https://www.faz.net/-hfn-6yg8b

London Calling : Rasenmähen für Olympia

Der Greenkeeper der berühmtsten Grashalme der Sportwelt: Eddie Seaward pflegt den Rasen von Wimbledon in diesem Jahr besonders intensiv Bild: ap

Eddie Seaward steht vor der größten Herausforderung seiner Karriere im Tenniszirkus. Der Greenkeeper muss innerhalb von drei Wochen nach dem Wimbledon-Finale Braun in Grün verwandeln.

          3 Min.

          Es ist ja durchaus üblich, dass Sportler nach Olympische Spielen ihre Karriere beenden, und auch der wichtigste Mann des olympischen Tennisturnieres 2012 hält das so. Die Laufbahn von Eddie Seaward hat allerdings viel länger gehalten als die übliche Halbwertzeit eines Athleten.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Seaward hat nämlich schon Michael Stich, Andre Agassi, Steffi Graf oder Martina Navratilova siegen sehen in Wimbledon – der Engländer ist seit 1990 der Chef-Rasenwart der berühmtesten Tennisanlage der Welt, auf der in diesem Jahr auch das olympische Turnier ausgetragen wird.

          Es ist wie bei einigen Sportlern seine letzte große Herausforderung. Nach diesen Olympischen Spielen geht Seaward mit 68 Jahren in Rente und wird sich nur noch um den Rasen vor seinem Haus kümmern - wenn ihn seine Frau lässt. „Sie ist da kritischer als ich“, sagt er.

          An Rollrasen nicht einmal denken!

          An seinem Arbeitsplatz aber hat Seaward das Sagen, und in diesem Sommer wartet nun eine ganz besondere Aufgabe auf ihn. Nur 20 Tage nach dem letzten Ballwechsel beim traditionsreichen Wimbledonturnier geht es nämlich an der Church Road mit dem ersten Aufschlag des olympischen Turniers weiter.

          Eddie Seaward: Der Herr über die olympischen Rasenmäher

          Natürlich wieder auf einem satten Grün, was den Hobbygärtner einigermaßen verwundern wird, der noch die Bilder vom Wimbledonfinale in Erinnerung haben wird. Rund um die Grundlinien wird da auf den Tennisplätzen nämlich kein Grashalm mehr zu entdecken sein. Rollrasen erscheint für den Laien die logische Lösung, aber im Gespräch mit Seaward sollte man an diese Möglichkeit nicht einmal denken.

          Nie mehr als zwei Millimeter

          Um den Rasen machen sie sich in Wimbledon allerdings die wenigsten Sorgen, denn Seaward und seine rund 20 Mitarbeiter haben ihre Hausaufgaben längst erledigt. „Die Zeit ist kurz, aber wir haben alles schon getestet“, sagt er. Für die neuralgischen Stellen an den Grundlinien werden vorgekeimte Kulturen verwendet, der Rest ist reine Erfahrungssache.

          Es grünt so grün: Der Centre Court in Wimbledon in voller Pracht

          Davon hat Seaward jede Menge, und manche seiner Pflegetips entsprechen nicht denen, die man in Garten-Ratgebern findet. „Mähen, mähen und nochmal mähen“, ist zwar auch sein Credo, aber niemals mehr als zwei Millimeter pro Mähgang.

          Fuchsurin als einziger Gegner

          Seaward lässt den Rasen in Wimbledon im übrigen auch im Winter mähen, wässert aber lieber in kleinen Mengen als zuviel auf einmal. Wenn es zu kalt wird, bekommt das Grün eine wärmende Decke, unter die allerdings Luft gepustet werden kann, liegt Tau auf dem Rasen, wird er mit großen Eisenbürsten weggefegt.

          Das einzige Problem in Londoner Südwesten sind die Füchse, die vom angrenzenden Park gerne den Weg auf die Tennisanlage nehmen und mit elektrischen Zäunen vom Betreten der Plätze abgehalten werden sollen – ihren Urin übersteht nämlich auch der stärkste Rasen nicht.

          Olympia als besondere Motivation

          Seawards Arbeit wird sich in diesem Jahr besonders lohnen, denn das olympische Turnier 2012 steht bei den Tennisprofis so hoch im Kurs wie noch keines zuvor. Anders als vor vier Jahren, als die Stars von Peking aus gleich zu den US Open nach New York weiterfliegen mussten, haben sie diesmal eine adäquate Pause sowohl nach dem eigentlichen Wimbledenturnier als auch bis zum nächsten Saisonhöhepunkt in New York.

          Olympia auf dem berühmtesten Centre Court der Welt reizt alle – auch jene, die ohnehin schon beinahe alles gewonnen haben. Davon hat auch der Davis Cup profitiert, denn eines der Nominierungskriterien für Olympia besteht darin, dass die Spieler in den vergangenen beiden Jahren zumindest einmal für ihr Land zur Verfügung standen.

          Wual auf Sand für Spaß in Wimbledon: Roger Federer spielte Davis Cup fürs große Ziel

          So kam es, dass Roger Federer im Februar in der ersten Runde für die Schweiz spielte oder etwa auch der lang verletzte Tommy Haas sein Comeback für Deutschland gab, obwohl es eher störend für seine originäre Turnierplanung war.

          Olympischer Segen fürs Mixed

          Wimbledon und Olympia – diese Kombination hat eine magische Anziehungskraft und sorgt deshalb auch für Bewegung bei den Grand-Slam-Turnieren in diesem Jahr. Die Doppel-Wettbewerbe sehen ungewöhnlich viele Duos, die aus einem Land stammen, und weil im Sommer auch im Mixed olympische Medaillen verteilt werden, erlebt selbst diese ansonsten nur am Rande wahrgenommene Sparte bei den großen Turnieren eine ungewohnte Aufwertung.

          Allein die Verletzung von Andy Roddick verhinderte so Anfang des Jahres in Melbourne einen spektakulären Auftritt mit Serena Williams. Aufgehoben ist in diesem Fall nur aufgeschoben – wenn zwei der stärksten Aufschläger ihres Geschlechts im Sommer tatsächlich gemeinsame Sache machen, scheint nur noch die Frage offen, ob der Rasen der Aufschlaggewalt standhält.

          Weitere Themen

          Gigantische Olympische Ringe Video-Seite öffnen

          Sommerspiele in Japan : Gigantische Olympische Ringe

          Die Installation ist 32,6 Meter breit und 15,3 Meter hoch. Sie soll in der Bucht von Tokio vor Anker gehen, in der Schwimm- und Triathlonwettbewerbe stattfinden. Die Olympischen Sommerspiele beginnen am 24. Juli.

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
          Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

          „Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

          Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

          Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.