https://www.faz.net/-hfn-70kto

London Calling : Kuh-Tipps und Tennisspieler

Olympia-Stadion bei der Eröffnungsfeier: Britischer Stolz auf Kühe und Pferde Bild: dpa

Ist Gras der richtige Untergrund für Sportler? Oder gehören Kühe drauf? Star-Regisseur Danny Boyle findet eine überraschende Antwort - und zeigt sie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele.

          2 Min.

          „Gras ist nur was für Kühe“, hatte der frühere Tennisstar Ivan Lendl einst über den Bodenbelag in Wimbledon gespottet. Was vor allem den Greenkeeper ärgerte, der für den heiligen Rasen zuständig ist, aber letztlich nur der beleidigte Kommentar eines Mannes war, dem am Ende einer erfolgreichen Karriere genau ein Titel fehlte – der in Wimbledon.

          Freilich hätte eine Kuh dort ebenso wenig Spaß gehabt wie der verbissene Tscheche, der später zum verbissenen Amerikaner konvertierte. Und sie hätte auch nicht mal was zu fressen bekommen - angesichts der gerade mal acht Millimeter Rasenhöhe auf den Plätzen. Überhaupt ist das mit den Kühen im Sport so eine Sache. „Da würde ein Deutscher nicht einmal seine Kuh draufstellen“, maulte der Weltreisende Berti Vogts über die Beschaffenheit der Trainingsplätze in Nigeria, als er dort noch als Fußballlehrer aktiv war. „Auf so einen Platz kriegen sie keinen deutschen Fußballer.“

          Doch schätze man die Deutschen nicht falsch ein. Sogar die Tennisspieler sind weniger heikel als gedacht. Als Thomas Haas 2009 beim Rasenturnier in Halle den Einzug ins Finale geschafft hatte, sagte er: „Hauptsache ein Endspiel, ob auf Rasen oder Kuhscheiße, ist mir egal“.

          Eine pikantere Note brachte Maria Scharapowa ins Spiel. Sie fühle sich „wie eine Kuh auf dem Eis“ spottete die elegante Russin über ihre eigene Spielweise – allerdings nicht auf Rasen, sondern auf Sand. Nachdem sie jüngst die French Open gewonnen hat, sollte diese Einschätzung aber Vergangenheit sein. „Die Kuh ist vom Eis“, hieße das dann laut Floskel-ABC, aber das wäre jetzt auch unhöflich.

          Rasenplatz von Wimbledon: Nur was für Kühe? Bilderstrecke

          In den kommenden Monaten sollten Scharapowa, Haas und all die anderen aber auf jeden Fall möglichst oft auf Rasen üben. Und auch Lendl hätte, wäre er noch aktiv, diesen Sommer eine doppelte Chance, seine Gras-Allergie zu lindern. Denn neben dem üblichen Grand Slam wird auch das Olympiaturnier 2012 auf dem Rasen von Wimbledon ausgetragen.

          Zugleich ist die Chance, dort auf Kühe zu treffen, überraschend groß. Für die Eröffnungsfeier der Spiele wird das Olympia-Stadion nämlich in eine Wiese mit echten Tieren verwandelt. „Die Eröffnungsszene ist ein traditioneller und idyllischer Blick auf die britische Landschaft“, verriet der künstlerische Direktor der Spiele, Danny Boyle, diese Woche in London. Mitspielen werden Pferde, Ziegen, Hühner, Enten – und Kühe.

          Die Sportler haben keine Zeit

          Nur möglicherweise kaum Sportler. Weil die Eröffnungsfeier ungewöhnlich spät erst um 21 Uhr Ortszeit (22 Uhr MESZ) beginnt, bangen einige um ihren Schlafrhythmus. Mit dem Entzünden der Flamme ist nicht vor 23 Uhr London-Time zu rechnen. Die Athleten wären nach der Show frühestens gegen 1 Uhr morgens im Olympischen Dorf - viel zu spät für Sportler, deren Wettkämpfe am nächsten Tag beginnen. „Natürlich ist der späte Zeitpunkt Mist“, sagt der deutsche Athletensprecher Christian Breuer - und trifft damit genau das richtige Sprachbild.

          Danny Boyle, der als Filmregisseur schon die Goldmedaille gewonnen hat - den Oscar für die beste Regie bei „Slumdog Millionaire“- lässt sich aber weder Idee noch Zeitplan ausreden. „Die Feier ist der Versuch, uns als Nation darzustellen - woher wir kommen und wo wir sein wollen. Es ist ein grünes und idyllisches Land, wir sind darauf wirklich stolz.“

          Ob die Briten wirklich stolz sind auf das, was Boyle bei der Eröffnungsfeier zeigen will? Familien, die picknicken. Bauern, die den Acker bestellen. Und Tiere, die auf der Wiese grasen. Unter den Darstellern werden zwölf Pferde, zehn Hühner, zehn Enten, neun Gänse, zwei Ziegen, siebzig Schafe samt drei Schäferhunden sowie drei Kühe sein. Über die Nominierungsrichtlinien wurde nichts bekannt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.