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Lost in Translation (3) : Zelle des Sports

  • -Aktualisiert am

2,50 Meter hoch, etwa 2,30 Meter breit: So sieht sie aus, die Zelle des Sports Bild: Anno Hecker

Einmal live zugeschaut bei den Könnern in Tokio, schon zuckt der Leib. Corona sitzt im Nacken. Doch auch in der Zelle ist Sport möglich. Selbst wenn bei Liegestützen die Ellbogen an der Wand scheuern.

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          Kennen Sie das? Man schaut zu und fühlt die Lust, es auch zu probieren. Nicht unbedingt den Doppelsalto vom Balken, gehockt mit Schraube oder so. Es muss auch keine Rutschpartie auf dem Rollbrett über das Treppengeländer sein. Aber mal ein kleiner Lauf oder ein bisschen Pedalieren, den Kreislauf anregen, den Kopf befreien, die Seele entlasten.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Japaner haben dafür den Tag des Sports. Verpasst. Der war am Freitag, als die Spiele noch nicht eröffnet waren. Das lag trotzdem nahe. Keine Arbeit, keine Schule in den Stunden vor der Eröffnungsfeier, kein Verkehrschaos. Ob sie gesportelt haben, ist schwer zu sagen. Die Regierung glaubt nicht daran. Deshalb ja die Spiele. Die Jugend soll animiert werden, sich ein Leben lang zu bewegen, statt nur auf Bildschirme zu glotzen.

          Gold aus Pappe

          Wer es nicht glaubt, sollte hinschauen, wo eigentlich nichts zu sehen sein sollte. Auf die Zuschauerplätze. Wo es erlaubt ist, in Präfekturen außerhalb Tokios, marschieren Schulklassen in Reihe geschlossen auf. Früher war das anders. Sagen wir 1976. Da schwärmte die strenge Deutschlehrerin in der Nähe Kölns, klein, Dutt, energisch, von Annegret Richter und Inge Helten. Sprinterinnen, Silber und Bronze. Sommerspiele in Montreal. Ein gewaltiges Verlustgeschäft. Später behaupteten Spötter mit schwarzem Humor, die riesigen Fische im Sankt-Lorenz-Strom hätten zu sehr von versenkten Anabolika-Ladungen genascht.

          Das Röhrenfernseher-Monstrum bot die gleiche Tiefe wie der Flachbildschirm heute. Alles glänzte in der Nacht. Und am Tag wurde es nachgespielt. Im Garten. Rennen, springen, mit dem Stab übers Beet und, klar, neue Sportarten: Schaukel-Weitsprung. Also von der Schaukel, nicht am höchsten Punkt (!), abspringen. Weite messen. Erster. Gold aus Pappe mit Hanfkordel.

          Schon zuckt der Leib

          Der Disziplindritte mimte den Funktionär bei der feierlichen Zeremonie auf dem Gartenmäuerchen. Ging nicht anders bei dreien. Schaukelweitsprung hat es leider nicht ins Programm geschafft. Schade. Wer weiß, was draus geworden wäre. Geblieben ist der pawlowsche Effekt: Einmal live zugeschaut bei den Könnern im Hockey, Basketball, Kanuslalom, Radrennfahren, schon zuckt der Leib. Sollte doch in Tokio ein Leichtes sein. Sportstätten, wohin das Auge reicht.

          Ein Fitnesscenter um die Ecke. Aber Corona im Nacken. 14 Tage Blasenvorschrift. Hotel, Olympiabus, Sportstätte und zurück. Bleibt das Zimmer als Bewegungsort. 2,50 Meter hoch, etwa 2,30 breit an der breitesten Stelle. Sage keiner, in der Zelle sei Sport nicht möglich, nur weil bei Liegestützen die Ellbogen an der Wand scheuern. Von den fünf Hauptbeanspruchungsformen des Sports sind drei regelmäßig gefragt: Flexibilität, Koordination und, ja, Ausdauer – um ins Bett und wieder raus zu kommen.

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