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London Calling : In der Form ihres Lebens

Ein Fahnenmeer: Jubelstimmung in Großbritannien Bild: AFP

In 50 Tagen werden die Olympischen Spiele von London eröffnet. Der Publikumsliebling steht jetzt schon fest. Sie ist Pferdeliebhaberin und lässt Beachvolleyball im Vorgarten spielen.

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          Sie hat sich zum fünften Mal für die Olympischen Spiele qualifiziert. Und 36 Jahre nach ihrer ersten Teilnahme wird sie auch zum zweiten Mal antreten - mit 86! Respekt! Der Applaus der Massen wird ihr sicher sein, so viel steht schon jetzt, 50 Tage vor der Eröffnungsfeier, fest. Und es wird viel passieren müssen, damit ein einziger Sportstar bei den Spielen so viel Zuneigung erfahren wird, wie die eiserne Lady mit dem Faible für schnelle Pferde und bunte Hüte.

          Queen Elisabeth II. hat es auf ihre alten Tage noch zum Publikumsliebling gebracht: Selten stand eine Dame ihres Ranges besser da als sie derzeit. Noch nie wurde ein royales Fest so großartig und zugleich volksnah gefeiert wie ihr 60. Thronjubiläum in der vergangenen Woche. Darauf lässt sich aufbauen, hoffen die Olympia-Planer. Die Queen wird am 27. Juli 2012 die Spiele von London eröffnen. Auf dass ein bisschen Begeisterung auf Olympia abfallen wird.

          Denn nicht das vom Volk unterhaltene Königshaus steht derzeit in Großbritanniens öffentlicher Meinung schlecht da, sondern eher das Olympische Komitee. Dessen Gebahren kommt manchem wie das einer Besatzungsmacht vor. Was wiederum mit dem finanziellen Größenwahn der Spiele zusammen hängt. Während sich die Queen zuletzt in Zurückhaltung übte und sogar die Jubel-Flotte zu ihrem Diamant-Jubiläum von Sponsoren finanzieren ließ, musste der Steuerzahler für die olympischen Sportstätten die Kleinigkeit von elf Milliarden Euro hinblättern. Und das, obwohl das Olympia-Gremium genauso wenig demokratisch legitimiert ist wie das Königshaus.

          Doch im Gegensatz zum Hause Windsor regieren die Herren der Ringe noch absolut. Die sogenannte olympische Familie bestimmt, welches Bier in den Stadien getrunken wird und mit welcher Kreditkarte dafür bezahlt werden darf. Und während ganz London schon zu Normalzeiten über Verkehrskollaps und chronische U-Bahn-Überfüllung klagt, dürfen die Olympia-Statthalter auf gesperrten Fahrspuren durch Britanniens Hauptstadt schweben.

          Mit 86 Jahren in der Form ihres Lebens: Queen Elisabeth II. Bilderstrecke

          Jetzt ist die Queen auch nicht gerade dafür bekannt, dass sie U-Bhn fährt, aber andererseits sticht sie in Punkto Disziplin und Anpassungsfähigkeit immer noch heraus. Wer so stoisch und zugleich fröhlich wie sie bei acht Grad Celsius und Dauerregen eine vierstündige Parade ohne Schwächephase durchsteht, geht locker als Vorbild für die an Entbehrungen gewohnten Sportstars durch.

          Die Pferdeliebhaberin ist auf dem Zenit ihrer Beliebtheit angekommen, und ein bisschen Sportsgeist liegt ja auch in der Familie. Ihre Tochter, Prinzessin Anne, war 1971 Großbritanniens Sportlerin des Jahres und 1976 Olympia-Teilnehmerin im Vielseitigkeitsreiten. Und Lieblings-Enkelin Zara Phillips gewann 2005 die Europameisterschaft in der Vielseitigkeit. 2008 wäre sie bei Olympia in Peking geritten, hätte sie sich nicht kurz zuvor bei einem Sturz das Schlüsselbein gebrochen.

          Eröffnungsrede schon 1976 gehalten

          Für die Queen, in deren Vorgarten im Sommer das Beachvollleyball-Turnier stattfindet, wird London 2012 der zweite große olympische Auftritt  in ihrer Karriere als Königin sein. Bereits 1976 hatte sie in ihrer Eigenschaft als Staatsoberhaupt Kanadas die Spiele von Montreal eröffnet. Drei weitere Chancen ließ sie dagegen verstreichen, mal aus Formschwäche, mal aus familiären Gründen.

          Als Commonwealth-Chefin hätte sie auch in Sydney 2000 und Vancouver 2010 antreten können – doch sie ließ sich beide Male vom jeweiligen Generalgouverneur vertreten. Und 1956 in Melbourne schickte sie gar ihren Ehemann Prinz Philip vor. 1948, als die Spiele zuletzt in London durchgeführt wurden, war Elizabeth II. - man sollte es kaum glauben - noch nicht im Amt.

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