https://www.faz.net/-gtl-8k9zl

Rudern : Doppelgold für Doppelvierer

  • -Aktualisiert am

Als Olympiasiegerinnen grüßen: Ann-Katrin Thiele, Carina Bär, Julia Lier und Lisa Schmidla Bild: Reuters

Zwei Siege innerhalb von fünfzehn Minuten – die deutschen Ruderer eilen von Erfolg zu Erfolg. Der Weg dorthin aber hätte unterschiedlicher kaum sein können.

          Er hat es wieder getan. Als der deutsche Doppelvierer der Männer im Ziel war, nach 2000 Metern Kampf, und er war wieder Olympiasieger, genau wie vor vier Jahren in London, da stellte sich Lauritz Schoof, der Mann auf Position drei, aufs Boot und reckte die Arme in die Luft. Wie ein Kraftprotz stand er da, präsentierte seine Muskeln und signalisierte den geschlagenen Australiern noch einmal, dass ihr Versuch, sie auf den letzten 500 Metern noch niederzuzwingen, von Anfang an vergeblich gewesen war. Keiner konnte dem deutschen Doppelvierer in diesem Rennen widerstehen, es war ein klassischer Start-Ziel-Sieg auf dem bewegten Wasser der Lagoa de Freitas.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Ob Schoofs Blick, als er auf dem kippligen Boot stand und versuchte, die Balance zu halten, dabei auf Christus den Erlöser gefallen ist, der auf dem Felsen gegenüber seine steinernen Arme ausbreitet? Der hat in Rio de Janeiro wahrscheinlich wichtigeres zu tun, als dem Deutschen Ruderverband oder dem Deutschen Olympischen Sportbund aus ihrem brasilianischen Medaillentief zu helfen.

          Kraftprotz Lauritz Schoof zeigt an: Olympiasieger ist Deutschland!

          Und doch: Innerhalb einer knappen Viertelstunde kam die zweite Goldmedaille hinzu. Der Doppelvierer der Frauen mit Schlagfrau Lisa Schmidla machte es den Männern nach, aber erst zum Schluss. Das Rennen war schwer für die vier Frauen, hinter Schmidla kämpften Julia Lier, Carina Bär und Annekatrin Thiele. Das polnische Boot war von Anfang an in Führung gegangen und schien weit entrückt, doch die Deutschen behielten die Nerven, arbeiteten sich Stück für Stück nach vorne, hielten auch die von hinten aufrückenden Niederländerinnen in Schach, und warteten nicht vergeblich darauf, dass die Kräfte der Konkurrenz nachließen.

          Etwa 250 Meter vor dem Ziel war es dann so weit. Die deutschen Frauen erhöhten die Schlagzahl und schoben sich an die Spitze. Michael Vesper, der Chef de Mission des deutschen Olympiateams, war nicht vergeblich an die Regattastrecke geeilt. Strahlend und mit zweimal Gold kehrte er zurück. Am Samstag, beim Achterrennen, könnte sogar noch ein drittes Gold hinzu kommen.

          Verdiente Sieger: Hans Gruhne, Karl Schulze, Lauritz Schoof und Philipp Wende (v.l.)

          So gleichförmig das Ergebnis, so unterschiedlich war für beide Boote der Weg dorthin. Der Frauen-Doppelvierer hatte bereits seinen Vorlauf gewonnen und konnte sich ganz ungestört auf das Finale vorbereiten. Die gesparten Kräfte brauchten die Ruderinnen aber auch. „Wir wussten, dass wir nach hinten heraus stark sind, und sind cool geblieben“, sagte Julia Lier. Genau so hatten sie es sich vorgenommen. Wie schnell und kräftezehrend dieses Rennen in der klassischen deutschen Erfolgs-Bootsklasse war, zeigte das Schicksal der Polinnen, die noch auf Platz drei hinter die Niederlande zurückfielen.

          Die Männer mit dem erst jüngst zur Verstärkung in Boot geholten Schlagmann Hans Gruhne, dazu Karl Schulze, Lauritz Schoof und Philipp Wende, hatten sich schwerer getan auf dem Weg ins Finale und einen Umweg über den Hoffnungslauf nehmen müssen. Um so kraftvoller war dann ihr Endlauf. „Wir wollten eine Medaille, unglaublich, dass es Gold geworden ist“, sagte Gruhne. Als Schoof schon wieder saß, hatte er es ihm im Ziel nachgetan, hatte sich ins Boot gestellt und sein Ruder präsentiert. Es war fast ein bisschen zu viel Stress für die Mannschaft gewesen, zumal ihr Finallauf kurzfristig wegen schlechten Wetters um einen Tag verschoben worden war.

