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Schwimmerin Therese Alshammar : „Es ist hart, im Sport jung und erfolgreich zu sein“

  • Aktualisiert am

Therese Alshammar hat noch längst nicht genug vom Schwimmsport Bild: dpa

Rund 70 internationale Medaillen gewann Therese Alshammar schon. Olympisches Gold aber fehlt der Schwimmerin noch. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über ihre Zeit in Deutschland, ihre Tattoos und die Spiele in London.

          Therese Alshammar musste sich mit zehn Jahren entscheiden, ob sie Leichtathletin, Balletttänzerin oder Schwimmerin werden wollte. Die Schwedin hat sich für den Schwimmsport entschieden - und denkt auch 24 Jahre und rund 70 internationale Medaillen später nicht ans Aufhören.

          Sie werden im August 35 Jahre alt. Viele Ihrer ehemaligen Konkurrentinnen haben längst aufgehört, die Mädchen neben Ihnen auf dem Podium sind häufig mehr als zehn Jahre jünger als Sie. Fühlen Sie sich manchmal alt, wenn Sie durch die Schwimmhalle laufen?

          Nein, nicht wirklich. Natürlich ist es auf dem Papier eine lange Zeit. Aber es gab so viele Veränderungen in meiner Karriere, so viele Höhe- und Tiefpunkte, dass mir das gar nicht so lange vorkommt. Ich bin älter, ja, aber ich fühle mich nicht alt. Ich bin jetzt richtig glücklich mit meinem Sport. Das war ich nicht immer.

          Können Sie das näher erklären?

          Nun ja, ich glaube, meine Zeit in Deutschland war kurzfristig gesehen vermutlich das Beste, was meiner Karriere passieren konnte. Als ich zu Dirk Lange gekommen bin und ein Jahr Vollzeit trainiert habe, bin ich richtig schnell geworden. Das war phantastisch für mich als Schwimmer. Aber als Mensch war es für mich nicht wirklich die beste Zusammenarbeit. Ich liebe die Idee eines Profi-Teams, in dem alle dasselbe Umfeld haben, aber wir hatten keine gute Atmosphäre. Es ging so viel mehr um die Resultate, als darum, die Reise zu genießen und Spaß dabei zu haben. Ich habe keine Probleme mehr mit Dirk, und wir reden auch miteinander, aber er hat keine guten Menschen geformt. Er formt gute Schwimmer, aber es gibt eben viel mehr im Leben, als ein guter Schwimmer zu sein.

          Wie ging es nach Ihrer Deutschland-Episode weiter?

          Nachdem es bei Dirk und mir gekracht hat, habe ich keinen Spaß mehr am Schwimmen gehabt. In den zwei Jahren danach habe ich nicht mehr viel trainiert, war vermutlich auch zu stur, wollte nicht wieder zu einem Trainer und habe dann gesagt: Okay, ich trainiere mich selbst und mache das, wonach mir ist.

          Aber das war auch nicht der richtige Weg.

          Nein. Das war hart. Es gibt nur wenige Schwimmer, die sich selbst coachen können, vor allem, wenn man Mitte zwanzig ist und kaum Erfahrung hat. Und doch habe ich wirklich lange gebraucht, um einen Coach zu finden, dem ich vertrauen konnte und mit dem ich arbeiten möchte. Dann habe ich 2004 Johan Wallberg getroffen.

          Was waren die Unterschiede zwischen den beiden Trainern?

          Dirks Einstellung ging mehr so: Du trainierst hart, du musst das machen und das, ein Sprinter verliert nie und so weiter. Das ist mental einfach wirklich hart. Johans Weg ist eher: Wir arbeiten hart, aber wir machen das Training interessant, so dass es eine gute Herausforderung ist, und dann bist du auch bereit, schnell zu schwimmen. Diese Herangehensweise ist viel eher mein Ding. Johan und ich haben zwar auch ein paar Jahre gebraucht. Ich hatte lange Zeit Probleme, nach Dirk wieder jemandem zu vertrauen. Aber die letzten vier Jahre waren wirklich gut. Und ich bin sehr glücklich mit dem, was ich lerne. Als Schwimmer und als Mensch.

          Das klingt, als hätten Sie damals kurz davor gestanden, aufzugeben.

          Nein, daran habe ich nie gedacht. Eigentlich komisch, denn vielleicht hätte ich daran denken sollen, aber das ist mir nie in den Sinn gekommen.

          Sie haben zwei Tattoos auf dem Rücken: Diva und Copyright. Welche Bedeutung haben diese Schriftzüge für Sie?

          Sie bedeuten, dass ich mal sehr jung war. Ich war damals 17, jetzt bedeuten sie nicht mehr viel für mich. Ich bin froh, dass sie auf meinem Rücken sind und ich sie nicht sehen muss. Ich bereue es nicht, aber ich würde es auch nicht noch mal machen.

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