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Olympia-Termin 2021 gesucht : „Probleme türmen sich“

Die Olympiaverschiebung wirft ihre Schatten voraus. Bild: dpa

Die Verschiebung der Olympischen Spiele ist kompliziert. Fieberhaft sucht die Task Force nach einem neuen Termin. Nur Donald Trump prescht schon wieder vor, übersieht dabei freilich ein wichtiges Detail.

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          Toshiro Muto und Yuriko Koike schienen zu schaudern angesichts des Bergs von Arbeit, der auf sie wartet. Die Aufgabe sei „überwältigend“, sagte der Geschäftsführer des Organisationskomitees von Tokio 2020. „Wir haben Probleme, die sich auftürmen“, erklärte die Gouverneurin von Tokio.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die Verschiebung der Spiele der XXXII. Olympiade um maximal ein Jahr aufgrund des neuartigen Coronavirus ist so kompliziert und vielfältig, dass die Arbeitsgruppe unter dem Namen „Auf geht’s“, die etwa 30 Personen umfasst und sämtliche mit der Verschiebung zusammenhängenden Probleme lösen soll, am Donnerstag mit dem allergrößten Respekt zur ersten Sitzung zusammentrat.

          „Kurz gesagt“, erklärte der Präsident des Organisationskomitees, Yoshiro Mori, in einer Mitteilung auf der hauseigenen Homepage, „ist das, woran wir sieben Jahre lang gearbeitet haben, zu einem kreischenden Halt gekommen, gerade als es losgehen sollte.“

          Nun müsse die gleiche Aufgabe in ungefähr sechs Monate gepackt werden, für die sie zuvor sieben Jahre gebraucht hätten. „Das wird schwierig.“ Und teuer. Muto sprach in seiner Eröffnungsrede von „massiven“ Mehrkosten. Die Nachrichtenagentur Kyodo kündigte an, Yuriko Koike werde das Internationale Olympische Komitee (IOC) darum bitten, sich an den Kosten zu beteiligen.

          Toshiro Muto,Organisationskomitees für die Olympischen Spiele in Tokio: „Es gibt so viele Probleme, die nicht gelöst werden können, wenn der neue Termin für die Spiele nicht feststeht.“

          Die dringlichste Aufgabe der Task Force ist es, einen neuen Termin für die Spiele im kommenden Jahr zu finden. „Wir befinden uns im Wettlauf mit der Zeit“, sagte Muto: „Es gibt so viele Probleme, die nicht gelöst werden können, wenn der neue Termin für die Spiele nicht feststeht.“ Muto erklärte, dass die Interessen der Weltverbände und Nationalen Olympischen Komitees, dazu der Sponsoren, der Fernsehanstalten und natürlich des IOC berücksichtigt werden müssten.

          Am Donnerstag sollte es auch bei einer Telefonkonferenz des IOC mit den 33 betroffenen olympischen Weltverbänden um Themen rund um die Verlegung gehen. Einige von ihnen würden die Spiele, die auch im nächsten Jahr noch Tokio 2020 heißen werden, am liebsten auf den Frühling legen, um ihre Großereignisse im Sommer trotzdem durchziehen zu können. IOC-Präsident Thomas Bach hatte bei einer telefonischen Pressekonferenz am Mittwoch gesagt, dass alle Termine bis zum Sommer 2021 in Frage kämen. „Alle Optionen sind auf dem Tisch.“

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          Eine der zentralen Fragen in Tokio: ob das Olympische Athletendorf wie geplant für die Spiele im nächsten Jahr zu retten ist oder ob es, wie ursprünglich geplant, im Herbst von den neuen Wohnungsbesitzern bezogen wird. Andere Themen sind die Sportstätten, die eigentlich nicht mehr zur Verfügung stehen, die temporären Anlagen, die nun länger gebraucht werden, der Kartenverkauf, die Hotelbuchungen, Transport, der Sicherheitsplan und vieles mehr. Es existierten Tausende von Verträgen, die geändert werden müssten, sagte Muto.

          Derweil verstummt die Kritik an der zögerlichen Vorgehensweise des IOC und der japanischen Regierung nicht, die sich trotz der Zuspitzung der Corona-Lage und der Verzweiflung von Athleten, die ihre Trainingsmöglichkeiten verloren hatten, erst am Dienstag auf eine Verschiebung der Spiele hatten einigen können. Zusätzlich blamabel für das IOC sind die Vorwürfe des türkischen Boxverbandes, der angibt, bei der europäischen Olympiaqualifikation mit 40 Nationen, die am 14. März in London begann und nach drei Tagen abgebrochen wurde, hätten sich zwei seiner Athleten und ein Trainer mit dem Coronavirus infiziert. „Während die Welt extreme Maßnahmen gegen das Virus ergriff, bin ich verblüfft, dass eine Task Force des IOC und die britische Regierung das Turnier zuließen, obwohl viele von uns sich Sorgen machten und fast jeder andere Sport bereits alle Veranstaltungen abgesagt hatte“, erklärte Eyup Gozgec gegenüber der britischen Zeitung „Guardian“. Das IOC hatte dem Box-Weltverband Aiba die Veranstaltung der Olympiaqualifikation entzogen, weil sie mit der Verbandsführung nicht einverstanden war, und eine eigene Task Force damit beauftragt. Die deutschen Boxer, die in London am Start waren, wurden nach der Heimkehr in eine vierzehntägige Quarantäne gesteckt.

          Zweifelhaften Optimismus, dass Japan und das IOC die Aufgabe mit Bravour stemmen werden, demonstrierte nur der amerikanische Präsident Donald Trump. In einem Tweet gratulierte er Japans Premierminister Shinzo Abe und dem IOC für die „weise Entscheidung“ und kündigte für nächstes Jahr sein Kommen an. So, als stünde dazwischen nicht etwa im November eine Wahl.

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