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Lost in Translation (14) : Stadtbummel durch Tokio

Belebter Platz, beliebtes Fotomotiv: die Olympischen Ringe vor dem Olympiastadion in der japanischen Hauptstadt Bild: AP

Als Olympia-Reporter ist man beim Spaziergang erstaunlich froh, auch im Freien eine Maske zu tragen. Sie schützt in diesem Moment nicht nur vor dem Virus. Sondern auch vor der eigenen Scham.

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          Am vorletzten Tag in Tokio ein erster Spaziergang durch die Stadt. Und was für eine Stadt das ist. Als Olympia-Reporter hat man die Schönheit davor höchstens durch das Fenster des Shuttlebusses erahnen können, wenn der mal wieder über die Rainbow Bridge gefahren ist. Jetzt steht man mittendrin. In der Stadt und in der Schönheit.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Das geht, weil mehr als 14 Tage in der olympischen Blase mit Fiebermessen (täglich) und Spucktest (mindestens alle drei Tage) negativ und damit – wie immer in dieser Corona-Pandemie – positiv verlaufen sind. Und weil sich der Japan-Korrespondent freundlicherweise als Stadtführer angeboten hat.

          Gastgeber, die nie Gäste sein durften

          Auf dem Spaziergang (und später ehrlicherweise auch der Spazierfahrt) vom Pressezentrum in die Stadt und danach zum Nationalstadion wundert sich der Korrespondent immer wieder, wie wenige Menschen durch die Straßen laufen. In Tokio wohnen fast 14 Millionen. Nur vier Millionen weniger als in Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit den meisten Einwohnern in Deutschland.

          Alle, die an diesem frühen Abend unterwegs sind, tragen Masken. Sie machen das, obwohl sie es im Freien nicht machen müssten. Auf der kleinen Entdeckungstour kommt man nur an zwei Orten vorbei, an denen sich Japanerinnen und Japaner tummeln. Am olympischen Feuer und an den olympischen Ringen.

          Es ist vor allem der kleine Platz mit den fünf Ringen, der einem in diesen Tagen von Tokio immer wieder vor Augen führt, was das für Olympische Spiele hätten werden können. Dort stellen sich die Japanerinnen und Japaner an, um sich mit den Ringen und dem sehr schönen Nationalstadion im Hintergrund fotografieren zu lassen. Ein Erinnerungsbild für diese tollen Gastgeber, die im eigenen Stadion nie Gäste sein durften.

          Als Olympia-Reporter sieht man diese Szenen, weil man mit seiner Akkreditierung um den Hals, dem Ausweis der Privilegierten, von nur einer Absperrung getrennt an ihnen vorbei durch die Sicherheitsschleuse ins Stadion spaziert. Und wenn diese freundlichen Japanerinnen und Japaner einem dann noch höflich winken, ist man erstaunlich froh, auch im Freien eine Maske zu tragen. Sie schützt in diesem Moment nicht nur vor dem Virus. Sondern auch vor der eigenen Scham.

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