          Als das Rennen vorüber war und er am Steg stand, fühlte Gruhne eine „unglaubliche Befreiung“. Und dann: „Irgendetwas zwischen Freude und Leere.“ Nach einer unklaren Erkrankung hatte er lange pausieren müssen und war erst nach der Europameisterschaft in Brandenburg ins Boot zurückgekehrt, bei der der Vierer einen enttäuschenden vierten Platz belegt hatte.

          Deutschland-Achter in guter Ausgangslage

          Am Rand der malerisch gelegenen, aber extrem windanfälligen Regattastrecke zeigten sich auch die Achter-Ruderer in bester Stimmung, zumal die Vierer den Erwartungsdruck zumindest von außen etwas abgemildert haben dürften. „Wir freuen uns auf das Rennen“, sagte Schlagmann Hannes Ocik, der zusammen mit der Mannschaft den Hoffnungslauf der Konkurrenz beobachtete. Genau wie die Erzrivalen aus Großbritannien hatte der Deutschland-Achter den Vorlauf am Montag gewonnen und sich direkt für das Finale qualifiziert, und so blieb ihnen der wetterbedingte Kraftverlust erspart. „Das haben wir uns erarbeitet“, sagte Ocik zufrieden. Und sein Kollege Erik Johannesen ergänzte: „Wir wussten, dass die Bedingungen hier schwierig sein würden und hatten uns schon deshalb vorgenommen, den Vorlauf zu gewinnen.“

          Zweimal war auch der Start des Achter-Hoffnungslaufs wegen starken Windes verschoben worden, vom Mittwochvormittag zunächst auf den Nachmittag, danach auf Donnerstag. „Das ist ein kleiner Vorteil für uns“, sagte Bundestrainer Ralf Holtmeyer. „Die Anspannung ist vor einem Rennen natürlich hoch, sie bereiten sich mental darauf vor. Und heute wieder die Anspannung. Ich kann mir aber vorstellen dass sie das von sich wegschieben können.“ Viel Aufwand jedenfalls dafür, dass am Ende nur ein Achter ausschied: Italien. Den Hoffnungslauf gewannen die Amerikaner vor den Niederlanden, die nach ihrem Luzern-Sieg eigentlich als stärker angesehen wurden. Oder pokerten sie? Das wird die Welt erst an diesem Samstag erfahren, wenn der große Endkampf steigt: Neben Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten sind noch Neuseeland und Polen dabei. „Ich würde hier niemanden abschreiben“, sagte Johannesen.

          Weitere Themen

          Die Erfolge des Niki Lauda Video-Seite öffnen

          Formel-1-Legende gestorben : Die Erfolge des Niki Lauda

          Der Österreicher Niki Lauda feierte in der Formel 1 große Erfolge und ließ sich auch von Unfällen und Verletzungen nicht unter kriegen. Die rote Kappe wurde zu seinem Markenzeichen. Mit 70 Jahren ist er nun im Kreis der Familie verstorben.

          Mehlhaufen mit Mehrwert

          Junger Wetterforscher : Mehlhaufen mit Mehrwert

          Tüfteln macht ihm noch mehr Freude, seitdem er Preise einheimst. Abiturient Max will Wettervorhersagen präzisieren. Auslöser war ein Unwetter in der Eifel.

          Die Erfolge des Niki Lauda Video-Seite öffnen

          Tod einer Formel-1-Legende : Die Erfolge des Niki Lauda

          Der Österreicher Niki Lauda feierte in der Formel 1 große Erfolge und ließ sich auch von Unfällen und Verletzungen nicht unter kriegen. Die rote Kappe wurde zu seinem Markenzeichen. Mit 70 Jahren ist er nun im Kreis der Familie verstorben.

          Topmeldungen

          In der Welt der Laser: Trumpf liefert eine Schlüsseltechnologie für die Chip-Herstellung durch ASML.

          An den Grenzen der Physik : Trumpf und Zeiss bauen am Superchip

          Das große Geschäft der Mikrochips boomt. Jetzt stoßen die schwäbischen Unternehmen mit dem niederländischen Spezialmaschinenbauer ASML an die Grenzen der Physik vor. Geht es noch schneller, größer und kleiner?

          Ibiza-Video : Anwalt soll Drahtzieher der Strache-Falle sein

          Ein selbst ernannter Spionage-Fachmann behauptet im österreichischen Fernsehen, er wisse, wer die Hintermänner des „Ibiza-Videos“ sind. Er habe auf dem Video einen ehemaligen Geschäftspartner aus München erkannt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.