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Olympische Spiele : Lava und London als Retter

Haltung kommt vor dem Erfolg: Das olympische Motto schwarz auf weiß Bild: Omega 2012

Zum dritten Mal schon kommt Olympia nach London. Die Spiele haben den Briten viel zu verdanken: Vor langer Zeit, 1908 und 1948, sorgten sie für denkwürdige Veranstaltungen und Anekdoten.

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          Feuer und Lava haben die Olympischen Spiele gerettet. Der Ausbruch des Vesuv und die Zerstörung Neapels 1906 trieben Rom zum Rückzug und brachten London ins Spiel. Die Briten sorgten 1908, auch unfreiwillig, dafür, dass ein breites Publikum Feuer und Flamme fing für Olympia. Die Spiele waren gefährdet gewesen; nicht durch nutzlose Prestigebauten, Korruption und Doping. Es interessierte sich einfach niemand für sie.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Das änderte sich, als London das Anhängsel der Weltausstellungen von Paris 1900 und St. Louis 1904 in ein eigenständiges Ereignis verwandelte. Der Italiener Dorando Pietri sorgte für eine unsterbliche Erinnerung, als er, führend im Marathon, vor dem Ziel und vor 80 000 entsetzten Zuschauern zusammenbrach. Das Foto, das den kleinen Mann mit Schnurrbart zeigt, wie er ins Ziel wankt, gestützt von Arzt und Ansager mit Megafon, ist eine Ikone der Sportfotografie. Arthur Conan Doyle und Irving Berlin besangen ihn, er gab der Devise eine Basis: Dabeisein ist alles. Denn Dorando Pietri wurde disqualifiziert.

          Es geht auch ohne den Staat als Zahlmeister

          Vierzig Jahre später lag die Welt in Schutt und Asche, ebenso große Teile Londons. Und ohne die Deutschen, die den erst drei Jahre zuvor beendeten Weltkrieg begonnen und London mit Raketen beschossen hatten, feierten in der englischen Hauptstadt 1948 trotz Armut, Hunger und Zerstörung mehr als doppelt so viele Sportlerinnen und Sportler wie 1908 - 4100 aus 59 Ländern im Vergleich zu gut 2000 in 22 Mannschaften - die Wiedergeburt der Olympischen Spiele. Sie schienen zu beweisen, dass die Welt trotz der Schreckensjahre zusammengerückt war.

          Fanny Blankers-Koen gab den Spielen ihr Gesicht, eine dreißigjährige Mutter zweier Kinder. In sechs Disziplinen hatte die Niederländerin Weltrekorde aufgestellt, darunter im Hochsprung mit 1,71 Metern und im Weitsprung mit 6,25 Metern. Mit Olympiasiegen im Sprint, über 200 Meter, mit der Sprintstaffel und über 80 Meter Hürden wurde sie in selbstgenähten orangefarbenen Shorts zur „fliegenden Hausfrau“. Der Zeitplan zwang sie zum Verzicht auf Hoch- und Weitsprung und damit auf weitere Medaillen.

          Die Spiele von London brachten das erste Olympiastadion. Sie bewiesen, dass es auch ohne den Staat als Zahlmeister geht. Und sie haben für Regeln und neutrale Schiedsrichter gesorgt - auch durch Londoner Skandale.

          Nasse Füße, schwarze Knie - und volle Stadien: Trotz anhaltenden Regens strömten die Zuschauer nach London
          Nasse Füße, schwarze Knie - und volle Stadien: Trotz anhaltenden Regens strömten die Zuschauer nach London : Bild: Musee Olympique Lausanne

          Anhaltender Streit zwischen dem amerikanischen Team und den Gastgebern prägte die Spiele vor 104 Jahren. Erstmals marschierten Nationalmannschaften zur Eröffnung ins Stadion ein. Staaten sahen sich repräsentiert, Zuschauer wussten, wen sie anfeuern mussten. So waren die Fronten abgesteckt, als erst auf den Protest der amerikanischen Mannschaft hin deren Flagge im Stadion aufgezogen wurde. Der amerikanische Kugelstoß-Olympiasieger Ralph Rose paradierte daraufhin mit stolz erhobener Flagge an König Edward VII. vorüber. Auf dem legendären Satz, die amerikanische Fahne werde vor keinem irdischen Herrscher gesenkt, basiert inzwischen eine eiserne Tradition.

          Überhaupt: die Flaggen. Eine Reihe von irischen Sportlern sagte damals ihre Teilnahme ab, weil sie unter der britischen Flagge hätten marschieren sollen, dem Symbol ihrer Unterdrückung. Die Amerikaner kämpften auch für sie. Ein Großteil von ihnen stammte von der Grünen Insel. Die große Hungersnot, die sechzig Jahre zuvor mehr als eine Million Iren dahingerafft hatte, war Teil ihrer kollektiven Erinnerung. Der Irish American Athletic Club New York, dem zehn der 23 amerikanischen Medaillengewinner entsprangen, war im Gegensatz zu den britischen Clubs Heimat auch für Unterprivilegierte; John Baxter Taylor gehörte dazu, als Mitglied der 4 × 400-Meter-Staffel der erste afro-amerikanische Olympiasieger der Geschichte.

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