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Fidschis Rugby-Olympiasieg : Auf Gold folgt Gospel

Zeit zu Singen: Die fidschianische Rugy-Auswahl hat zum zweiten Mal Gold bei Olympischen Spielen gewonnen. Bild: AP

Seit ihrem ersten Olympia-Triumph ziert ein Foto der fidschianischen Rugby-Auswahl eine Banknote. In Tokio wiederholen die Kolosse von der kleinen Pazifikinsel ihren großen Coup – und geben ein Ständchen zum Besten.

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          Gäbe es eine Goldmedaille im Singen, Fidschis Rugbyspieler könnten sich gute Chancen auf einen weiteren Olympiasieg ausrechnen. Am Mittwoch, sie hatten gerade das Finale gegen Neuseeland gewonnen, standen die Kolosse von der kleinen Pazifikinsel Arm in Arm im menschenleeren Tokyo Stadium. Die Augen bei vielen noch feucht vom überwältigenden Gefühl des Triumphs, stimmten sie einen Gospel an. Und wie sie sangen! Mehrstimmig, harmonisch, gefühlvoll, geradezu künstlerisch wertvoll. Ein olympischer Moment, der berührte.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Nun muss man wissen, dass der ungewöhnliche Sängerbund der Kraftprotze Tradition hat. Erst vor wenigen Monaten machte ein Video im Internet Karriere, das eine fidschianische Rugby-Auswahl beim Singen zeigte. Auf den winzigen Balkonen eines Hotels stehend, brachten die Spieler der Belegschaft ein rühriges Ständchen dar. Zum Dank für die Umsorgung während der obligatorischen zweiwöchigen Quarantäne für Einreisende nach Australien. Auch 2016 in Rio de Janeiro gaben die Fidschianer den kunstvollen Chor.

          Bei der olympischen Premiere des 7er Rugby hatten sie zuvor ebenfalls Gold gewonnen. Es war damals die erste Olympia-Medaille überhaupt für ihr Land. In ihrer Heimat wurden die Spieler als Helden empfangen. Ihre Triumphfahrt führte durch alle Regionen der Insel und dauerte fast eine Woche. 900.000 Einwohner hat der kleine Pazifikstaat. Fast jeder davon wollte die Medaillen und ihre Gewinner aus der Nähe bejubeln. Mittlerweile ziert das Mannschaftsfoto der Heroen von Rio sogar eine Banknote.

          Auf denen ist sonst nur Königin Elizabeth II. abgebildet, offiziell noch immer oberste repräsentative Würdenträgerin in der ehemaligen britischen Kolonie. Etwa fünf Euro ist der Rugby-Schein wert. Auf dem Papier. Denn der emotionale Wert ist für die meisten Fidschianer um ein Vielfaches höher. Vor dem Finale von Tokio wurden die Sondernoten vielerorts als Glücksbringer bemüht.

          Im 7er Rugby, der kleineren, schnelleren und auf ein dreitägiges Turnierformat eingedampften Variante dieses kampf- und körperbetonten Sports, ist Fidschi das, was Neuseeland mit seinen legendären „All Blacks“ in der bekannteren 15er-Variante ist: das Maß aller Dinge. Seit Jahren schon. Die Fidschianer gewannen die Weltmeisterschaft, führen die Weltrangliste an und triumphierten mehrfach in der „World Series“, der wichtigsten Turnierserie. Auch in Tokio galten sie als Favorit. Doch die Konkurrenz vor allem aus den klassischen Rugby-Nationen wie Neuseeland, Südafrika und Großbritannien hatte es in sich.

          Zu Beginn des Turniers wirkte es noch, als seien die Fidschianer diesmal angreifbar. Nicht immer souverän hatten sie sich durch ihre Vorrundengruppe mit Briten, Japanern und Kanadiern gespielt. Gewonnen hatten sie ihre Spiele dennoch. Ebenso das Viertelfinale gegen Australien und das Halbfinale gegen den späteren Bronzegewinner Argentinien. Im Endspiel gegen Neuseeland hoben die „Flying Fijis“, die fliegenden Fidschianer, dann ab. Am Ende stand dank eines nie gefährdeten 27:12 die olympische Goldmedaille – und ein akustischer Höhepunkt dieser sonst so stillen Spiele.

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