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Julija Jefimowa bei Olympia : „Wollt ihr mich veräppeln, Fina?“

Julija Jefimowa darf in Rio doch ins olympische Wasser steigen. Bild: dpa

Ursprünglich war Julija Jefimowa wegen Dopings von Olympia in Rio ausgeschlossen. Nun darf die Schwimm-Weltmeisterin aus Russland doch starten. Das provoziert die Konkurrenz.

          Mit den russischen Schwimmern und Olympia ist es ein bisschen wie mit dem Abzählreim, der bei zehn beginnt und mit dem das Runterzählen geübt werden kann. Allerdings wird der Lernerfolg in aufsteigende Richtung gelenkt: Jeden Tag kommt jemand dazu. Seit Freitagabend, zum Beispiel, ist klar, dass auch Julija Jefimowa bei den Schwimmwettbewerben in Rio de Janeiro starten wird.

          „Ich fahre zu Olympia. Ich könnte nicht stolzer und erleichterter sein!“, postete die Weltmeisterin über 100 Meter Brust tränengerührt über ein Bild auf ihrem Account bei Instagram. Tatsächlich war die Startberechtigung für die Schwimmerin erwartet worden, nachdem die Schiedsrichter des Internationalen Sportgerichtshofs (Cas) am Donnerstag – wenig überraschend – entschieden hatten, dass der Ausschluss von russischen Sportlern mit Doping-Vergangenheit nicht durchsetzbar ist.

          Auf diese offenkundig mehr als fragwürdige Formel hatten sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) und Russlands Ober-Olympier Alexander Schukow verständigt, weil das IOC einen Ausschluss des russischen NOK, dem Schukow vorsteht, um jeden Preis vermeiden wollte. In den Tagen vor Rio nun haben sich die russischen Schwimmer nach und nach eingeklagt: Neben Julija Jefimowa werden Natalija Lowzowa, Darija Ustinowa, Michail Dowganjuk und Anastasia Krapiwina starten und Nikita Lobinzew und Wladimir Morosow sowieso.

          Kein Start aber provoziert die Konkurrenz so sehr wie jener von Julija Jefimowa. Die 24 Jahre alte Schwimmerin, die schon an diesem Sonntag bei den Vorläufen über 100 Meter Brust ins Becken springen wird, ist zur Symbolfigur des manifestierten Doping-Verdachts im russischen Schwimmen geworden. Nachdem 2013 Spuren des Steroids DHEA bei ihr gefunden worden waren, wurde sie für 16 Monate gesperrt – die Sperre endete so rechtzeitig, dass sie bei der Weltmeisterschaft in Kasan im vergangenen August siegen konnte.

          Bei jener Veranstaltung, die laut der Untersuchung der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada ebenfalls Teil des staatlichen russischen Sportbetrugs war. Anfang 2016 wurde Julija Jefimowa wieder gesperrt – auch sie hatte das Herzmittel Meldonium geschluckt, das seit 1. Januar verboten ist. Die Sperre wurde im Frühjahr ausgesetzt, nachdem die Wada zugeben musste, dass unklar sei, wie lange es dauere, das Mittel im Körper abzubauen. Im Juli wurde sie freigesprochen. Welche Emotionen Julija Jefimowas schiere Präsenz bei Olympia freisetzt, zeigt zum Beispiel die Reaktion der früheren amerikanischen Weltklasse-Schwimmerin und heutigen Grundschullehrerin Kristy Kowal. Sie twitterte: „Are you fu@&ing kidding me @fina1908. You have no balls.“ Jugendfrei übersetzt: „Wollt ihr mich veräppeln, Fina? Ihr seid feige.“

          Der Internationale Schwimmverband Fina hatte die Startberechtigung erteilt. Deren Generalsekretär Cornel Marculescu hatte mit Blick auf Julija Jefimowa in Kasan vergangenes Jahr davon gesprochen, dass man „Stars nicht von der Schwimm-WM ausschließen kann, nur weil sie einen kleineren Unfall mit Doping hatten“. Für die Spiele von Rio gilt offenbar dasselbe. Julija Jefimowas Auftritte im olympischen Schwimmbecken werden Wellen schlagen. Die Abneigung ihrer stärksten Konkurrentin, der 19 Jahre alten Litauerin Ruta Meilutyte und ihres englischen Trainers Jon Rudd, ist bekannt. Rudd hatte schon vor zwei Wochen gesagt, es würde ihn nicht wundern, wenn die Fina einen Weg fände, Julija Jefimowa den Start in Rio zu ermöglichen.

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