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Olympiasieg für Qian Yang : Das erste Bild mit Gold liefert eine Chinesin

Mit Gold, Maske und Blumen: Qian Yang holt den Olympiasieg im Schießen mit dem Luftgewehr. Bild: Reuters

Die erste Olympia-Entscheidung ist sehr spannend. Qian Yang gewinnt im Showdown mit dem Luftgewehr. Thomas Bach muss Gold nicht gleich an eine Athletin das Russian Olympic Committee übergeben.

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          Auf der Tribüne der Asaka Shooting Range springt ein Reporter aus China aus seinem Sitz. Er filmt mit seinem Handy den Schießstand, wo Qian Yang ihr Gewehr noch an der Schulter hält. Auf dem Bildschirm über ihr leuchtet eine kleine Zahl auf. Und wenn man nicht die Augen zusammenkneifen will, kann man auch schauen, was der Reporter macht. Eine nicht so hohe Zahl kritzelt er schnell auf seinen Statistikzettel. Eine hohe Zahl feiert er mit einer Geste oder einem Geräusch. Und nun springt er sogar auf.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Es ist Samstagmorgen in Tokio, die erste Medaillenentscheidung Olympischen Spiele. Frauen, Luftgewehr, zehn Meter. Kein Kracher, aber spannend, sehr sogar. Das hat mit dem Modus zu tun. Im Finale schießen acht Frauen, Runde für Runde scheidet eine aus. Am Ende sind nur noch zwei übrig: Anastasiia Galaschina aus Russland und Qian Yang aus China. Vor dem letzten Schuss führt Galaschina mit nur 0,1 Punkten Vorsprung: 231,4 zu 231,3.

          Auf dem Bildschirm läuft ein Countdown. 50 Sekunden, so lange haben sie für den finalen Schuss. Showdown. Galaschina drückt zuerst ab. 8,9. „Ohh“, ruft der Reporter. Das ist wenig, zu wenig. Sie fasst sich mit der Hand ins Gesicht, weil sie weiß, dass diese Zahl nicht reichen wird. Alles unter zehn Punkten ist auf diesem Niveau schon dürftig, aber unter neun, das kommt selten vor. Dann schießt Qian. Nicht gut, aber ausreichend. 9,8. Der Reporter springt auf.

          Als sich Qian unten am Schießstand fotografieren lässt, verlässt ein Mann oben auf der Tribüne seinen Platz. Es ist Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Am Abend davor hat er in seiner Eröffnungsrede im fast leeren Olympiastadion von Tokio gesagt, dass die Spiele der Welt Hoffnung machen können. Doch wer lässt sich von ihm Hoffnung machen? Die Menschen in Tokio, wo die Zahl der Covid-19-Neuinfketionen seit Tagen steigt, wohl nicht.

          Jetzt kommt aber die Zeit, auf die sich Bach in Krisensituationen eigentlich immer verlassen. Auf die Zeit der Bilder. Am Samstagmorgen sind es die von Qian Yang 21 Jahre alt, Studentin aus Peking. Sie verbeugt sich vor der Tribüne, wo ein paar Funktionäre und Freiwillige sitzen und klatschen für eine junge Frau, sich gerade vermutlich einen Lebenstraum erfüllt. Ein paar Minuten später wird ihr dann die Goldmedaille vom Präsidenten übergeben.

          Vielleicht war nicht nur der Reporter aus China, sondern auch Bach über den Fehschluss von Anastasiia Galaschina erleichtert. Er muss die erste Goldmedaille dieser Sommerspiele nicht an eine Athletin aus dem sogenannten Russian Olympic Committee überreichen. Unter diesem Namen (und unter anderer Flagge) müssen die russischen Sportler wegen der Manipulation von Doping-Daten in ihrem Heimatland antreten. Als Team, nicht als Nation.

          Den Kritikern reicht das nicht. Sie werfen vor allem Bach vor, im Fall Russland nicht streng genug zu sein. Was sie meinen, sieht man an Galaschina. Sie trägt einen weiß-blau-roten Trainingsanzug. Das sind die Farben der russischen Nation. Die Goldmedaille, Thomas Bach und Anastasiia Galaschina in einem weiß-blau-roten Outfit. Das wäre wirklich ein Bild gewesen.

          Reitz Olympia-Fünfter mit der Luftpistole

          Sportschütze Christian Reitz hat in Tokio die erste Medaille für das deutsche Olympia-Team knapp verpasst. Der Schnellfeuer-Olympiasieger von Rio kam am Samstag mit der Luftpistole über die Zehn-Meter-Distanz auf Platz fünf und schaffte somit ein gelungenes Warmup für die geplante Gold-Mission in seiner Paradedisziplin. In seiner Zweitdisziplin Luftpistole verblüffte Reitz, doch mit der Medaillen-Entscheidung hatte er am Ende nichts mehr zu tun. Gold ging an den Iraner Java Foroughi, Silber an den Serben Damir Mikec, Bronze holte der Chinese Wei Pang.

          Eigentlich hatte sich Reitz gar keinen Quotenplatz für den Luftpistolen-Wettbewerb erkämpft, durfte nur als Doppelstarter ran, weil er so stark mit der Schnellfeuerpistole ist. Der 34 Jahre alte Polizeioberkommissar aus Regensburg, der für den SV Kriftel an den Start geht, gilt als einer der Favoriten in diesem Wettbewerb – am 2. August geht es in seiner Spezialdisziplin um die Medaillen.

          Zuvor bietet sich für Reitz im neuen olympischen Mixed-Wettbewerb Luftpistole zusammen mit Carina Wimmer (SV Kelheim Gmünd) noch eine weitere Medaillen-Chance. Bei den Europaspielen 2019 in Minsk holte er zuletzt mit seiner Ehefrau Sandra im Mixed-Team Luftpistolen-Bronze. Auf der Asaka Shooting Range hatte Reitz in der Qualifikation gelassen wie immer sein Programm abgespult. Mit 584 Ringen war er als Dritter des 48-köpfigen Feldes weitergekommen, im Finale der besten Acht verabschiedete er sich im Ausscheidungswettkampf dann als Fünfter. (dpa)

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