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Olympische Spiele : Eröffnungsfeier in Tokio ohne Zuschauer?

Noch sind einige Fragen offen vor den Olympischen Spielen in Japan. Bild: Reuters

Wenige Wochen vor dem Start der Sommerspiele in Tokio steht laut Medienberichten die Teilnahme von Zuschauern ausgerechnet an der olympischen Eröffnungsfeier in Frage. Und es gibt einen neuen Corona-Fall.

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          Je näher die Olympischen Spiele rücken, desto konkreter werden die damit verbundenen Probleme. Angesichts steigender Infektionszahlen in Tokio könnte ausgerechnet die üblicherweise glanzvolle Selbstdarstellung der Gastgeber, die Eröffnungsfeier, unter Ausschluss von Zuschauern stattfinden. Vor einem Jahr, als die Spiele wegen der Pandemie verschoben wurden, hatte sogar noch die Idee im Raum gestanden, bei dieser Gelegenheit den Triumph der Menschheit über das Coronavirus zu feiern.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Die größte japanische Tageszeitung „Yomiuri Shimbun“ berichtete nun am Sonntag, die Ränge könnten beim großen Zeremoniell am 23. Juli leer bleiben. Am 8. Juli will das Organisationskomitee mit der Regierung, der Stadtverwaltung sowie dem Internationalen Olympischen und dem Paralympischen Komitee noch einmal über diese Frage diskutieren. Auch von einem Teil der Wettkämpfe könnten Zuschauer ausgeschlossen werden. Ausländische Besucher der Spiele sind ohnehin ausgeladen.

          335 russische Sportler nach Japan

          Unter den immer zahlreicher anreisenden ausländischen Athleten, die sich in Trainingslagern im Inland akklimatisieren wollen, wurde ein weiterer Corona-Fall entdeckt. Die japanische Regierung gab bekannt, dass ein Mitglied des serbischen Teams am Samstag bei der Ankunft am Flughafen Haneda in Tokio positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Die Person sei isoliert, vier Begleiter in eine Unterkunft nahe des Flughafens gebracht worden. Ein Sprecher der Stadt Nanto, dem Ziel des fünfköpfigen Teams, erklärte, es handele sich um Ruderer. Zuvor waren zwei Mitglieder der Olympia-Mannschaft aus Uganda positiv getestet worden, eines von ihnen war erst im Trainingslager entdeckt worden. Es wurde nachgewiesen, dass sie sich mit der besonders infektiösen Delta-Variante angesteckt hatten.

          Auch die dem Sport immanenten Schwierigkeiten nehmen nun konkretere Formen an. So gab das Russische Olympische Komitee (ROC) bekannt, es werde 335 Sportler zu den Spielen in Tokio entsenden – das sind 50 mehr als bei den Spielen 2016 in Rio starteten, als russische Sportler aufgrund der Beweislage bezüglich Staatsdopings nur unter Auflagen und nach einer überhasteten Prüfung durch die Weltverbände zugelassen waren. Dieses Mal ist Russland durch die Welt-Anti-Doping-Agentur gesperrt, als Konsequenz daraus, dass durch manipulierte Datensätze die weitere Aufklärung des Staatsdopings verhindert werden sollte.

          Russische Sportler müssen als „neutrale Athleten“ an den Start gehen, sind allerdings leicht kenntlich. Der Volleyballspieler Maxim Michailow und die Fechterin Sofia Velikaja werden die Flagge des ROC ins Stadion tragen, die Mannschaftskleidung wird den Schriftzug des ROC tragen. Als Hymne dient ein Auszug aus Tschaikowskys Erstem Klavierkonzert. Diese Auflagen hatte der Internationale Sportgerichtshof gemacht, der die gesamte Sperre von vier Jahren auf zwei halbierte.

          Unterdessen hat der Südsee-Inselstaat Samoa, unter dessen 200.000 Einwohnern es bisher nur einen Fall von Covid-19 gegeben hat, die Teilnahme seiner Gewichtheber aus Furcht vor Einschleppung abgesagt. Insgesamt hätten sich elf Athleten aus Samoa für die Spiele qualifiziert, von denen aber nur drei Gewichtheber tatsächlich in dem Archipel lebten, sagte Patrick Fepulea‘i, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees. Die anderen Sportler lebten in Australien und Neuseeland, einer sei bereits in Japan. Diese sieben Sportler dürften teilnehmen. Fepulea‘i berief sich auf eine Entscheidung der Regierung, deren Logik er voll und ganz verstehe. „Besonders die Notwendigkeit, Samoa vor dem Virus zu schützen, speziell vor der neuen Variante, die sich jetzt auf der ganzen Welt verbreitet“, sagte Fepulea‘i.

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