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London Calling : Gutes Englisch - aber schlechte Manieren?

Swimming London: Hände waschen nicht vergessen, Hände schütteln besser schon Bild: AFP

Olympia bietet das ideale Umfeld, um krank zu werden: Viel Stress, wenig Schlaf. Zu viele Menschen auf zu engem Raum. Aber dürfen die Briten deshalb ihre guten Umgangsformen vergessen?

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          Die besten Olympischen Spiele? Sind für die Offiziellen immer die aktuellen, man kennt das. In Wahrheit ist das natürlich Ansichtssache, und genau so wird das auch beim Vergleich zwischen Peking 2008 und London 2012 sein. Einen ersten Unterschied aber hat Frank Embacher, der Trainer des deutschen Schwimmstars Paul Biedermann, bereits am vergangenen Wochenende beim Testwettkampf in London auf den Punkt gebracht: „Das Englisch der Briten ist schon besser als das der Chinesen.“

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nicht nur das Englisch, finden manche. Perfekte Manieren, ausgesuchte Höflichkeit, tadellose Umgangsformen – all das gilt als so typisch britisch wie warmes Bier. So war die Verwunderung groß über den Vorstoß von Dr. Ian McCurdie, dem Chefmediziner der Britischen Olympia-Mannschaft. McCurdie gab für seine Athleten die Parole aus: Händeschütteln verboten – Höflichkeit hin oder her. Denn: Das Risiko, sich bei der Kontaktaufnahme Bakterien einzufangen, sei zu groß.

          Olympia, das heißt viele Menschen auf wenig Raum, das heißt lange Tage und wenig Schlaf, das heißt Stress und hohe körperliche Belastung. Mit anderen Worten: ein ideales Umfeld, um krank zu werden. Mit womöglich verheerenden Folgen für die Sport-Nation. „Bei Olympischen Spielen kann eine Krankheit oder auch nur das Gefühl, krank zu sein, die Leistung erheblich beeinflussen“, warnte McCurdie.

          Gefährdung des sportlichen Erfolgs: Bakterien an Händen
          Gefährdung des sportlichen Erfolgs: Bakterien an Händen : Bild: dpa

          Das war gut gemeint – aber etwas forsch formuliert. So waren die Reaktionen ebenfalls erheblich. Das Gesundheitsministerium teilte mit: „Es ist selbstverständlich, dass wir alle regelmäßig unsere Hände waschen sollten, um sie sauber zu halten und die Verbreitung von Bakterien zu verhindern, aber es gibt keinen Grund, warum die Leute sich bei den Olympischen Spielen nicht die Hände schütteln sollten.“

          Die 91 Jahre alte Dorothy Tyler-Odam, Silbermedaillengewinnerin im Hochsprung bei den Spielen 1948 in London, befürchtete: „Die meisten Leute werden denken: Die sind aber unfreundlich.“ Und die britische Etikette-Institution Debrett’s, eine Knigge-ähnliche Bastion für Sitte und Anstand, war zutiefst befremdet. „Das ist der normale englische Gruß“, stellte eine Debrett’s-Beraterin klar. „Es ist ein bisschen traurig, wenn Leute sich aus Hygiene-Gründen nicht mehr die Hände geben. Das ist nicht sehr gesellig.“ Höflich gesagt.

          Biedermann im London Aquatics Centre: Schnelles Wasser, kurze Wege
          Biedermann im London Aquatics Centre: Schnelles Wasser, kurze Wege : Bild: dapd

          Dabei spricht für den Mediziner McCurdie – rein medizinisch gesehen – so manches. Das zeigte jüngst auch wieder der Fall Paul Biedermann. Es ist nicht exakt überliefert, wie viele Hände der Doppel-Weltmeister von 2009 rund um den Testwettkampf in London geschüttelt hat – fest steht nur, dass der Schwimmer mit einer ausgewachsenen Erkältung zurückgekehrt ist.

          Immerhin brachte Biedermann aber auch eine Reihe positiver Eindrücke aus dem von Star-Architektin Zaha Hadid entworfenen London Aquatics Centre mit: das schnelle Wasser, die kurzen Wege, die gute Organisation. So machte das erste Kennenlernen Lust auf mehr: „Das wird ein richtiger Kracher bei Olympia“, sagte Biedermann. Vielleicht sogar ja auch aus sportlicher Sicht. Spätestens bei der Siegerehrung würde Paul Biedermann dann wohl auch ausdauerndes Händeschütteln gerne in Kauf nehmen.

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