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Olympia 2021 : Das Tokio-Modell

Es geht auch bescheidener: bei Olympia in Tokio soll an allen Posten gespart werden, nur nicht beim Sport. Bild: dpa

Mehr Bescheidenheit und weniger Delegierte bei Olympia 2021 in Japan und darüber hinaus. Die Vereinfachung der Spiele soll auch künftigen Organisationen als Blaupause dienen, ohne am Sport zu sparen.

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          Im Frühjahr hatten die Verantwortlichen in Tokio sich noch gescheut, das Wort in den Mund zu nehmen. Jetzt aber schwärmt der Australier John Coates, im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für die Sommerspiele in Tokio 2021 zuständig, vom „Tokio-Modell“. Die Vereinfachung der Spiele, die Japan als Folge der Verschiebung anstrebt, soll künftigen Organisationen als Blaupause für simplere und billigere Spiele dienen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Auch der Präsident des nationalen Vorbereitungskomitees, Yoshiro Mori, spricht nun von Tokio als Rollenmodell. Bislang ist die Blaupause nur in den 52 Maßnahmen zur Vereinfachung der Spiele zu erkennen, auf die der Koordinierungsausschuss des IOC sich am Freitag mit den Organisatoren geeinigt hat.

          Aus der Fülle der teils wenig spektakulär erscheinenden Korrekturen ragt heraus, dass 10 bis 15 Prozent weniger offizielle Delegierte mit den Sportlern nach Tokio anreisen werden. Das Medienzentrum soll acht Tage später als geplant öffnen. Beim Einzug der Mannschaften in das Olympische Dorf werden die Willkommenszeremonien gestrichen. Trainingsplätze werden erst einen Tag nach Eröffnung des Olympischen Dorfes zur Verfügung stehen. Andere Maßnahmen sind weniger Dekorationen an den Sportstätten, Ersparnisse beim Essen und Trinken während Empfängen oder der Verzicht auf die feierliche Eröffnung der IOC-Sitzung im Nationaltheater. Verzichtet wird auch auf spezielle Datennetzwerke, über die die Offiziellen in ihren Hotelzimmern die Spiele im Fernsehen verfolgen können. Sie werden über das gewöhnliche Internet schauen müssen.

          Zahl der Athleten wird nicht reduziert

          Wie viel Geld durch diese Vereinfachung gespart wird, wollen die Organisatoren erst gegen Jahresende bekanntgeben. Weitere Vereinfachungen seien zu erwarten, heißt es. Doch den Wert der Korrekturen sehen die Organisatoren nicht nur in geringeren Kosten. Ein klein wenig soll es unter dem Eindruck der Pandemie auch darum gehen, die Spiele auf ihren Kern zurückzuführen. Deshalb wird die Zahl der Athleten und Wettbewerbe nicht reduziert.

          Deshalb auch bleiben der Zeitplan und die Stationen für den Fackellauf unverändert. Man dürfe die Menschen nicht enttäuschen, die sich seit Monaten auf den Fackellauf vorbereiteten, sagte Mori. Feierlichkeiten und die Zahl der Begleitfahrzeuge aber sollen verringert werden. Auch die Eröffnungs- und Abschlussfeier würden nicht mehr extravagant, sondern in einem bescheideneren Rahmen stattfinden, erklärte Mori.

          Der feste Wunsch der Japaner, die Spiele um jeden Preis stattfinden zu lassen, erhielt diese Woche Unterstützung durch IOC-Präsident Thomas Bach. Er dringt darauf, die Spiele fit für die Post-Corona-Welt zu machen. Dieser Wille versetzt Berge. Manche Delegationen sollen zum Stadion nicht mehr mit angemieteten Bussen anreisen, sondern mit U-Bahnen im öffentlichen Nahverkehr. Vor der Corona-Pandemie wäre ein solcher Schritt unmöglich gewesen, sagte ein Vertreter des Organisationskomitees. Die Einsparungen dadurch seien vielleicht nicht groß, aber der Busverkehr rund um das Stadion werde spürbar verringert. Das sei ein wichtiges Zeichen für die Anwohner und für die Öffentlichkeit, dass die Organisatoren es mit einer Vereinfachung der Spiele ernst meinten.

          Auch die japanische Regierung bewegt sich. In den vergangenen Monaten hat sie ein hartes Einreiseverbot für Ausländer verfolgt und rückt nur zögerlich davon ab. Doch den Athleten wird für 2021 schon in Aussicht gestellt, dass sie nicht in Hausquarantäne müssen und direkt nach Einreise trainieren dürfen. Sie werden aber mit Tests eine Corona-Virenfreiheit nachweisen müssen und dürfen sich auch nur in bestimmten Bereichen bewegen.

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