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Speakers Corner : United Colours of Olympia

  • -Aktualisiert am

Eine Ampel in Wimbledon: Auf grünem Rasen tragen Alejandro Falla gelb und Roger Federer rot Bild: AFP

Oh my god, was ist denn in Wimbledon passiert!? Die Festung der Konservativen ist gefallen. Das Weiß ist weg! Die Tennisspieler beim olympischen Tennisturnier tragen bunt. Bunt bis zum Gehtnichtmehr.

          1 Min.

          Zugegeben, es gibt Schlimmeres. Englischen Kaffee zum Beispiel. Oder englisches Wetter. Oder Linksverkehr. Daran muss man sich gewöhnen, denn daran ändern wird der Brite nie einen Deut. Der Kaffee bleibt ziemlich dünn, das Wetter recht wendisch, und der Verkehr verquer, zumal in London. Aber, oh my god, was ist denn in Wimbledon passiert!?

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Festung der Konservativen ist gefallen. Das Weiß ist weg! Das Weiß steht für Hoffnung. Der Hoffnung auf Unschuld, wie bei Braut und ihren Jungfern. Die Hoffnung auf Gefühl, wie an Weihnachten, wenn der Schnee gefälligst rieseln soll. Und der Hoffnung auf ein Wimbledon, das den klassischen Tennissport hegt und pflegt und verteidigt wie wenige andere elitäre Klubs dieser Welt.

          Doch der Hort der Tennistradition hat sich von seinem Reinheitsgebot verabschieden müssen, seit die Olympier die Church Road okkupiert haben. Bisher waren die drei Grundfarben auf der Anlage grün (die Rasenplätze), grün und lila (das Klubemblem des All England Lawn Tennis an Croquet Clubs) und weiß (die Kleidung der Spieler). Und jetzt - die United Colours of Olympia.

          Das Magenta der Londoner Spiele mag sich noch hübsch einfügen ins gewohnte Ambiente. Und auch die einen oder anderen Spieler geben sich im Auftrage ihres Landes und ihres Ausrüsters konventionell. Sie verbinden Tennistradition und olympischer Moderne auf überzeugende Weise und tragen vorwiegend weiß, ergänzt um Farbtupfer, die dezent auf ihre Nationalität hinweisen.

          Immerhin die Olympischen Ringe am Netz bringen ein wenig weiße Tradition nach Wimbledon

          Aber der Rest! Bunt bis zum Gehtnichtmehr. Nach dem Motto: Das Weiß macht mich nicht heiß. Viele tragen ihre Landesfarben besonders offensiv zur Schau: die Kolumbianer (knallgelb mit rot und blau), die Australier (obenrum gelb, untenrum immerhin grün) und die Weißrussen, die Wimbledons Traditionsfarbe zwar im Namen tragen, sich darum aber nicht scheren und in blau-gelb aufschlagen.

          Die beiden Einzelsieger bei dem Wimbledonturnier, das gerade mal vor drei Wochen zu Ende gegangen ist, sind geteilter Meinung über die neue Farbmischung. Serena Williams findet sie ziemlich cool, Roger Federer eher crazy. Zumal es auch die Fans bunt treiben und auf dem Centre Court die Welle machen, Fahnen schwenken und tuscheln.

          Immerhin auf das englische Wetter müssen die Tenniszuschauer nicht verzichten

          In sieben Tagen wird dieses Tennisspektakel vorbei sein. Bis dahin, Engländer, sucht euch einen olympischen Barden, der wie Bing Crosby klingt und singt: „I´m dreaming of a White Wimbledon. Just like the ones I used to know.“

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