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Nach Olympia-Verschiebung : Quälende Fragen für den Sport

  • Aktualisiert am

„Die Arbeit geht weiter“: Gesa Krause, hier 2016, sieht die Verschiebung der Olympischen Spiele gelassen. Bild: dpa

Die Olympischen Spiele in Tokio werden verlegt. Dazu haben die Sportler eine klare Meinung. Doch wartet nun viel Arbeit auf die Verantwortlichen, viele Dinge bleiben unsicher. IOC-Präsident Bach reagiert sofort.

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          Deutschlands Olympia-Stars haben überwiegend mit Erleichterung auf die Verschiebung der Olympischen Spiele reagiert. Die Hängepartie ist beendet, kein Training mehr unter extrem schweren Bedingungen, kein verzweifeltes Suchen nach geöffneten Trainingsstätten.

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          „Meine Ziele haben sich nicht geändert. Sie sind nur um ein Jahr verschoben. Die Arbeit geht also weiter“, sagte Hindernis-Europameisterin Gesa Krause und auch die dreifache Bahnrad-Weltmeisterin Emma Hinze sieht sich trotz bester Aussichten auf reichlich Edelmetall nicht einer großen Chance beraubt. „Ich finde das gar nicht so schlimm, weil ich noch jung genug bin, auch in den Folgejahren noch an Olympischen Spielen teilnehmen zu können. Meine Leistungskurve geht noch nach oben“, sagte die 22-Jährige, die vor gut drei Wochen gleich dreimal bei der Heim-WM in Berlin triumphiert hatte.

          Andere Sportler stehen dagegen nicht am Anfang ihrer Karriere, sondern müssen nun umdenken. „Ich wollte nach den Spielen meine Karriere beenden. Jetzt muss ich das erstmal sacken lassen und mit meiner Frau Gespräche führen“, sagte Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe. Ähnlich sieht es Ringer-Weltmeister Frank Stäbler: „Mein Olympia-Traum ist verschoben – nicht geplatzt. Auch wenn es für mich aktuell schwer zu greifen ist, es ist die absolut richtige Entscheidung die Spiele zu verlegen.“ Der 30-Jährige hängt einfach noch ein Jahr dran.

          „Was passiert damit?“

          Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf blickt bereits weiter. „Es gibt viele spannende Themen: Was passiert mit den qualifizierten Spielern? Was passiert mit der Weltrangliste – wird sie eingefroren? Was passiert mit den Turnieren?“, fragte der frühere Weltmeister im Doppel. 57 Prozent der Athleten hatten bereits ihr Ticket für Tokio sicher. Bis 2021 kommen neue Turniere, neue-Welt- und Europameisterschaften. Womöglich werden in manchen Sportarten die Karten neu gemischt.

          Zuerst muss das Internationale Olympische Komitee aber einen neuen Termin finden. „Das geht nicht in einem Telefongespräch“, sagte IOC-Chef Thomas Bach. Olympia sei das komplexeste Event auf dem Planeten. Realistisch sind zwei Szenarien: Entweder wie ursprünglich vorgesehen im Sommer nach der ebenfalls um ein Jahr verschobenen Fußball-EM oder im Frühling, womöglich im Mai. Dann wären auch die Temperaturen in Tokio angenehmer.

          Für die IOC-Koordinierungskommission und das Organisationskomitee beginnt nun erst recht die Arbeit. Der Sportkalender muss neu abgesteckt werden und auch in Japan sind hinsichtlich Olympisches Dorf, Hotels und Sportstätten viele Fragen offen. Immerhin wurde nun auch der für Donnerstag angesetzte Fackellauf abgesagt. Das teilte das Organisationskomitee am Mittwoch mit. Ein neuer Termin für die Zeremonie werde verkündet, wenn die Daten für die Neuansetzung der Spiele feststehen, hieß es in der Mitteilung.

          Tags zuvor hatten das Internationale Olympische Komitee und die japanischen Gastgeber die Tokio-Spiele wegen der Coronavirus-Pandemie ins nächste Jahr verlegt. Die Sommerspiele sollen auf „ein Datum nach 2020 verlegt werden“, aber nicht später als im Sommer 2021 stattfinden, hieß es.

          Zudem wurde vereinbart, „dass die Olympische Flamme in Japan bleibt“. Ursprünglich sollte der Fackellauf am Donnerstag in der Präfektur Fukushima unter Ausschluss der Öffentlichkeit ohne Fackel, ohne Fackelträger und ohne jegliche Zeremonie starten. Das Organisationskomitee werde nun prüfen, wie diejenigen, die für dieses Jahr als Fackelträger vorgesehen waren, für den neu angesetzten Lauf vorrangig berücksichtigt werden könnten, teilte das OK weiter mit.

          Bach spricht zu Athleten

          IOC-Präsident Bach hat die Athleten derweil um Verständnis für mögliche Einschnitte bei der Neuorganisation der verlegten Sommerspiele in Tokio gebeten. „Ich kann keine idealen Lösungen versprechen, aber ich kann versprechen, dass wir die bestmöglichen Spiele haben werden“, sagte der Chef des IOC in einer an die Sportlerinnen und Sportler gerichteten Video-Botschaft.

          „Gebt uns Zeit, all diese Fragen zu prüfen, um dieses Puzzle zusammenzusetzen“, sagte Bach. Der 66-Jährige verwies darauf, dass Sommerspiele „das komplexeste Ereignis auf diesem Planeten“ seien. Es gebe für eine Verschiebung Olympischer Spiele bislang „keine Blaupause“. Daher sei es für die Olympia-Macher eine „extreme Herausforderung“.

          Bach bat die olympischen Athleten um Mithilfe. „Gebt uns allen Input und alle Informationen, die wir brauchen, um all dies möglich zu machen“, sagte der deutsche Fecht-Olympiasieger von 1976. Die Sportler sollten flexibel und vereint sein, so Bach.

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