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Schwimmen : Französische One-Man-Show

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Eine Medaille verpasst: Biedermann im olympischen 200-Meter-Freistil-Rennen Bild: dpa

Paul Biedermann schwimmt über die 200 Meter Freistil auf Rang fünf. Beim Sieg des Franzosen Yannick Agnel erreicht der Deutsche eine respektable Zeit. Von der absoluten Weltspitze ist er aber weit weg.

          Dass es nicht zu einer Medaille reichen würde, hatte sich angedeutet. Rang fünf war es am Ende für Paul Biedermann über 200 Meter Freistil. Denselben Platz hatte der Weltrekordler schon in Peking erreicht. Neuer Olympiasieger über diese Distanz ist nach einem von ihm souverän und teils weitem Vorsprung geschwommenen Lauf der Franzose Yannick Agnel. Als der Franzose sich außerhalb des Beckens eine Frankreich-Fahne um die Schultern legte und Sieger-Interviews gab, zog sich der deutsche Top-Schwimmer nach seinem fünften Platz zügig in die Arena-Gänge zurück.

          1:45,53 Minuten standen über 200 Meter Freistil für Biedermann zu Buche, das war 0,7 Sekunden zu langsam für Edelmetall. Der Weltjahresbeste Agnel schwamm in 1:43,14 Minuten weit voraus, hinter ihm schlugen der Chinese Sun Yang und Weltmeister Park Tae-Hwan aus Südkorea nach 1:44,83 Minuten zeitgleich an. „Das war ein absoluter Hochkaräter. Für den Moment war es ganz gut“, sagte Biedermann. Er fragte sich aber auch schnell, „ob das alles war, was ich drin hatte“. Während Freundin Britta Steffen ihrem Paul auf der Tribüne applaudierte, lobte Biedermann selbst den nun zweimaligen London-Olympiasieger Agnel. „Vor Yannick kann man nur den Hut ziehen, was er leistet“, meinte Biedermann. Der Franzose feierte indes vor den Augen seines Staatspräsident Francois Hollande frenetisch. Jubeln durfte auch Missy Franklin (USA) nach dem Sieg über 100 Meter Rücken in 58,33 Sekunden. Bei den Männern siegte Matthew Grevers (USA) mit olympischem Rekord von 52,16. Helge Meeuw (Magedburg) belegte in 53,48 Sekunden den sechsten Platz. „Das war ein wunderschönes Finale, ich habe es tatsächlich genossen und mich so teuer wie möglich verkauft“, sagte Meeuw nach dem Lauf.

          Biedermann verpasste die erste deutsche Olympia-Medaille über 200 Meter Freistil seit 1984. Bei den Spielen in Los Angeles hatten Michael Groß Gold und Thomas Fahrner Bronze geholt. Aber nach dem enttäuschenden Vorlauf-Aus über 400 Meter Freistil meldete sich der Deutsche respektabel zurück. Wie in Peking hieß es am Ende Platz fünf - eigentlich wollte der Athlet aus Halle/Saale in London besser als vor vier Jahren abschneiden. Die Staffel über 4 x 200 Meter Freistil an diesem Dienstag steht noch aus. Und dort wird ein starker Startschwimmer Biedermann gebraucht. „Man kommt nicht zur Ruhe - aber was soll’s“, erklärte der WM-Dritte. Auch wenn es nicht ganz zu einer Medaille reichte - Biedermann zeigte in London Comeback-Qualitäten. „Sich nach einer persönlichen Niederlage einen Tag später wieder so zu präsentieren, ist erstmal eine sehr große Stärke“, lobte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow. Biedermann habe sich nach dem Vorlauf-Aus über 400 Meter mit dem Finaleinzug über 200 Meter „super gefangen“. Dass Biedermann überhaupt wieder in das Endlauf-Geschehen eingreifen konnte, hatte er laut DSV-Verantwortlichen auch ein stückweit Trainer-Sohn Toni Embacher zu verdanken. Denn der 24-Jährige hatte vor dem Fernseher etwas am Bewegungsablauf bei Biedermanns Beinschlag aufgefallen. „Paul hat erst einmal nicht daran geglaubt, dass man das an so einer Kleinigkeit festmachen kann“, schilderte Trainer Frank Embacher. „Danke an meinen Sohn, der das gesehen hat.“ Staffel-Europameisterin Silke Lippok musste am Montagabend die Hoffnung auf eine olympische Final-Teilnahme über 200 Meter Freistil abhaken. 1:58,24 Minuten bedeuteten Rang 13 und waren zu langsam für den Endlauf an diesem Dienstag. Am schnellsten war die Australierin Bronte Barratt (1:56,08) geschwommen.
           

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