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Phelps gegen Lochte : Showdown im Pool

Auf gleicher Höhe: Gleich am ersten Olympiatag kommt es zum großen Duell Bild: dpa

Die Amerikaner Michael Phelps und Ryan Lochte sind Freunde und Rivalen. Über 400 Meter Lagen kommt es an diesem Samstag zum ersten Duell der Super-Schwimmer - und zum Wachwechsel?

          Bob Bowman ist Schwimmtrainer. Obwohl das eigentlich schon eine Untertreibung ist. Bob Bowman ist der Trainer des erfolgreichsten Schwimmers, den dieser Sport je erlebt hat, der Trainer von Michael Phelps. Seit fünfzehn Jahren. Für Phelps ist er in dieser Zeit zu einer Art Vaterfigur geworden. Bowman ist ein Mann, der bei öffentlichen Auftritten gerne feinsinnig lächelt und gestochen scharf formuliert, er liebt klassische Musik, einer seiner großen Helden ist Leonard Bernstein.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Früher, da habe er immer die New Yorker Philharmoniker dirigieren wollen, erzählte er mal Phelps’ Mutter Debbie: „Das war mein Ziel. Bis dein Kind das für mich ruiniert hat.“ In diesen Tagen treten Bowman und Phelps in London auf. Es sind die letzten Olympischen Spiele des Superstars, sie werden der Schlusspunkt einer einzigartigen Karriere sein und, wenn es nach Bowman und Phelps geht, auch ihr letztes Ausrufezeichen.

          Wie so oft, wenn es um den 14-maligen Olympiasieger geht, folgt der Abschied des „Aquaman“ einer perfekten Dramaturgie. Von Anfang an. An diesem Samstag trifft Phelps in seinem ersten Rennen in London, den 400 Meter Lagen (Finale um 20.30 Uhr / Live im Olympia-Ticker bei FAZ.NET), auf seinen großen Rivalen Ryan Lochte - den Mann, der ihn bei der WM 2011 in den Schatten gestellt hat, der sich dort den ersten Langbahn-Weltrekord seit dem Verbot der Hightech-Anzüge geschnappt hat und der Phelps erst vor kurzem wieder bei der amerikanischen Olympia-Qualifikation über ebendiese Strecke geschlagen hat. In seinem Vorlauf wurde Phelps an diesem Samstagmorgen in 4:13,40 Minuten Achter - und erreichte das Finale nur knapp. Lochte glänzte als Vorlauf-Dritter ebenfalls nicht. Doch im Finale dürften die Amerikaner ihre wahre Stärke zeigen.

          Dieser Auftakt bringt selbst einen, der so viel erlebt hat wie Bowman, ins Schwärmen. „Es gibt keine bessere Möglichkeit, den Schwimmsport nach vorne zu bringen, als dieses Rennen“, sagt er. „Es ist der Traum eines jeden Trainers.“

          Phelps wollte die 400 Meter Lagen nie mehr schwimmen

          Die 400 Meter Lagen, das ist eine Art Zehnkampf des Schwimmsports. Sie verlangen den kompletten Schwimmtyp, einen Athleten, der die Lagen Schmetterling, Rücken, Brust und Freistil beherrscht. Es ist zudem auch eines der härtesten Rennen im Schwimmsport. Phelps sagte nach seinen Gold-Spielen in Peking wiederholt, er werde diese Strecke nie wieder schwimmen.

          Es ist kein Geheimnis, dass Bowman das schon damals nicht so gerne hörte, er findet, Phelps sei mit seinem überragenden Talent wie geschaffen für diese Strecke, es sei der ideale Wettbewerb für ihn, neben den 200 Meter Schmetterling, auf denen er 2001 seinen ersten Weltrekord geschwommen war, mit 15 Jahren.

          Freunde und Rivalen: Im Becken gilt es für Beide den anderen zu schlagen

          Die 400 Meter Lagen, sagt Bowman, wirkten bei Phelps „wie ein Katalysator: Wenn sie laufen, läuft alles andere auch.“ Dass Phelps in London tatsächlich zu seiner alten Hassliebe zurückkehren würde, stand endgültig erst bei den amerikanischen Trials fest. Fragt man ihn, warum er das getan hat, bleibt Phelps erstaunlich vage. „Sie waren so lange Teil meines Programms“, sagt er, irgendwie gehörten sie zu ihm, zudem hätten ihm viele zu dieser Rückkehr geraten.

          Vielleicht aber hatte die Entscheidung auch ganz andere Gründe. Denn an diesem Samstag kann der vieldekorierte Phelps dem Schwimmsport den nächsten Rekord hinterlassen: Gewinnt er Gold, wäre er der erste männliche Schwimmer, der auf der gleichen Strecke dreimal in Folge Olympiasieger ist.

          „Ich wusste, ich kann schneller schwimmen“

          Nur ist da eben dieser Ryan Lochte. „Ich kämpfe hier nicht um Silber und Bronze, ich kämpfe um Gold“, sagt er. Auch Lochte war bei den Spielen in Peking sehr erfolgreich, er gewann zweimal Gold und zweimal Bronze, schwamm einen Weltrekord über 200 Meter Rücken. Und doch redeten alle nur über Phelps und dessen acht Goldmedaillen. Für Lochte war das okay, Phelps hatte es weiß Gott verdient. Nicht okay aber war für ihn, dass er selbst über die Jahre so viele zweite und dritte Plätze angesammelt hatte. „Ich habe nach Peking einen Vierjahresplan aufgestellt“, sagt Lochte, „ich wusste, ich kann schneller schwimmen.“

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