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Olympische Menschen : So viele schöne Körper

Auf dem olympischen Catwalk
          5 Min.

          Brust raus! Wo sollen wir stechen? Dana Vollmer hatte von Beginn an klare Vorstellungen. Sie wollte nicht nur ein Tattoo, sondern irgendwann auch einen Ehemann. „Ich wusste, dass ich eines Tages ein Hochzeitskleid tragen werde“, sagte die 24 Jahre alte Amerikanerin. „Und ich wollte das Tattoo nicht an einer Stelle, an der man es sehen würde, wenn ich zum Altar gehe.“

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Als sie am Sonntagabend aus dem Schwimmbecken stieg, in dem sie über 100 Meter Schmetterling in Weltrekordzeit Gold gewonnen hatte, ließ sich mit der nötigen Sehschärfe erkennen, dass Dana Vollmer sich am Ende eine wirklich diskrete Stelle ausgesucht hat. Knapp über dem hinteren Ausschnitt ihres Badeanzugs, am unteren Teil des Rückens, wurden die fünf olympischen Ringe sichtbar.

          Die tätowierten Ringe gelten unter amerikanischen Schwimmern als „besonderes Zeichen von Prestige“, schrieb der „Herald Tribune“, „wegen des harten Kampfes um die olympischen Startplätze“. Sie sind das Zeichen dessen, der es geschafft hat. Die Idee ist nicht neu, sie soll auf den Freistilschwimmer Chris Jacobs zurückgehen, der sich 1988 die Ringe auf den Oberarm stechen ließ und danach eine Erkrankung vorgaukelte, um eine Trainingspause zu bekommen. Denn der Tätowierer hatte ihn gewarnt, er müsse zehn Tage auf dem Trockenen bleiben, weil sonst das Chlorwasser „das Tattoo tötet“.

          Ob Arm, ob Bein: Platz für ein Tattoo ist überall Bilderstrecke
          Ob Arm, ob Bein: Platz für ein Tattoo ist überall :

          Damals war man als tätowierter Sportler ein Exot, heute liegt man im Mainstream. Auch Missy Franklin, das 17-jährige neue Wunderkind des amerikanischen Schwimmens, will sich „als Motivation“ die Ringe stechen lassen, in die rechte Hüfte, wenn sie Gold gewonnen hat. Die erste Chance mit der 4 × 100-Meter-Staffel ging schief, aber jetzt hat sie es ja geschafft. Mal sehen, ob sie Wort hält?

          Olympia, das ist ein Kampf um Medaillen, aber es ist auch die weltgrößte Bühne des Körperkults; eine alle vier Jahre zelebrierte Mustermesse dessen, wie sich Menschen formen oder verformen können. Auf diesem Catwalk der Körper zeigt man gern und ungeniert, was man hat, vor allem in jenen Sportarten wie Schwimmen, Leichtathletik oder Volleyball, die die menschliche Gestalt gemäß dem gängigen Schönheitsideal formen: groß, schlank, ebenmäßig muskulös.

          So ist es den Athletinnen im Beachvolleyball erstmals erlaubt, auch Shirts und Shorts zu tragen, die meisten aber treten weiterhin im Bikini an. Und die Schwimmer genießen nicht nur wegen der deutlichen Zeitersparnis beim Einkleiden ihre Befreiung von den engen Ganzkörperanzügen, die eine Zeitlang schnellere Zeiten machten, nun aber verboten sind.

          Wie die Service-Crew einer Fluggesellschaft

          Bei den meisten olympischen Bodys ist es eigentlich egal, was sie tragen, Hauptsache es ist nicht zu viel. Es lässt sich aber, obwohl wegen der Publicity auch namhafte Designer wie Armani, Ralph Lauren oder Prada offizielle Teamanzüge einzelner Länder gestalten, bei der Einkleidung einiges vermasseln. Generell gilt, dass olympischen Sportlern ihre Wettkampfkleidung meist besser steht als die manchmal seltsamen bis peinlichen Outfits beim Einmarsch der Nationen.

          Nicht selten sehen sie darin aus wie die Service-Crew einer Fluggesellschaft oder Zusteller einer Paketgesellschaft. Besonders schrecklich ist der Dress der Spanier. Im Internet kursiert ein Foto, das den unglücklich aussehenden Kanuten Saul Craviotto in der offiziellen Teamkleidung zeigt. Er wirkt darin wie die Bedienung in einem Fast-Food-Restaurant, der seine Uniform zu heiß gewaschen hat.

          Kostenlose Maniküre im Nagelstudio

          Dabei legen gerade olympische Sportler großen Wert auf ihr Aussehen. Viele nutzen die kostenlose Maniküre im Nagelstudio des Olympischen Dorfes - auch wenn diesmal niemand dabei ist mit Krallen wie die frühere Hürdensprinterin Gail Devers, die ihre fingerlangen Fingernägel mit Klebeband fixierte, damit sie beim Stabwechsel in der Staffel nicht brachen. Einen Friseur gibt es natürlich auch, wenngleich nicht sicher ist, ob Megan Rapinoe fremde Scheren an ihr Markenzeichen lässt, ihren wasserstoffblonden Kurzhaar-Schopf. Für ihre Frisur hat die amerikanische Kickerin einen eigenen Twitter-Account.

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