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Olympische Spiele : Höhenflüge und HappyEnd

Gemeinsame Höhenflieger: Björn Otto und Raphael Holzdeppe Bild: dpa

Björn Otto und Raphael Holzdeppe holen Silber und Bronze im Stabhochsprung - Hammerwerferin Betty Heidler wird für hartnäckiges Warten mit Bronze belohnt.

          2 Min.

          Ein Höhenflug von Björn Otto und Raphael Holzdeppe und die Hartnäckigkeit von Betty Heidler haben der deutschen Mannschaft am Freitagabend in London drei Medaillen beschert. Der 34 Jahre alte Otto gewann Silber im Stabhochsprung vor seinem zwölf Jahre jüngeren Mannschaftskameraden Raphael Holzdeppe. Der Franzose Renaud Lavillenie zwang die beiden, sich an der Höhe von 5,97 Meter zu versuchen, die nur er meisterte. Die beiden Deutschen überwanden 5,91 Meter. Otto versuchte sich mit seinem letzten Sprung an 6,02 Meter - in einem fast immer noch mit 80000 Zuschauern gefüllten Stadion. In der gleichen Reihenfolge waren die drei schon bei der EM in Helsinki aufs Podest gesprungen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Hammerwerferin Betty Heidler musste bis eine Stunde nach dem Wettkampf warten, bis der Wurf akzeptiert war, der ihr Bronze brachte: 77,13 Meter. Die Weitenmessung hatte ausgerechnet ihren weitesten Wurf nicht an den Computer weitergegeben. Betty Heidler protestierte, besprach sich mit ihrem Trainer Michael Deyle, und protestierte weiter. Während routinemäßig alle Würfe von 75 Meter an nachgemessen wurden, fand die Technik des Organisationskomitees den Wurf im Computersystem.

          Als der Abend fast vorüber war, erfuhr die Chinesin Wenxiu Zhang (76,34 Meter), dass sie ihre Bronzemedaille an Betty Heidler verloren hatte. „Betty hat großartig gekämpft“, lobte Chefbundestrainer Idriss Gonschinska. „Aber es ist natürlich schade, dass ein solcher olympischer Moment durch einen Transferfehler zunichte gemacht wird.“ Die deutsche Mannschaftsleitung hatte während des Wettkampfes vorsorglich Protest eingelegt, doch Betty Heidler setzte sich bei den Kampfrichtern durch.

          Bis 5,85 Meter waren Otto, Zweiter der Hallen-WM von Istanbul und der Europameisterschaft von Helsinki in diesem Jahr, und Holzdeppe, der einstige Junioren-Weltmeister, mit Lavillenie gleichauf gewesen. Der 22 Jahre alte Holzdeppe überwand im ersten Versuch 5,91 Meter, Otto folgte ihm auf dem Fuße - und Lavillenie, der beste Hochspringer der Welt, der drei Höhen vorher fehlerlos überwunden hatte, riss.

          Daraufhin ließ er die Latte auf 5,97 Meter legen - eine Höhe, die Holzdeppe und Otto noch nie überwunden hatten. Holzdeppe riss dreimal, Otto zweimal, doch dann hob der 25 Jahre alte Franzose im letzten möglichen Versuch auf 5,97 ab. Nun versuchte sich Otto mit seinem letzten Sprung an 6,02 Meter - allerdings vergeblich. Als Lavillenie, der Europameister von Barcelona und Helsinki, längst Olympiasieger war, legte er noch 6,07 Meter auf, olympischen Rekord - doch dafür reichte es dann doch nicht mehr.

          Stehvermögen am Kampfrichtertisch: Betty Heidler pocht auf ihr Weitenrecht Bilderstrecke
          Stehvermögen am Kampfrichtertisch: Betty Heidler pocht auf ihr Weitenrecht :

          Malte Mohr war da bereits mit drei Fehlversuchen bei 5,75 Meter ausgeschieden. Er war nicht der erste gewesen. Steve Hooker, der Olympiasieger von Peking und Weltmeister von Berlin, scheiterte an seiner Einstiegshöhe von 5,65 Meter. Seit Monaten kämpft der Australier gegen unerklärliche Koordinationsprobleme.

          Heidlers Dank an die Briten

          „Ich danke den Briten, dass sie den Fehler im System festgestellt und das alles aufgeklärt haben“, sagte Betty Heidler erleichtert. „Ich freue mich so über die Medaille.“ Olympiasiegerin wurde die vor wenigen Jahren wegen Dopings gesperrte Russin Tatjana Lysenko mit 77,90 Meter vor der ehemaligen Weltmeisterin Anita Wlodarczyk aus Polen mit 77,60 Meter. Hinter Wenxiu Zhang wurde Kathrin Klaas, Betty Heidlers Frankfurter Vereinskameradin, Fünfte. Vor wenigen Wochen war sie wegen einer Platzwunde, die sie bei einem Sturz erlitten hatte, noch außer Gefecht. Nun schleuderte sie den Hammer 76,05 Meter weit, so weit wie noch nie in ihrem Leben.

          Bei der Europameisterschaft in Helsinki war Betty Heidler ohne einen gültigen Versuch ausgeschieden, war sich aber sicher gewesen, dass sie den technischen Fehler, der den Fehlwürfen zugrunde lag, im Training korrigieren würde. Sie hatte in diesem Jahr schon 78,07 Meter erreicht. Deyle, der Trainer der beiden Frankfurter Hammerwerferinnen, sah sich vergangene Woche gezwungen, einen Artikel zu dementieren, laut dem er Konkurrentinnen Doping vorgeworfen hat.

          „Was man definitiv sagen kann: Das wird in London nicht passieren“, hatte Betty Heidler über den Rückschlag von Helsinki gesagt. „Eigentlich lustig, dass nach einem solchen Ereignis die Aufmerksamkeit so groß ist. Man kann fast drüber lachen“, sagte sie. „Aber ich arbeite nicht für die Aufmerksamkeit. Ich arbeite dafür, die Beste der Welt zu sein.“

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