen Sie den finanziellen Aufwand der Nationen?

Zweifellos. Die finanziellen Unterschiede sind enorm. Kanada hat sein Programm für die Winterspiele von 2010 „Own the Podium“ fortgesetzt. Die Vereinigten Staaten haben nach Peking sehr große Anstrengungen unternommen, um wieder ganz oben zu sein. Die umfängliche Sportförderung von Spanien ist bekannt, Frankreich hat sich auch noch mal verbessert mit der Entwicklung seines Wissenschaftszentrums. Japan hat ein vollkommen neues zentrales Trainingscenter von einer unvorstellbaren Größenordnung geschaffen, Russland investiert ein Mehrfaches mehr in den Sport als es seinerzeit die UdSSR getan hat, Südkorea, Australien, ich kann die Liste leicht verlängern, über China brauchen wir gar nicht zu reden. Wenn man sich anschaut, dass England allein ins Radfahren in diesem Jahr 26 Millionen Pfund investiert hat, und da sind die Gelder des Profiteams Sky sicherlich nicht mit drin, dann bekommt man eine Ahnung, auf welchem Niveau gearbeitet wird.

Die Vorfreude steigt - nicht nur bei Thomas Bach
Die Vorfreude steigt - nicht nur bei Thomas Bach : Bild: dpa

Sie wollen damit sagen, dass der deutsche Spitzensport zu wenig Geld bekommt vom Bund? Reichen 132 Millionen vom Innenministerium für 2012 und die Unterstützung durch die Bundeswehr, die von 60 Millionen Euro spricht, nicht?

Wir sind aufgrund unserer mittelfristigen Finanzplanung laufend im Gespräch mit dem Innenministerium. Wir wissen, dass sich einige Rahmendaten verändert haben. Als wir unseren Finanzbedarf aufstellten, gab es noch keine Schuldenbremse, es gab keine Schuldenkrise. Aber wir sind dennoch der Meinung, dass die Gelder im Spitzensport sehr gut angelegt sind. Die Olympiamannschaft hat ja auch eine Botschaft für die Gesellschaft.

Was hat der DOSB noch zu bieten, um den Bund als Geldgeber von einer Investition zu überzeugen?

Unabhängig vom Ausgang der Spiele für die deutsche Mannschaft werden wir unser Leistungssport-Fördersystem nach London genau anschauen.

Haben Sie schon eine Vorstellung?

Ja. Wo können wir generell effizienter werden, wo Reibungsverluste verhindern und zielgerichteter arbeiten? Zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit den Olympiastützpunkten. Wir müssen mehr Steuerungsmöglichkeiten für die Verbände und den DOSB etwa bei der Frage der dualen Karriere für die Athleten bekommen. In diesem Fall sollte sich auch die Kooperation zwischen DOSB und Sporthilfe verbessern. Wir sind näher an den Hochschulen dran, die Sporthilfe an den Unternehmen, das muss besser verzahnt werden. Der DOSB muss sich darüber hinaus um die Trainerausbildung, die Trainerrekrutierung und um die Besoldungsfragen kümmern. Wenn dann trotz einer erhöhten Effizienz mehr Mittel notwendig sein sollten, dann werden wir das mit dem Innenministerium erörtern.

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