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Olympischer Fackellauf : Stiller Auftakt in Japan

Fackelläufer Hiroyuki Kamakura mit olympischer Flamme: Kaum Menschen an der Strecke, Stimmung zurückhaltend. Bild: AFP

Das Leitmotiv dieser Olympischen Spiele ist mit dem Start des Fackellaufs zu seinem Ursprung zurückkehrt: Spiele des Wiederaufbaus. Das Fehlen des Ministerpräsidenten irritiert allerdings.

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          Der Film zu den Olympischen Spielen 1964 in Tokio zeigt einen Fackellauf, der Vergnügen bereitet. Massen von Menschen versuchen, einen Blick auf die Läufer zu erhaschen, die sich teils mühsam den Weg durch die Menge bahnen. Wer diese Bilder kennt, konnte beim Auftakt des Fackellaufs zu den Olympischen Spielen in Tokio in diesem Sommer nur erschrecken.

          Wenige Menschen standen an der Strecke und die Stimmung war zurückhaltend. Wer es vornehm formulieren will, spricht von einem stillen Auftakt. Das liegt nicht nur an den strengen Anti-Corona-Regeln, sondern auch an den Interessen der Sponsoren, die den Fackellauf zu einem großen Werbespektakel haben verkommen lassen. Und es liegt auch an den Negativschlagzeilen, die das Organisationskomitee zuletzt provozierte.

          Eine glückliche Fügung ist deswegen, dass mit dem Beginn des olympischen Fackellaufs in Fukushima das Leitmotiv der Spiele wieder zum Ursprung zurückkehrt. Nach den Skandalen und Rücktritten der vergangenen Wochen schienen die Spiele unter der neuen Präsidentin Seiko Hashimoto überwiegend zum Kampfmittel für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu mutieren.

          In den Monaten zuvor war das Sportfest auch in der Kommunikation des Internationalen Olympischen Komitees nur noch ein Hoffnungssymbol, dass die Menschheit das Coronavirus besiegt hat oder besiegen wird. Jetzt aber geht es zumindest für kurze Zeit wieder wie ursprünglich geplant um die Wiederaufbauspiele. Zehn Jahre nach den Schrecken des Erdbebens, des Tsunamis und der Atomkatastrophe in Fukushima Daiichi sollen die Spiele von Erfolgen im Nordosten Japans verkünden.

          Man mag das wie manche, nicht wie alle Japaner als politischen Zynismus verurteilen. Wahr aber ist auch, dass die Spiele im Gegensatz zu den Skandalen und Covid-Ängsten so wieder eine positive Botschaft erhalten. Das ist nötig, damit das Image der Spiele nicht weiter Schaden nimmt und sich die Begeisterung im Lande entfachen kann.

          Umso mehr irritiert, dass beim feierlichen Auftakt einer fehlte: Ministerpräsident Yoshihide Suga. Seinem Vorgänger, Shinzo Abe, der sich mit Macht und Eifer für die Spiele eingesetzt hatte, wäre dieser Fehltritt nicht passiert. Der kolportierte Grund, Suga habe Corona-Infektionsrisiken minimieren wollen, zieht nicht. Dann hätten auch die Gouverneurin von Tokio, die Olympiaministerin oder der Gouverneur von Fukushima nicht anreisen dürfen. So lässt sich nur vermuten, dass der politisch angeschlagene Suga es nicht mehr für opportun hält, seinen Namen zu sehr mit den Olympischen Spielen zu verknüpfen. Das allerdings wäre für die Spiele ein gefährlicheres Signal als der stille Auftakt des Fackellaufs.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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